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Auguſt's Bruder, der den Anführer machte,„wir wol⸗ len das Maienſetzen wieder in Ordnung bringen.“
Die Geſangvereiner nickten mit dem Kopfe, die Andern horchten.
„Ja,“ ſagte der Burſche,„vor Zeiten wurden nur den Mädchen Maien geſetzt, die ſich gut betrugen, ob reich oder arm, hübſch oder nicht, das blieb ſich gleich. Aber die Maid mußte einen Schatz haben, der ſie heirathen wollte. Den lüderlichen wurde ein dürres Reis geſetzt. Aber in den letzten Jahren ha⸗ ben die ſchlechteſten Mädchen die ſchönſten Maien gehabt. Ich ſchlage vor, daß jeder ſeinem Schatze eine Maie ſetzt, und damit gut. Dann ſoll die Maie der Maid den Trauring verkündigen und darum bitten.“
Es begann nun ein Durcheinanderreden, bei dem aber doch ſo viel herauskam, daß alle damit einver⸗ ſtanden waren, durch das Maienſetzen die ordentlichen Mädchen zu ehren.
Einer rief:„Aber der Wirthsguſtel, die mit dem Herrn von Gordo geht und uns alle für Narren hält, eine dürre Ruthe!“
Der Vorſchlag ward angenommen. Aber wer ſollte ſie ſetzen? Endlich kam man dahin überein, die Sache gemeinſchaftlich zu thun, es möge daraus ent⸗ ſtehen, was da wolle. Vorher ſollte ein Jeder ſeine Maie vor das Haus pflanzen, das ihm nach dem ſei— nigen das liebſte im Dorfe ſei, und Keiner ſollte dem Andern nachgehen und ihn belauſchen. Aber dann wollten ſie ſich unter der Linde treffen und von da aus vor das Wirthshaus ziehen mit der dürren Ruthe.
So geſchah Alles.(Schluß folgt.)
Mein armer Freund.
Von Baron von Scheliha.
Aufgeſprungen von den guten Matratzen des Sterns, des beſten Gaſthofs des ſchönen Bonn! Die Strahlen der Sonne fallen ſchon wagerecht ins Fen⸗ ſter, und für keine Menſchenclaſſe hat das Sprüchwort „Morgenſtunde hat Gold im Munde“ ſolch' unbe— ſchränkte Wahrheit als für Vergnügungsreiſende. Darum hinaus in die friſche Morgenluft, dem Lever der ewig jungen Erde aus ihrem weichen Wolkenbett⸗ chen beizuwohnen! Durch die ſtillen Straßen und den noch öden alten Markt, bei dem ſolid und an⸗ ſtändig ausſehenden Univerſitätsgebäude vorüber zum Wer war in Bonn und kennt nicht den herrlichen Blick vom alten Zoll? Stets iſt er ſchön, doch nie ſo feierlich ſchön wie am frühen Morgen.
Folge. 567 Das nur in der Nähe durchſichtige Nebelmeer bedeckt das ganze Thal und wogt uns leiſe entgegen, ſo leiſe, weich und mild! Wie ſanft mag es ſich noch dar⸗ unter ſchlummern! Nur die Spitzen der Thürme glänzen über ihm, und die Klangwellen der Morgen⸗ glocken wallen über ſeinen flockigen Wogen daher, die umbordet ſind von dem ſchöngefärbten, grünbe⸗ waldeten Siebengebirge, von deſſen Weſthang die Trümmer der Veſte des Drachenfels dem einſamen Bogen von Rolandseck zuwinken. Unten aber geht leiſe rauſchend der Rhein.
„Freund Laukheim, ich rufe Dir meinen Dank hinüber nach dem kahlen Lippſpringe, denn ohne Dei⸗ nen Rheinenthuſiasmus wäre ich längſt an den flachen Ufern der gelben Oder, ſtatt an dem burgenumſäum⸗ ten grünen Rhein!“
„Ich werde den Dank an ſeine Adreſſe beſorgen, verzückter Poet, und damit Du mich nicht für einen Geiſt hältſt: hier haſt Du ein untrügliches Zeichen.“ Und ein Schlag, unter deſſen Wirkung meine getrof⸗ fene Schulter unwillkürlich zuckte, belehrte mich, daß er wirklich von der kräftigen Hand meines Freundes ertheilt worden ſei.
„Du könnteſt wiſſen, daß ich Zeichen, die noth⸗ wendiger Weiſe ſolch unangenehmen Nervenreig erng⸗ gen müſſen, nicht gerade liebe; doch es ſei Dir ver⸗ geben! Willkommen auf dieſem heiligen Hügel, ge⸗ ſchaffen für Freundſchaftsſchwüre! Doch nun ſage: welch geſegnet Geſchick, mächtiger als ich, entriß Dich der polniſchen Gefangenſchaft, die Dich ſo hart ge⸗ feſſelt hielt?“
„Pah! Mein Rheinenthuſiasmus, Du ſagſt es. Das Nähere erzähle ich Dir ſpäter. Doch was führte Dich hierher, Dich ſtörriſchen Trotzkopf, der Du noch bei Deiner Abreiſe von Lippſpringe, alle meine Be⸗ ſchwörungen verſpottend, auf geradem Wege zu einem mir unbekannten Magnetpol in Schleſien eilen wollteſt?“
„Du hörteſt es: Deine Beſchwörungen. Die Pa⸗ derborner Steppe, die Gott wahrhaftig nur zu Hetz⸗ jagden geſchaffen haben kann, hatte meinen Sinn für landſchaftliche Reize ganz ertödtet, Kaſſel mit ſeiner lieblichen Umgebung erweckte ihn wieder aufs Neue, und wie ein überhungerter Mann, der durch zu lan⸗ ges Entbehren alle Luſt an Speiſe unnatürlicher Weiſe verloren, nach dem erſten Genuß von einem gewaltigen Heißhunger überfallen wird, ſo trieb mich die Sehnſucht, mich an ſchöner Landſchaft zu erlaben, ſtatt nach Halle, nach Frankfurt und dann langſam den Rhein herab, und ſo bin ich hier.“
„Und ſo will ich hier Dein Führer ſein.“ „Schön! Deinen Arm!“ Pſychologen, Seelenmathematiker, bis zu welcher


