Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
611
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fern zu th ahnte, entdeckte, d22

nicht ſo ne Ver⸗ Schrei⸗ vorigen lebhaft

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Vierte

nicht mehr finden; es wird Mittel geben, ſie zu ent fernen bin ich nicht Herrin von Holzau? und iſt nicht die Meierei, welche ihre Eltern bewohnen, mein Eigenthum? Und ſollte Oskar wiederkehren und Rechenſchaft fordern, ſo bin ich eine Palm, gleich ihm, und was ich that, das geſchah für die Ehre meines Hauſes. Sie ſprachen noch länger miteinander und er⸗ ſannen Pläne, um einen heiligen Bund zweier Herzen zu zerſtören, gegen welchen Adelsſtolz und Vorurtheil des Standes die eherne Hand der Vernichtung er⸗ hoben. Der

Abend des folgenden Tages dämmerte be⸗ reits, als Oskar von Palm And der an ihn abgeſandte Eilbote durch die Thore Berlins einritten. Sie hat⸗ ten einen furchtbar anſtrengenden Ritt gethan und unterwegs kaum zur dringenden Nothwendigkeit ge⸗ raſtet, und der arme Bote beſonders, welcher den langen Weg zweimal in fliegender Eile zurückgelegt hatte, war zum Tode ermüdet.

Die beiden Reiter kehrten in einer einfachen Herberge ein, Graf Oskar unter dem einfachen Na⸗ men Palm, und ſtellten ihre Pferde daſelbſt ein. Dann aber brachen ſie trotz ihrer Erſchöpfung ſogleich auf, um den verwundeten Baron Felix in ſeinem Ver⸗ ſtecke aufzuſuchen.

Sie fanden ihn ſicher und wohlgeborgen in dem Gartenhauſe eines Freundes einquartiert, den Arzt und die Amme als ſorgſame Pflegerin an ſeinem Bette.

Der Zuſtand des Kranken war ein beklagens⸗ werther und, wie ſich Oskar nicht verhehlen durfte, ein hoffnungsloſer. Der vor Kurzem noch ſo blü hende Jüngling glich einem erſterbenden Lichte, deſſen Lebensgeiſter vor dem Luftzuge nur noch einmal auf⸗ flackern, um nachher um ſo ſchneller zu verloͤſchen. Ein ſolcher Luftzug war für den ſchwachen Kranken die Ankunft des Jugendfreundes, nach welchem er ſich von Stunde zu Stunde dringender geſehnt hatte.

Als Oskar nun an ſein Lager trat und die Au⸗ gen der Freunde ſich in innigem Liebesblicke begegne⸗ ten, da flammten die des Leidenden noch einmal hell empor, und mit der vollen Zärtlichkeit einer echten Freundſchaft breitete er dem Erſehnten die matten Arme entgegen.

Vergebens mahnte der Arzt zur Ruhe und Vor⸗ ſicht, der Kranke ließ ſich nicht abhalten, dem reichen Gefühlsſtrome ſeines wohl das nahe Ende ahnenden Herzens nachzugeben, und der Arzt gab endlich ſeinen Widerſtand dagegen auf.

Jolge.

Wir wollen ihm nicht die letzte Freude kürzen,

Ton drang über ſie.

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ſagte er leiſe zu der ſtill weinenden Amme,denn es

wird ſeine letzte ſein.

Die Nacht verging dem Leidenden unter Qual und Schmerzen. Graf Oskar wich nicht von ſeinem

Lager, und der Kranke hielt mit ſeiner matten, kaum

eines leiſen Druckes noch fähigen Hand die des Freundes in der ſeinigen feſt. Sein bleiches Ange⸗ ſicht war dem des Freundes zugewendet. So oft er die müden Augen aufſchlug, richtete er ſie mit dem Ausdruck unendlicher Liebe auf den Freund, und mit⸗ ten durch die Zuckungen des Schmerzes ſtahl ſich ein leiſes Lächeln der Freude. Auch der Morgen brachte keine Beſſerung. Der Zuſtand des Kranken wurde immer bedenklicher, und er empfand ſelber die Ab⸗ nahme der Kräfte. Leiſe verlangte er nach ſeinen Eltern.

Ich fühle es, Oskar, der Tod tritt mir mit je⸗ der Secunde näher, laß mich nicht ohne Abſchied von meinen Eltern ſterben!

Graf Oskar blickte fragend auf den Arzt menſchliche Hülfe iſt hier vergeblich! flüſterte dieſer voll Trauer,ich werde ſelbſt gehen, um den Wunſch des Sterbenden zu erfüllen. Die Gefahr, mit wel⸗ cher die Menſchen ihn bedrohten, iſt für ihn vorüber, denn nach wenigen Stunden wird er ausgelitten haben.

Kaum eine Stunde nachher ſtanden ſeine Eltern an dem Bette des Sterbenden und empfingen tief er⸗ ſchüttert ſeine letzten Grüße und Wünſche.

Sie hatten bis zu dieſem Augenblick auf die Möglichkeit der Rettung gehofft, und die Gewißheit des nahen Verluſtes, welche mit deutlichen Ziffern in den bleichen Zügen des Sohnes ausgeprägt war, traf ſie wie ein Blitzſtrahl mit vernichtender Gewalt. Felix war ihr einziges Kind und die Freude und der Stolz ihres Alters geweſen.

Der Arzt duldete nicht, daß ſie lange verweilten. Es war das für Niemanden gut und da der Ster⸗ bende eben in einen leichten Schlummer der Erſchö⸗ pfung geſunken war, ſo zogen ſich die Eltern leiſe zurück und kehrten kummervoll in ihre Wohnung heim.

Als der Kranke wieder erwachte, war es eben Mittag. Ein leiſer Druck der Hand belehrte den Grafen, daß der Freund munter ſei. Als er ihm in die Augen blickte, waren ſie gebrochen, das ganze An⸗ geſicht trug den Ausdruck des Verſcheidens.

Oskar winkte dem Arzte.

Es iſt zu Ende flüſterte dieſer,er ſtirbt.

Baron Felix wollte noch einmal ſprechen, aber er vermochte nur noch die Lippen zu bewegen. Kein Noch verſuchte er dem Freunde