Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
570
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570 Novellen⸗Zeitung.

o Moskau!⸗Ich ſetzte mich in die entlegenſte Fenſterniſche und ließ den Vorhang vor mir fallen. Getrennt vom Saal, erinnerte ich mich, über mir wohnte Louiſe; ich ſah nach der Decke auf, mir ſchien, ſie theile ſich, und ich ſah die geliebte Geſtalt auf dem Sopha ruhen, ſinnend niederblicken zu mir, ſie war ſo blaß und ſo traurig, ich ſtreckte die Arme nach ihr aus, ein Tau mel erfaßte mich, alles Blut jagte mir nach dem Kopfe, ich drückte die Hände an die ſchmerzenden Schläfe, es wurde Nacht um mich, und ich ſank zurück in dumpfe beſeligte Sinnloſigkeit.

Ohnmacht.

Pfui! Nein. Bewußte, gefühlvolle, bezaubernde Kraft- und Willenloſigkeit. Ein beſeligend Hingeben an den Reiz des wallenden Blutes.

Weib lieben! O, das iſt ſchön!(Schluß folgt.)

Literariſche Briefe von Otto Banch.

Drei Jahre im Nordweſten von Afrika. Von Heinrich Freiherr von Maltzan. Leipzig, Verlag der Dürr'ſchen Buchhandlung.

Ueber kein Land werden Sie in neuerer Zeit ſo

So mag ein

Heinrich von Maltzan gehört nicht zu den wirk lichen Entdeckungsreiſenden, die darauf ausgehen, von Europäern nie betretenes Terrain für die Wiſſenſchaft der Geographie in Beſitz zu nehmen. Wohl aber darf er den wiſſenſchaftlichen Forſchern deshalb mit Recht zugezählt werden, weil er mit emſigem Fleiß und tüchtiger Sachkenntniß in Bezug auf wichtige Artikel der Culturgeſchichte eine dankenswerthe Nach⸗ leſe hielt.

Er ſtrebte hauptſächlich darnach, im Nordweſten von Afrika ein möglichſt getreues Charakterbild von den Völkern des Maghreb zu geben und dieſes hiſto⸗

bekannt zu machen. Recht ſehr nahm er dabei Rück⸗ ſicht auf die zahlreichen Monumente der alten römi⸗ ſchen Weltherrſchaft, ja der archäologiſchen Denkmale überhaupt, ließ manche beachtenswerthe Winke über die Sprachverhältniſſe und Miſchungen der jetzigen Bewohner fallen und ſuchte überhaupt über die die Mitwelt anſprechenden gegenwärtigen Verhältniſſe und Zuſtände möglichſt viel Einzelnheiten beizuſteuern, um ſein Werk auch als Unterhaltungslectüre empfeh⸗ lenswerth zu machen.

Es iſt wünſchenswerth, daß dies Letztere vom Publicum nicht überſehen werde, denn da unſere Literatur ſo wenig Werke von Werth und intereſſan⸗

riſch denkwürdige Terrain dem allgemeinern Publicum.

viele Reiſeberichte finden, als über Afrika, jenen tem nützlichem Inhalt darbietet, ſo würde es für die Erdtheil, der nicht nur keineswegs zu den neuentdeck- Leſer ein beträchtlicher Schade ſein, ſich durch ein ten gehört, ſondern vielmehr in hiſtoriſcher Beziehung Vorurtheil, als handle es ſich hier nur um abstracte ſicherlich der älteſte von allen iſt. Gelehrſamkeit, davon zurückſchrecken zu laſſen. Ohne Man darf es als eine Art Ironie bezeichnen, Frage gehört es zu den Pflichten der Kritik, zur daß Afrika bei dieſem ungeheuren Alter ſeiner Hiſto- richtigen Verſtändigung über ſolche leicht mögliche rie ſich doch immer nur an ſeinen äußeren Grenzen vorgefaßte Meinungen beizutragen, denn es iſt nicht der Außenwelt offenbart hat, während ſich ſein Inne- bildend, ſondern geſchmackverſchlechternd, wenn Lieb⸗ res ziemlich hermetiſch gegen das Eindringen der In- haber und Laien ſich nur ſolchen Werken zuwenden, telligenz verſchloß. Jedenfalls kann man ſagen, daß welche den wiſſenſchaftlichen Stoff durch kokette ge⸗ ſelbſt eine Menge Theile von Afrika, welche den alten ſchwätzige Populariſirung wie für genäſchige Kinder Griechen und Römern bereits ſehr zugänglich und und unfähige Faulenzer überzuckern und dadurch oft bekannt waren, für eine lange ſpätere Periode wieder nachdrücklich verballhornen. zur terra incognita wurden. Die nubiſchen Gegen⸗ Ohne zu Scenerien zu greifen, wie ſie Maltzan den und viele Partieen der Seeraubſtaaten gehören als die natürlich intereſſanteſten oft aus den unbe⸗ dazu. kannteſten Theilen des Landes ſchildert, ſei hier et⸗ Erſt die neuere und beſonders allerneueſte Zeit was viel minder Ungewöhnliches hervorgehoben, da⸗ hat im aufopfernden Eifer des Forſchens, nicht min- mit der Leſer ſich nach dieſer ein wenig ausführlicheren der unterſtützt von einigen Eroberungskriegen, den Probe die Frage nach dem unterhaltenden, angenehm

Schlüſſel wiedergefunden, welcher uns die inneren Geheimniſſe jenes Erdtheils auf's Neue erſchloß und erſchließt.

Unſer Blatt verſäumte nicht ſeiner Zeit auf dieſe Großthaten des Culturgeiſtes ab und zu ſoweit hin⸗ zuweiſen, als es für das Intereſſe größerer Leſerkreiſe erſprießlich und feſſelnd war.

genießbaren Charakter des Werkes unparteiiſch ſelbſt beantworten möge. Wir folgen dem Autor blos nach Algier und laſſen ihn von dem Eindruck erzählen, den die eingebornen Moresken auf ihn machten. Er ſagt:

Was die Maurinnen oder Moresken betrifft, ſo ſieht man auf der Straße außerordentlich wenig von

den Moresken e proceſſe unterwor für anftüßig halt dig, ja vornehm Saft der Gallus gfärbt, bilden; cen des Auges besaltars hervo ihrer inneren und zeigen ſo dünne ſchwarze zender hervorhel Von dem u kömmt man auf denn es Vſ dur Moresken jedo nach der Sitte früher für den Glück für den wenige mauriſe angefangen hat lich mit dem für Geld ſehe daß ih dieſe Maunathums So ging alten bucligen zoſen den poet gelegk hatten, Maurinnen. Der Ein mit dem Herſ Nercure gal wechſelte in 6 n Vorte ds geſchah

Gaſfen von Al⸗

als die Negeri ſel und einer