Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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ridors hätte ich ihre Geſtalt noch einmal deutlich ge⸗ ſehen.

⸗Wollen Sie ſich heut gar nicht mehr nieder⸗ ſetzen? fragte mein pommerſcher Nachbar. Be⸗ kommen Sie oft ſolche Krampfanfälle? Sie ſtehen ja ſtarr da wie eine Bildſäule und ſchneiden gräuliche Geſichter; erſt ſüßlich wie Zuckerwaſſer und jetzt ſo wüthend, als habe Ihnen Jemand den Stuhl an's Schienbein geworfen, wie Sie es mir eben ange⸗ than. So? ſagte ich verdrießlich. Das So⸗ empörte ihn, und nach vieler Mühe mußte ich mich mit endloſen Partieen Schach loskaufen, die ſich bis ſpät in die Nacht verlängerten und die ich alle ver⸗ lor. Und die ganze übrige Nacht hindurch quälten mich die lebhafteſten Träume aller Art, ſo daß ich ermattet bis ſpät in den Morgen hineinſchlief.

Die Trinkzeit war ſchon vorüber, und ich ver⸗ wünſchte wieder den armen Pommer und mich ſelbſt und meine Träume. Ach, weißt Du nicht, wie einem zu Muthe iſt, wenn man liebt und die Stunde des Rendezvous verſäumt hat?

Ich war nie verliebt.

Beklagenswerther Unglücklicher! Wie viel Pein war Dir erſpart! Und doch wie arm muß Dein Le⸗ ben ſein!

Pah! Ich bin zufrieden. Erzähle nur weiter.

Als ich zur Quelle kam, war die Schöpferin ſchon fortgegangen, kein Trinker mehr zu ſehen und auch nicht Louiſe. Ich wäre herumgerannt ſie zu ſuchen in Verzweiflung, wenn nicht, war es durch die Aufregung, oder in Folge der ſchlechten Nacht, ein ſchrecklicher Huſtenanfall mich plötzlich überwältigt hätte. Ich mußte mich niederſetzen, um mich zu er⸗ holen, bei dem kleinen Karpfenteich; da kniſterte der Kies, ich hob den Kopf ein wenig und ſah die ſchön geſtickten Unterkleider und den fliegenden ſeidenen Kaftan. Sie nahte. Es war, als ob mein Herz in den Kopf ſteigen wollte, und ein Schauer faſt wie der geſtrige kam über mich; ich konnte nicht auf ſtehen.

Armer Freund, wärſt Du mit mir gekommen!

Sie blieb einen Augenblick vor mir ſtehen, dann ſetzte ſie ſich neben mich und ſagte mit ihrer lieben, weichen Stimme: Sie ſind krank. Sie leiden ſehr. Ol' rief ich, aber lache nicht; was ich ſagte, haben Täuſſende geſagt und werden Panſende ſagen, und doch wie bittrer Ernſt war es mir! ⸗O, ich leide un⸗ endlich, ich leide unnennbar, ich glaube, ich ſterbe daran; aber kein Arzt kann mich heilen, nur ein We⸗ ſen hat Macht und»ich ſah auf; ihre großen brau⸗ nen Augen, ſo mild und feurig zugleich, ſahen mich an voll Güte, Erbarmen, Liebe und ſtolzer Freudigkeit,

Novellen⸗Zeitung.

wie ſie kein Maler malen kann; ich ſah tief in ſie hinein und redete:«und Sie verſtehen mich doch nicht.» «O ich verſtehe nur zu gut!«» entgegnete ſie.«Louiſe! rief ich entzückt. Ach, ich hätte es hinaus ſchreien mögen, aber ſie legte ihre reizende Hand, die Du auch das ſchönſte Modell nannteſt, auf meinen Mund, und ich flüſterte nur noch:«Louiſe, Du verſtehſt mich und zürnſt mir nicht? Sie ſchwieg, und ich nahm ihre Hände und preßte ſie und küßte ſie. Ach Ar⸗ mer, daß Du gar nicht dieſe Wonne kennſt!

Dafür habe ich auch keinen Schwindel. was that ſie?

Sie ließ mir ihre Hand nur einen Augenblick, dann zog ſie ſie ſacht zurück und ſagte: Frau v. L. kann uns ſehen.- Wir gingen auf und nieder wie alle Morgen, aber unſer Geſpräch, wie verſchieden war es! Sie geſtand, ſie habe geſtern Abend meine Nähe gefühlt, drang in ſie, mir es in Wirklichkeit zu erlauben, aber ſie hatte tauſend Einwände und Bedenken, und in Wahrheit, die Nebenzimmer waren bewohnt und man hörte jedes Wort, neben ihrem Salon war das Zim⸗ mer unſers Freundes und neben ihrem Schlafzimmer der Salon von Frau v. L.; beſonders die Letztere ſei ſehr neugierig und würde eifrig horchen. ⸗So komme ich in der Nacht, dann wird uns Niemand hören. «Um Gottes willen nicht!» rief ſie; ſie dachte ohne Zweifel ihres Mannes, ich ſah es ihr an, aber ich war zu ſehr von tollem Verlangen beſeſſen, und redete

Doch

ihr ſo lange und ſo eifrig zu, daß ſie endlich ſtumm

blieb, als ich ſagte:«um Mitternacht?!

Habe ich Dir nicht geſagt, daß ich ſolche Ge⸗ ſtändniſſe nicht hören mag! rief ich ärgerlich auf⸗ ſtehend.Wenn Du nun einmal keine andere Frauen⸗ freundſchaft kennſt als ſolche, die ihre Beſuche um Mitternacht macht, ſo ſei wenigſtens diseret.

Aber ſo höre doch nur, rief er entgegen,es endet ganz anders als Du denkſt; und Du mußt mir rathen, Du haſt es mir verſprochen.

So erzähle, ſagte ich, mich zum Fenſter hinaus⸗ beugend. je, denn meine Stirn war heiß; doch wir tranken ja edles Gewächs von 1846, Markobrunner, ein wunder⸗ barer Wein.

Du haſt gut ſagen: ſo erzähle. Das iſt aber gar ſchwer, Dir zu beſcheiben, wie mir den Tag zu Muthe war. Erſt fühlte ich mich berauſcht von Selig⸗ keit und wie von Flügeln getragen über das irdiſche Bedürfniß und die irdiſche Noth, ſchwelgend in dem ſüßen Bewußtſein geliebt zu werden von der ſchönſten und liebenswertheſten Frau der Welt.

Der Pommer fing mich, als ich den Park durch⸗

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als ſei ich unſichtbar bei ihr geweſen; ich

Ich fand die kühle Luft angenehmer als

das Buch abge men mit aller und einſt war war wrrfühit ſie zuerſt und mich eelbſt, d mich noch eben litt mich nicht im Saale, ich nich ein. 3 kämpfte wit Louiſen! Ich ſie die Stech nit Frau v. zu folgen, d ich blieb. J. den Teufel b hatte ich über die naſſe We Auch zu Abe ich traute mi ich aus dem Das Als ic Mal auf zu weiße Geſtal zu den Au uUge Ich fuhr um wannte, ohne wechſeln, den berkrande ſ Plätzchen z nicht die C von der ew Und ſtets zurückzufah Vergebung angethan. wenn ſie e trieb, die dann 6 zen und lie mein Freun