582
Drange der letzten Ereigniſſe nicht darauf geachtet. Jetzt ſtand man auf einmal vor großen politiſchen Ereigniſſen. Der Tanz hörte einſtweilen auf, man trat in einen Kreis zuſammen, und Mancher ſprach ſein Vermuthen, ſein Hoffen oder Fürchten aus, aber Mancher auch hohen Muth und Freude.
„Der Barthel geht nicht mit,“ ſagte der Bött⸗ cher, den auch die Ordre traf,„er hat die Kugel, die den Feind treffen ſollte, in ſeine eigne Bruſt ge⸗ ſchoſſen.“
„Soll ich an Barthel's Stelle mit Euch in den
Krieg gehen?“ rief Walther plötzlich in der überflie⸗
ßenden Seligkeit ſeines Herzens.„Man hat mich freigelaſſen um meiner armen Mutter willen, aber jetzt iſt das kein Grund mehr, denn Roſel nimmt ſich ihrer an und der alten Roſemarie dazu.“
Ein Ruf des Erſtaunens ging durch die Menge, die Mädchen eilten auf Roſel zu, um es ihr zu ſagen. Roſel ward bleich und ſtieß einen Schrei aus. Wal⸗ ther ging auf ſie zu.
„Liebes Mädchen,“ ſagte er, ihre Hand ergrei⸗ fend,„Du ſollſt entſcheiden, niemand anders. Biſt Du nicht meine edle hochherzige Roſalie? Siehe, meine
Worte ſind nicht in toller Laune geſprochen und nicht
im Leichtſinn,“ fuhr er fort, als ſie zu weinen be⸗ gann,„ſie ſind aus meinem tiefſten Herzen hervor⸗ gegangen! Ich bin Deiner erſt dann werth, wenn ich den Muth habe, Dich zu vertheidigen bis in den Tod. Aber Dein beſter Schutz iſt das Vaterland. Sage nicht, daß die Gefahr ſehr fern iſt; ſie könnte bald näher kommen, wenn Alle ſo denken wollten. Jeder, der rüſtig iſt, ſoll zur Vertheidigung des Va⸗ terlandes bereit ſein. Sollte ich es nicht? Nicht jetzt, wo ich das höchſte Gut der Erde, wo ich Dich aus der Hand des Vaterlandes empfangen habe? O, laß mich in der Freude meines Herzens in den Kampf ziehen, für mein nun doppelt geliebtes Vaterland!“
Roſel ſchüttelte ihr Köpfchen.„Bleibe bei mir,“ ſagte ſie.„Ich verginge, wenn Dir im Kriege ein Leid geſchähe!“
„Noch eins,“ ſagte Walther.„Ein Arm, der für's Vaterland ſtreiten ſollte, hat ſich ſelbſt vernich⸗ tet, im thöͤrichten Wahne. Und dieſer Arm iſt in unſer Schickſal verwoben. Der Unglückliche liebte Dich und haßte mich. In dieſer Liebe und in die⸗ ſem Haſſe ging er zum Selbſtmord. Giebt es da nichts zu ſühnen, meine Roſalie? Laß mich dieſen düſtern Punkt wegwiſchen aus Deinem und meinem Schickſal. So unſchuldig wir ſind, es waltet doch ein düſteres Verhängniß. Sieh,“ rief er mit erhöh⸗ ter Stimme,„laß mich meinen Brüdern zeigen, daß keine Selbſtſucht meine Bruſt erfüllt, laß mich die
Novellen⸗Jeitung.
höchſten Pflichten des Dorfes mit ihnen theilen. Gott wird helfen, daß ich glücklich zu Dir zurückkehre. Dann wird man Dich beneiden um Deinen Mann!“
Roſel ſank an ſeine Bruſt und ſagte:„Ich weiß, daß das recht iſt, was Du thun willſt. Aber ich bin ein ſchwaches Mädchen.“
„Siehe auf die andern Mädchen, die ihre Bur⸗ ſchen ziehen laſſen müſſen. Willſt Du nicht ſtark ſein wie ſie?“
„Ich will's!“ ſagte das Mädchen und ſchaute wie andächtig zu ihrem Geliebten empor.
Alle Anderen aber drängten ſich herzu und woll⸗ ten das Paar ganz auf den Händen tragen, weil ſo etwas Nobles in ihnen ſtecke. Auch den Männern vor der Thür ward Walther's Entſchluß verkündet. Da ſtand der neue Richter, der Bauernlange, langſam auf und ging in die Halle.
„Kommt mal her, Walther,“ ſagte er.„Ich habe gehört, Ihr wollt unter die Soldaten.“
„So iſt's, Herr Richter,“ ſagte Walther beſchei⸗ den.„Morgen früh möchte ich auf's Amt gehen, mich zu melden.“
„Das iſt ein recht löblicher Entſchluß,“ ſagte der Richter,„aber ich will's Euch nur gerade heraus⸗ ſagen, Ihr dürft nicht fort von uns, wir brauchen Euch hier.“ er fort:„Ja wohl, mein Freund, denn Ihr ſollt Rich⸗ ter werden. Wir haben geſtern Nachmittag ſchon daran gedacht im Gemeinderathe. Amt zu ſchwer in meinen alten Tagen, aber ich will es behalten, bis Ihr in's Geſchick ſeid.“
Die Burſchen brachten ein Hoch aus auf den Richter und auf Walther. Da trat auch Paſtor Bür⸗ ger herein in den Saal. Er hielt eine ſchöne Rede an die einberufenen Burſchen und bat ſich Walther förmlich bei ihnen aus. Dann winkte er den alten Zechendorfs und verlobte den künftigen Richter öffent⸗ lich vor der ganzen Gemeinde mit Roſel.
Es war ein ſchöner Abend, den die Neubrucher Jugend feierte. Jede Bruſt ſchlug höher, jedes nächſte Wort ward unverſehens edler und reiner, und es ſtieg Mancher in ſeine eigne Bruſt hinab und faßte einen guten Entſchluß. Paſtor Bürger blieb lange unter ihnen und ſegnete ſie alle.—
Viele Jahre ſind vergangen. Das ſchönſte Gut in Neubruch gehört dem Richter Walther. So tüch⸗ tig er ſein Hausweſen fördert, ſo tüchtig ſorgt er auch für das Gemeinweſen des Dorfes. Man erkennt Neu⸗
bruch kaum wieder, ſo ſehr hat es ſich zu ſeinen Gun⸗
ſten verändert. In Walther's Gute geht oft ein ältlicher gebückter Mann aus und ein; es iſt Paſtor Bürger.
Er hat nicht ſelten eine ſtille, freundliche Dame un
ſo weit AM Neubrücher
Als Walther ihn ungläubig anſah, fuhr
Für mich iſt das
L. verſtu ſchaut und nu ſah L. auf der ſenen Augen, a Sinnloſigkeit. Schwäche! Wi willene dreee und erinnere lierſt alles A
„Pah! Reue! Wie k kannt! Doch dnußen zu, i Minuten Rworfener Te
Geſellſchaft hinter der gr dlasz Du w Bläſſe,de je ſie hat wich, Nahen färdt Augenblicke, um ſo mehr Nluthäugige mahl, wie den letzten nuch ſchön, ſat! Hunde ihr aus. 3 & 2 Ich liebe ſaß das g


