Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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was iſt in der Reſidenz geſchehen? wozu verlangt man nach mir?“

„Nun dann, ich kann nichts dafür,“ ſtotterte der Diener.

„Heraus damit, peitſche!“

„Baron Felix iſt im Duell ſchwer verwundet worden und hat ſelber einen franzöſiſchen Officier getödtet, welcher die Deutſchen in einem Locale Ber⸗ lins verhöhnt hatte. Nun liegt der junge Herr ſchwer danieder und wird am geheimen Orte vor der fran⸗ ihn nicht im Frieden ſterben laſſen, ſondern den Sterbenden vor ein Kriegs⸗ gericht ſtellen möchte.“

„Gerechter Gott!“ rief der Graf entſetzt,„mein Felix, mein edler, prächtiger Felix, die treueſte Seele, welche ich auf Erden kannte! Das iſt ja entſetzlich! — und nun, nur weiter!“

ſonſt helfe ich mit der Reit⸗

„Der junge Herr iſt gut verborgen, und die

ehe ſie ihn verleugnen,

Spürnaſen ſollen wohl ſuchen, Aber ſeine Eltern müſſen ihn

welſchen finden.

denn ſie ſind von geheimer Polizei umgeben, und

nur der alte Chriſtoph und die Amme Herrn ſind bei dem Armen und pflegen ihn. Nun verlangte der Baron Felix dringend nach Ihnen, er⸗ wähnte Sie ſo häufig und mit ſo ſehnſüchtigem Aus⸗ druck, daß der Vater mir den Auftrag gab, Sie ſo ſchnell als möglich Hebeitubelen und Sie ſofort zu dem Kranken zu bringen, da man Sie in des Barons Hauſe natürlich nicht ſehen darf.“

„Das ſind ſchöne Geſchichten!“ ſagte Graf Oskar erregt,„mein armer, treuer Freund— und die Wunde ſei tödtlich, ſagteſt Du?“

„Der Arzt, welcher ihn heimlich beſucht, wagte keine Hoffnung mehr zu geben, er ſagte, es wären die edelſten Theile verletzt und nur ein Wunder könnte noch retten. Der junge Herr wurde auch immer ſchwächer, doch meinte der Arzt, könnte es noch Tage lang dauern, ehe die Entſcheidung einträte. Mein armer alter Herr weiß dieſes Schlimmſte noch gar nicht und hofft immer noch.“

Graf Oskar antwortete nicht mehr, ſondern ſpornte ſein Roß zur Eile. Aber wer in ſeine plötzlich ſo bleichen und verſtörten Züge hätte blicken können, würde erſchrocken ſein vor dem gewaltigen Eindruck, welchen die Schreckensnachricht auf den jungen Mann ausgeübt hatte.

Von dem kranken Freunde, welcher ihn erſehnte,

flogen ſeine Gedanken und Sorgen zu Maria, die er

verlaſſen ſollte. Sein Weg führte an dem ſtillen Plätzchen vorüber, an welchem er Maria zu treffen pflegte; aber würde ſie jetzt daſein? Schwerlich, und

des jungen

Folge.

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wie ſollte er ſie jetzt finden, da ſie ihm ein heiliges Verſprechen abgenommen hatte, nicht in die Wohnung ihrer Eltern zu dringen? Und Abſchied nehmen mußte er doch von ihr, denn er wußte ja unter ſolchen Ver⸗ hältniſſen nicht einmal, wann er wiederkehren konnte. Was hätte ſie denken ſollen, wenn er ſo ſpurlos ver⸗ ſchwand, nachdem ſie ihm noch eben erſt verſichert hatte, daß ſie ſterben würde ohne ihn! Und doch durfte er auch nicht warten bis zum Abende, denn der ſterbende Freund, welcher die älteſten Rechte auf ihn und ſeine Liebe beſaß, rief nach ihm und zählte wohl die Minuten, bis wann er bei ihm eintreffen könne.

So war er in Sorgen, was zu thun ſei, und ſchon hatte er ſich beinah zu dem freilich precären Mittel entſchloſſen, ein geſchriebenes Abſchiedswort an Maria auf die Raſenbank, ihren gewöhnlichen Zuſammenkunftsort, zu legen, als er dicht neben dieſer Bank, welche, wie er gefürchtet hatte, leer war,

einen Diener in der Livree der Frau von Holzau be⸗ merkte,

der langſam des Weges ging. Es war Ri⸗ Dienerſchaft im Schloſſe, welcher ſich durch beſondere Zuvorkommenheit beim Grafen verdient gemacht hatte. Blitzgleich leuchtete jetzt eine Idee in dieſem auf, und er rief den Diener herbei, der eilfertig geſprungen kam.

„Richard,“ ſagte der Graf,„ich reiſe ab, und hier haſt Du ein Trinkgeld für Deine Dienſtfertigkeit gegen mich,— doch ſage, möchteſt Du Dir nicht durch eine kleine Gefälligkeit guten Lohn verdienen?“

„Gern, gnädiger Herr!“ betheuerte Richard.

„So beſorge ein Briefchen, welches ich Dir geben werde, an die kleine Maria aus der Meierei— Du kennſt ſie doch? aber gieb es ihr heimlich und ſage keinem Menſchen von meinem Auftrage. Hörſt Du wohl, keinem Menſchen!“

„Keinem Menſchen, Herr Graf!“

„Und auch die Briefchen, welche ich Dir etwa ſpäter ſenden werde, giebſt Du heimlich an Maria. Willſt Du das thun?“

„Ich werde es beſorgen wie ein Heiligthum.“

„Es iſt gut, Richard. Hier nimm— Und ſo, hier der Brief— er iſt von Wichtigkeit— beſorge

chard, derjenige der

Alles gut und geheim!“

„Verlaſſen Sich der Herr Graf auf mich!“ rief Richard dem Davonſprengenden noch nach, der ſein Roß antrieb, als ob es gälte ein verlornes Lebens⸗ alter wieder einzuholen.

„Trefflich!“ ſagte Richard kichernd, als die Reiter ihm aus den Augen waren,„einen beſſern postillon d'amour konnte der Herr Graf nicht finden! Nun

ſchnell zu Frau von Holzau, was ſie zu der Sache