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Vierte Folge. 571
dieſen umhüllten Schönen, welche von Kopf bis zu V genden Züge in ſcharfen Umriſſen beleuchtete, da kam Fuß in große weiße Baumwolllaken, Grab⸗ oder ſie mir nicht gerade vor wie jener blonde Engel, der Betttüchern nicht unähnlich, eingewickelt, ſind. Um ihr die Pforten des Paradieſes des Mahomed erſchließt. Geſicht den Blicken der Neugierigen gänzlich zu ent— V Und dennoch ſollte ſie uns die für Geld gezeigten ziehen, wird daſſelbe durch zwei Lappen von Baum⸗ Schönheiten offenbaren. wolle überdeckt, welche glatt darüber ausgeſpannt ſind. Der Fremde wird anfangs oft über das Alter eine enge Treppe hinan in einen allerliebſten mauri⸗ dieſer hermetiſch verhüllten Schönen getäuſcht, und V ſchen inneren Hof, wo, auf dem Fußteppich ſitzend, die Mauren machen ſich nicht wenig luſtig über die die Herrinnen des Ortes ſich unſern Blicken dar⸗ Franzoſen, welche oft einer verwitterten Alten nach⸗ boten. ſteigen, in der Meinung, ſie folgten den Pfaden ei⸗ Die jüngſte, ein etwa dreizehnjähriges Mädchen ner Huri. mit dunkelbraunen Augen, krauſem, wolligem Haar, Die Umgebung ihrer Geſichtswerkzeuge wird bei tiefbrünettem Teint, einem ſchelmiſchen Stumpfnäs⸗ den Moresken einer Reihe künſtlicher Verſchönerungs⸗ chen und kurzer Stirn, war von einer wahrhaft kin⸗ proceſſe unterworfen, welche man in Europa vielleicht diſchen Lebhaftigkeit. Spielen ſchien ihr ein Bedürf— für anſtößig halten möchte, die aber hier für anſtän⸗ niß, denn ſie warf ſich wie ein tolles Kätzchen in dig, ja vornehm gelten. Die Augenbrauen, mit dem allerhand komiſchen Stellungen auf den Teppichen des Saft der Gallusäpfel(Affah) ſo dunkel als möglich Fußbodens herum. gefärbt, bilden zwei tiefſchwarze Arcaden, unter wel⸗ chen des Auges Feuer gleich der Flamme eines Lie⸗ besaltars hervorblitzt. Die Augenlider werden auf ihrer inneren Seite mit Antimonium ſchwarz gefärbt und zeigen ſo ober⸗ und unterhalb des Auges zwei
Wir folgten der leuchtenden ſchwarzen Botin
Sie trug, wie auch die beiden Anderen, ſtreng das mauriſche Hauscoſtüm. Dieſes iſt nach Ablegung der weißen Umhüllung für die Straße beinahe das⸗ ſelbe, welches auch die Männer tragen, nur gewöhn— 1 3 e 4 wer lich von etwas bunteren und feineren Stoffen, bei dünne ſchwarze Linien, welche das Weiße deſto glän⸗ deren Verzierungen Seide und Goldfäden vorherrſchen.
zender hervorheben. Gold⸗ und Silberfäden in Schärpen, Tüchern und
Von dem wirklichen Coſtüme der Maurinnen be⸗ Kleidern dürfen überhaupt nur Frauen tragen. Sollte kömmt man auf der Straße nicht die geringſte Idee, ein Mann das wagen, er würde als Weichling Be⸗ denn es iſt durch die Geſpenſtertoilette völlig verhüllt. ſchimpfung erleiden. Auch trägt die Frau ihr kleines Moresken jedoch in ihren Häuſern zu ſehen, das iſt rrothes Fes(Konibat genannt) auf dem vollen auf⸗ nach der Sitte des Islams ſtreng unterſagt und war
gelöſten Haar, es kokett balancirend und ſo ſchief früher für den Europäer ſo gut wie unmöglich. Zum und abſchüſſig auf eine Seite gehangen, als müſſe es Glück für den Touriſten giebt es jedoch jetzt einige jeden Augenblick herabfallen, während der Mann es wenige mauriſche Schönheiten, welche in neuerer Zeit
ſtets gerade tragen muß. angefangen haben, ſich in ihren Behauſungen, natür⸗ Das einzige Kleidungsſtück des mauriſchen Haus⸗ lich mit dem echt mauriſchen Hauscoſtüm bekleidet,
1 3— 3 coſtüms, welches die Männer niemals tragen, iſt die für Geld ſehen zu laſſen. † kann ſich denken, Frimlah. Daß eine Frimlah ein Kleidungsſtück ſei, daß ich dieſe Gelegenheit, ei Stück unverhüllten kann man eigentlich nicht behaupten. Sie iſt die Maurenthums zu ſehen, nicht vernachläſſigte. Illuſion eines Kleidungsſtücks. Sie iſt, wenn man So ging ich denn eines Abends, von einem ein Aequivalent ſagen will, eine Art Weſte, aber eine alten buckligen Lohndiener geführt, welchem die Fran⸗ Weſte, die nur einen halben Rücken hat und welcher zoſen den poetiſchen Namen„Mereure galant“ bei- eine Bruſt gänzlich abgeht. Vorn beſteht ſie nur gelegt hatten, zu den beſagten für Geld gezeigten aus zwei Riemchen, welche zuſammengeknöpft werden; Maurinnen. rückwärts aus einer Art von viereckigem Pflaſter, Der Eintritt in das Haus dieſer Damen war welches durch beſagte Riemchen verhindert wird, mit dem Herſagen myſtiſcher Formeln von Seiten des herunterzufallen. Die für Geld gezeigten Moresken „Mercure galant“ verbunden. Dieſer Biedermann hatten koſtbare Frimlah's an, an denen das Rücken⸗ wechſelte in einem unverſtändlichen Kauderwelſch ei⸗ pflaſter von Goldſtoff war. nige Worte mit einer alten Negerin am Fenſter. Das Geſicht der zweiten der Schönheiten, welche Dies geſchah in einer der ſchmutzigſten, winkligſten in dieſem Tempel orientaliſcher Harempracht ſich mei⸗ Gaſſen von Algier bei ſpäter nächtlicher Stunde, und nen Blicken darboten, war die Regelmäßigkeit ſelbſt: als die Negerin jetzt mit einem großmächtigen Schlüſ⸗ ein Paar ſchwarze, feurige Augen, langes, pechraben⸗ ſel und einer Fackel erſchien, die ihre ſchreckenerre⸗ ſchwarzes, ſchlicht herabwallendes Haar, ein feiner,


