und wie vor bei ihrem
en Lange und gegen Norden
eine Art Ba⸗
ſchen Juwelen und bei Damen auf nen Eis⸗ beſteht, Aber die un alle dieſe ind, und man bes Armband d Tüche der ud Freunden. miſſe, man be⸗
Vierte Folge.
trügt ſich, liebt und haßt ſich, man betet ſich an und beneidet ſich. Kurz, dort iſt die Börſe der Herzen.
Aber mitten unter dieſen funkelnden Damen, welche mit Herzen Tauſchhandel treiben, aber nur en gros lieben, das heißt nur auf feſte Beſtellung, gegen Eheſtand, oder auf wenigſtens vierwöchentliche Liebhabertreue abgeben, ſitzen die Kleinhändlerinnen der Liebe, welche in Europa häufig mit dem Namen„unglückliche Geſchöpfe“ bezeichnet werden. Dieſe Geſchöpfe tragen ſtatt der Juwelen Kränze von leben⸗ den Blumen im Haar, ſind heiter und fröhlich, nehmen Fresco, das heißt Eiswaſſer, wie die wirklichen Damen, und ſind, was eigentlich das Unverzeihlichſte iſt, meiſt ſehr hübſch. Aber man iſt in Lima duldſam, faſt unanſtändig duldſam nach unſeren Begriffen, und ſo findet man in dieſer bunten Reihe von Tugend und Laſter, von verſteckter und von un⸗ verhüllter Leidenſchaft nichts was gegen die Sitte verſtößt, ſelbſt die Damen nicht!
Allgemein bekannt, ja ſprüchwörtlich geworden, iſt der Gold⸗- und Silberreichthum der alten Peruaner. chen Minen des Landes ſind aber heute noch nicht verſiecht, und man trifft in der That in Lima einen Ueberfluß von aus edlen Metallen gefertigten Geräthſchaften und Luxusgegen⸗ ſtänden. Da man nie überflüſſiges Geld haben kann, ſo will ich blos ſagen, daß auch dieſes noch gegenwärtig in reichlichem Maße circulirt. Zur Zeit der ſpaniſchen Herr⸗ ſchaft aber muß dies noch mehr der Fall geweſen ſein. Wenn von Spanien aus ein neuer Gouverneur nach Lima kam und zum erſten Mal durch die Straßen fuhr, um ſich den Einwohnern zu zeigen, traten die Reichen vor ihre Häu⸗ ſer und beſtreuten ſeinen Weg mit Piaſtern. Dann kamen
Die rei⸗
die Armen und laſen dieſe Piaſter auf, die ſo dicht lagen,
daß Pferde und Räder auf Silber liefen.
Selbſt in dieſem Lande aber, in welchem man Thaler ungezählt auf die Straße warf, kam es vor, daß irgend ein Caballero einmal kein Geld hatte. Er ging dann ganz un⸗ befangen zu einem Freund und ließ ſich fünfhundert oder tauſend Thaler geben. Brachte er aber nach einiger Zeit dieſes Geld zurück, ſo war dieſer Freund ganz erſtaunt und ſagte halb entrüſtet:„Wie, was denken Sie! Dieſe Klei⸗ nigkeit! Laſſen Sie es doch um's Himmelswillen gut ſein; ich komme wohl auch einmal zu Ihnen, wenn mir es fehlt.“
Treffliches Land!. Bei uns kommt nichts dergleichen vor. Ohne Zweifel würde allerdings das lebhafteſte Erſtau⸗ nen rege werden, brächte ein Freund tauſend Thaler unauf⸗ gefordert zurück, welche man ihm ohne„genügende pupilla⸗ riſche Sicherheit“ geliehen; da aber dies nicht ſtattfindet, fällt auch die Verwunderung weg. Welche nützlichen Winke für unſere reichen Caballeros ſind aber durch dieſes Beiſpiel gegeben, einem dringenden Bedürfniſſe unſeres Vaterlandes abzuhelfen und die Zahl der über unſere Zuſtände Mißver⸗ gnügten zu mindern!—
Außer den Angeſtellten des Staates, den Soldaten und den Prieſtern hat man in Peru reiche, ſehr reiche Leute, welche große Hacienden beſitzen, Bergwerkbeſitzer, welche un⸗ glaubliche Mengen von Gold und Silber aus ihren Gruben nehmen, Handwerker, welche die gewöhnlichen, nöthigen Ge⸗ genſtände verfertigen, und Kaufleute, welche die ungewöhn⸗ lichen, unnöthigen aus Europa kommen laſſen. Dann hat man die kleinen Gutsbeſitzer, welche die Stelle unſerer Klein⸗ bauern vertreten. Endlich lebt in Peru ein Schlag Men⸗ ſchen, wie ſie allenthalben in heißen Ländern getroffen wer⸗ den, welche kaum arbeiten, kaum etwas beſitzen, ja ſogar, wie mir ſchien, kaum etwas eſſen, oder doch mindeſtens ſehr
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wenig. Ein halber Tag Arbeit, für einen reichen Caballero verrichtet, reicht für dieſe Leute hin, die Bedürfniſſe einer ganzen Woche zu befriedigen. Sie bedürfen keines Holzes zur Feuerung für den Winter, denn die ſtrengſte Kälte iſt in ihrem geſegneten Vaterlande achtzehn Grad Wärme. Sie bedürfen keiner theuern Kleidung, um damit zu prangen, denn es fällt ihnen nicht ein, am Sonntag den Caballero ſpielen zu wollen. Sie brauchen keinen Regenſchirm, denn es regnet nicht, und endlich zahlen ſie keine Steuer, denn da ſie nichts beſitzen, fordert man auch keine von ihnen.
