gegnen.
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ſtanden, war es todtenſtill im Dorfe, denn Alle
ſaßen erwartungsvoll in der Stube und wagten ſich nicht heraus, aus Furcht dem langen Barthel zu be⸗
Geſchichten, und die Kinder und die jungen Mädchen ſchmiegten ſich zuſammen in ein Häuflein. Die Knechte, die Mägde und die Buben aber blieben in den Stäl⸗
Die Großmütter erzählten haarſträubende
len beim Vieh, als könnte ihm ein Leid geſchehen. Nur der Tagewächter ging ſeiner Gewohnheit nach mit dem Spieße durchs Dorf. Kein Lüftchen rührte
ſich, und die Mittagsſonne lag warm auf den Dächern,
auf der Straße und in den Gärten. Kein Wort wurde gehört, kein Hund bellte, kein Hahn krähte, nur der Geſang eines Vögleins auf hohem Zweige ſchallte durch das Dorf. Der alte Mann empfand dieſe wunderbare Ruhe auch in ſeinem Gemüthe; er
dachte ans Sterben, und als er an die Gottesacker⸗ mauer kam, ſchaute er darüber hinein, als wollte er ſich ein Plätzchen ausſuchen. Der Todtengräber, der auch mit in der Halle war, hatte ſchon das Grab für den armen Wilhelm abgemeſſen und den Raſen abgeſchürft. Daneben war das Grab der armen Liſe, und dazwiſchen, beiden zu Häupten, ſtand ein Flieder⸗ buſch. Hinter dem Buſche regte ſich etwas. Der Alte ging hin, er kannte keine Furcht. Da ſaß Barthel. Er hatte das Haupt auf die Hände gelegt und weinte. Große Thränen rannen in den Sand auf Liſens Grab.
„Barthel!“ ſagte der Alte leiſe und mit inniger Theilnahme.
„Ach, Ihr ſeid's, Vater Leberecht,“ ſagte der Möͤrder mit ſo weicher Stimme, wie es der Alte noch nie gehört hatte.„Wollt Ihr mich in das Ge⸗ fängniß führen?“
„Ich müßt's wohl thun,“ ſagte Vater Leberecht, „aber Du biſt ſtärker als ich. Wo haſt Du geſteckt?“
„Da drinnen,“ ſagte Barthel und zeigte auf ein kleines verfallenes Beinhaus in einer Ecke,„die Thür ging leicht auf.“
„Haſt wohl Deine Gedanken drinnen gehabt, armer Barthel?“
„Habe gedacht, ich würd's anders machen, wenn ich von vorn anfangen ſollte. Bin wohl zu leicht geweſen. Nicht wahr, Vater Leberecht?“
„Kann ſein, Barthel. Aber was willſt Du hier?“
„Bin wohl hier zu Hauſe. Bin bei meiner Liſe und unſrem Kinde, ſeht Ihr, und hierher kommt der arme Wilhelm, der gehört auch mit zu meiner Fa⸗ milie.“
Er weinte wie ein Kind, kniete nieder an Li⸗ ſens Grabe und betete:„Gott ſei mir Sünder gnä⸗ dig!“ Dann ſtand er auf und wollte gehen.
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Novellen⸗Zeitung.
„Wohin willſt Du denn, Barthel?“ fragte der Alte.
„Zum Richter, Vater. Laßt mich gehen!“
„Du thuſt recht daran, mein Sohn. Geh' nur, ich will Dich nicht ſtören.“ Der Alte ſah den Bar⸗ thel zur Kirchhofthür hinauswanken, er ſah aus wie ein großer unbeholfener Knabe. Die Gottesacker⸗ mauer verdeckte ihn bald. Nicht lange darauf ertönte ein Schuß. Barthel war in ſein Haus gegangen, hatte ſeiner alten Mutter, die an der Ofenbank kniete, die dürre Hand geſtreichelt und war dann hinaus auf das Scheuntenne gewankt. Das Piſtol hatte er wahrſcheinlich hinter der Mutter Rücken aus dem Wandſchranke genommen. 4
Am Nachmittage des erſten Pfingſtfeiertages war es ſtill und feierlich in Neubruch. Als der Amt⸗ mann fortgefahren war, ging Walther zur alten Roſemarie, verſprach ihr ſie zu pflegen wie eine Mut⸗ ter, ſobald Gott ihm wieder eine Stelle geben werde; vor der Hand beſtellte er einen ſchönen Sarg für ſei⸗ nen Lebensretter.
Scheu, mit geſenktem Haupte gingen die Leute vor Barthel's Hauſe vorbei. Als es allen bekannt ward, was er gethan und geſprochen hatte vor ſeinem Tode, floß auch ihm mauche Thräne.
Die Wirthsguſtel war fortgelaufen zu ihren. Eltern, die in einem fernen Dorfe wohnten, und Herr
gereiſt. In der Kirche war es am Nachmittage ſo voll,
war es recht leer.
da man die beiden Leichen im Dorfe hatte, ſo wollte man am zweiten Feiertage nicht tanzen. Man ſchickte Boten in die umliegenden Dörfer, damit ſie das Feſt
Abſtellung oder Verzug wiſſen. Es ſei nun einmal alles vorbereitet.—
So mußten nun auch die Neubrucher ernſtlich an das morgende Feſt denken. Es begann gegen Abend ein Laufen hin und her.“ Die Knechte rit⸗ ten die Pferde in die Schwemme, die Mädchen wanden Guirlanden in den Höfen. Körbe mit Blu⸗ men oder mit Laub bewegten ſich die Straße entlang, und hie und da ſah man Kinder lange Guirlanden oder Aerme voll Kränze tragen. Die Augen glänz⸗ ten, die Herzen klopften, aber es ging kirchenſtill da—
bei her. 3 Am Abend des erſten Feiertags gab es noch eine ſchöne Scene in Roſel's Hauſe. Der Paſtor
trat herein und ſetzte ſich zu dem alten betrübten
von Gordo war ſchon früh nach der Hauptſtadt ab⸗.
wie ſonſt niemals am Vormittag, aber in der Schenke Der Wirth hätte auch beinahe umſonſt alle Vorräthe für Pfingſten angeſchafft. Denn
abſagten, aber die Nachbardörfer wollten nichts von
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