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ken, und wo ers thut, da bleibt das Facit in allen Fällen Inconvenienz, Beſchämung, Profanation, im ſchlimmen Falle Duell und Skandal.
Vertraulichkeit, die ſich nicht auf gegenſeitige, tiefſte Hochachtung und Sympathie, auf gemeinſchaft⸗ liche Erlebniſſe gründet, Hingebung, die nicht von innen herauskommt, erzeugt Ueberdruß und Miß⸗ achtung. Wer ſich allzunatürlich giebt, verletzt ſeine tiefere geiſtige und ſittliche Natur, welche Feinheit, Scham und Gäne verlangt.
Eine nackt natürliche Lebensart iſt für den zur Vernunftbildung, zur Kunſt, zum Ideal beſtimmten, weil dazu befähigten Menſchen eine Entartung und Widernatürlichkeit. 3
Sicherheit bildet den Untergrund eines jeden, alſo auch des geſelligen Verkehrs. Wenn es uns in der Geſellſchaft eines Menſchen wohl ſein ſoll, ſo muß er uns durch Charakter und Erziehung, wie durch ſeine äußere Erſcheinung die Garantie gewäh⸗ ren, daß er nie rückſichtslos, taktlos, wohl gar bru⸗ tal und abgeſchmackt werden kann.—
Jähzornige oder von Natur grob zugehauene Subjecte, plumpe und unverſchämte, oder nonchalante und malitiöſe Witzbolde werden kaum durch die Rück— ſichten, welche ihnen die eigene Stellung, gleich wie der Rang und Charakter des Nebenmenſchen, oder der gemeſſene Ton der Geſellſchaft auferlegt, in Schranken gehalten.— Wo dieſe aber fehlen oder durchbrochen ſind, kann kaum Derjenige des Skan⸗ dals, des Ridicüls, der fatalſten Ungebühr ſicher ſein, der den ſchnöden Subjecten an Witz und Dreiſtig— keit überlegen iſt. Es giebt allerdings eine Laune und Liebenswürdigkeit, oder eine unbefangene ruhige Entſchiedenheit, die auch mit malitiöſen und ſchief⸗ rigen Exemplaren, mit Spitzköpfen und Querköpfen umzuſpringen oder ſie umzuſtimmen und unſchädlich zu machen verſteht. Die kecklichſte Ungenirtheit mena⸗ girt ſich nicht ſelten da, wo ſie ein Piſtolen⸗Rendez⸗ vous oder eine Schnell⸗Juſtiz, nämlich improviſirte Maulſchellen in der Perſpective verſpürt; aber eine freie Stimmung, eine Satisfaction und Erbaulich⸗ keit giebt es bei ſolchen Sicherheitsmaßregeln, Cor⸗ rectionen und Stichparaden keineswegs. Man raucht nicht mit Behagen im Pulvermagazin, ilebt auch nicht gern mit gezähmten Wölfen auf vertrauli⸗ chem Fuß, und geht weder auf überfrornen Süm⸗ pfen ſpazieren, noch ohne Ekel über einen leicht ver⸗ deckten Cloak. kehr ohne Profanation und Exceß, ohne Beleidigung der guten Sitten, wie ohne üblen Geruch und Ge⸗ ſchmack. Selbſtachtung und Selbſtbeherrſchung müſ⸗ ſen die Sicherheits⸗Beſtellung für dieſe negativen
Folge.
Man will zum Mindeſten einen Ver⸗
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Elemente der Geſelligkeit ſein; andernfalls bleibt man beſſer für ſich.
Das Alles ſind Dinge, welche die gute Geſell— ſchaft nichts angeht, und für die ſchlechte auf Her⸗ bergen oder in Weinſtuben(werden die feinen Leute ſagen) giebt's ja doch keine Correctur.— Nach mei⸗ ner Erfahrung indeß verkehrt eben zwiſchen beiden Extremen die halbgebildete Maſſe aller Nationen, welche man zu den„Honoratioren“ zweiten oder dritten Ranges und zur Bourgeoiſie im engern Sinne zu rechnen pflegt.— Dieſe Leute ſind es, welche ſich im Spiegel beſehen müſſen, wenn es mit ihnen beſ⸗ ſer werden ſoll.
Es iſt eine alte Bemerkung: daß die Welt weder von den ganz rohen, noch ganz gebildeten Leu⸗ ten etwas zu fürchten hat; daß ſie aber von den halb Gebildeten in Unruhe und Schaden gebracht wird.—
Stolz iſt nicht immer ein Zeichen des erlaubten Selbſtgefühls. Es giebt genug leere Hochmuths⸗ teufelei, und dann wieder verdienſtvolle geniale Men⸗ ſchen, welche ſich eben ſo anſpruchslos als formlos darſtellen. Im Allgemeinen aber gilt die Erfahrung: daß man beſſer thut, ſolche Leute aufzuſuchen, die eine gewiſſe Zurückhaltung und Gemeſſenheit beobach⸗ ten, als daß man ſich mit denen einläßt, welche be⸗ ſonders entgegenkommend, dienſtbefliſſen und dabei ungenirt oder zu Familiaritäten aufgelegt ſind.
Wer geſcheidt und feinſinnig iſt, wer insbeſondere ein reifes Urtheil über Menſchen und Dinge gewon⸗ nen hat, wer ſich ſeines eigenen Werthes bewußt iſt und die Natur aller Verhältniſſe kennt, kann ſich nicht„leicht“ geben und am wenigſten mit Fremden zu Vertraulichkeiten aufgelegt ſein. Iſt Derjenige, dem man ſo entgegenkommt, ein nichtsbedeutender oder gemeiner Menſch, ſo wird er den freimüthigen oder den ungenirten Ton ſofort ungebührlich ſteigern; iſt er eine Perſon von Bedeutung oder Bildung, ſo wird er beleidigt oder befremdet, und jedenfalls noch zurückhaltender ſein.
Nur unterwegs, bei knapp zugemeſſener Zeit, wo ſich Genies und Notabilitäten im flüchtigen Augen⸗
blick begegnen, nach gemeinſchaftlich überſtandenen
Abenteuern, im Gefechte, im Seeſturm vergißt man freilich Zurückhaltung und Ceremoniell, hat man Impuls und Veranlaſſung ſich zu zeigen, wie man in Wirklichkeit iſt. Was die Haltung betrifft, die eben einem natürlich gearteten, gutherzigen Menſchen noth thut, ſo kann ſie mit einem jovialen Humor verbun⸗ den werden, der darum keineswegs ein ungebundener und reſpectloſer zu ſein braucht.
Auch der beſte und geſcheidteſte Menſch hat oft
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