Meiſtens werden durch dieſe glücklichen Menſchen die Revolutionen und Aufſtände bewerkſtelligt, welche man in Lima von Zeit zu Zeit abzuhalten pflegt; das heißt: die Leute, welche einen Aufſtand ſehr wünſchenswerth halten, be⸗ dienen ſich ihrer zur Ausführung. Dies iſt ein leichtes, ren⸗ tables Geſchäft, bei welchem man zwar bisweilen getödtet wird, das aber auf der andern Seite jedenfalls wieder den großen Vortheil hat, daß es höchſtens einen halben Tag währt; denn länger dauert kaum ein ſolcher Aufſtand, und eine anhaltende Arbeit ſcheut der Peruaner dieſes Schlages am meiſten. Eine weitere Annehmlichkeit iſt die eines klei⸗ nen Nebenverdienſtes, denn meiſtens plündert man bei ſol⸗ chen Gelegenheiten einige Läden und Gewölbe, deren Be⸗ ſitzer unvorſichtig genug waren, ihre Etabliſſements nicht vor⸗ her rechtzeitig zu verſchließen, da man faſt ſtets ſchon des Tags vorher die Stunde des Ausbruchs allgemein kennt.
Die verheirathete Bewohnerin von Lima, ich ſpreche von der reicheren Claſſe, bei welcher Handarbeit im Hauſe ſelbſt nicht unumgänglich nöthig, bekümmert ſich faſt durch⸗ gängig nicht im mindeſten um das Hausweſen, ſondern dieſe Sorge bleibt vollſtändig der Dienerſchaft und den Sclaven überlaſſen. Eher noch läßt ſich vielleicht der Herr des Hau⸗ ſes beſtimmen, auf irgend eine Weiſe den häuslichen Geſchäf⸗ ten nachzugehen. Die Dame ſchmückt ſich, liegt zu Hauſe auf dem Sopha, in der Meſſe auf den Knieen, und des Abends nimmt ſie auf der Plaza ihren Fresco ein. Dann macht ſie bis tief in die Nacht entweder die Honneurs in ihrem eignen Hauſe für einige Fremde und bekannte Familien, oder geht ſelbſt auf Beſuch in das Haus einer Freundin.
Der Mann bggleitet vielleicht ſeine Frau auf die Plaza, er empfängt vielleicht auch mit ihr die abendlichen Gäſte des Hauſes. Es kann aber auch ſein, daß er in einem andern Hauſe als Freund figurirt, oder daß er ſich wochenlang auf ſeiner Hacienda oder bei ſeinen Bergwerken aufhält. Jeden⸗ falls aber ſetzt er das unbedingteſte Vertrauen in ſeine Frau, und während er ſelbſt vielleicht mit der Senorita eines Freundes ein Einverſtändniß unterhält, betrachtet er einen ähnlichen Fall bei der ſeinigen für eine Unmöglichkeit.
Dies iſt eine Mengung von Gutherzigkeit, Leichtſinn und Eitelkeit, welche auch an andern Orten bisweilen ſtatt⸗ finden ſoll.
Plötzlich aber ändert ſich die Scene auf eine erſchre⸗ ckende Weiſe. Der Mann glaubt ſich getäuſcht; ohne Zwei⸗ fel hat er falſch geſehen, aber nichts deſto weniger erfaßt ihn die raſendſte Eiferſucht, die furchtbarſte Wuth, und dies iſt die Periode der Dolchſtiche, im Falle der vermuthete Neben⸗ buhler ſich nicht rechtzeitig aus dem Staube macht. Die zweite Periode, die der gekränkten Unſchuld, beginnt wie allenthalben mit Thränen, Schwüren, Ohnmachten, vielleicht auch mit Gegenvorwürfen, aber ſie endet auf eine ganz an⸗ dere Weiſe, als, Braſilien ausgenommen, an irgend einem andern Orte der Welt.
Man hat in Lima unter den vielen dort befindlichen


