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Rovellen
Knospen aus. Gegen Abend ſtand ſogar das reinſte Blau über Wald und Feld.
Wenn ein Feſt ſich ſo ſchön anläßt, ſo erhält es eine doppelte Weihe für den Menſchen. So war es jetzt. Es kam eine rechte Feſttagsſtimmung über die Leute, beſonders über das junge Volk. Das helle Lachen der Mädchen und das Jubeln der Burſchen erfüllte das ganze Dorf. Neubruch hatte noch einen ganz beſondern Grund, ſich über das ſchöne Wetter zu freuen. Es war an der Reihe, das Pfingſtbier zu
geben.
Seit Jahren nämlich hatten ſich etwa ſechs bis
acht Dörfer zuſammengethan, um abwechſelnd den zweiten Pfingſtfeiertag durch einen Umzug und durch einen Tanz auf der Wieſe feſtlich zu begehen. Die Neubrucher Burſchen hatten ſchon ſeit ein paar Wo⸗ chen zu thun gehabt, um die Bude zu bauen auf der Pfingſtwieſe, und um Alles zu beſorgen, was nöthig war. Wunderlich genug war es dabei zugegangen. Die wildeſten Burſchen des Dorfes, Barthel an der Spitze, hatten ſich gar nicht dabei betheiligt, und in der Schenke war kein Wort davon geſprochen worden, weil die Alten ſo viel über die Sache des Paſtors und des Verwalters disputirt hatten. Heute, am Pfinſtheiligabend war Alles fertig. Die mit Maien geſchmückte Halle ſtand da, das Bier und die Muſi⸗ kanten waren beſtellt und die Nachbardörfer eingela— ben, ja die rothen Bänder für die Pferde und die Schleifen für die Burſchen waren ſchon zurecht gelegt. Die jungen Männer ſtreiften umher und warteten nur die Nacht ab, um dann die ſüßeſte Feier zu be⸗ gehen, die das Pfingſtfeſt in ſich birgt, das Maien⸗ ſetzen.
Die laue Pfingſtnacht lag endlich wie ein ſchöner Frühlingstraum in und über dem Walde. Die hohen Bäume ſtrebten im gewaltigen Drange der Kraft in das reine Blau hinein, in dem die Sterne wie Blü⸗ then ſchwammen. Der Schein des Mondes und das Licht der Sterne rann wie unzählige breite ſilberne Bänder und Fäden durch das junge Laub hindurch auf den weichen Moosteppich des Bodens.
Die friſche Waldesluft war mit dem Dufte von Millionen Knospen und Blüthen erfüllt, und eine ſolche Seligkeit wogte durch die Waldhallen hin, daß die Vögel nicht ſchlafen konnten vor Frühlingsglück und Liebesweh, ſondern noch lange vereinzelt ihr Ru⸗ fen und Heiſchen durch den Wald ſchallen ließen.
Gegen Mitternacht erklangen raſch hintereinander einige kräftige Axtſchläge, dann das Aechzen eines langſam umſinkenden Baumes, und nicht lange darauf ſchlüpfte wohl eine Männergeſtalt mit einer Maie
Zeitung.
beladen aus dem Walddunkel und ging dem Dorfe zu.
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Ziemlich tief im Walde ſaßen um dieſe Zeit zwei Bauerburſchen auf einem gefällten Baumſtamme und hatten neben ſich ihre Maien liegen und die blanken Aexte.
„Aber was ſollen wir hier ſitzen und warten! Mich gähnt's faſt,“ ſagte Gottlieb.
„Ja,“ ſagte der Andere,„aber der Böttcher hat geſagt, wer nicht da ſei, der dürfe das Pfingſtbier nicht mitmachen.“
„Nu meinetwegen,“ ſagte Gottlieb,„da will ich warten bis morgen früh.“
„Brauchſt's nicht. Dort kommt Langens Auguſt aus dem Hinterdorfe.“
„Gut, daß ich Euch treffe,“ ſagte ein langer, hagerer Burſche, der hinter den Bäumen hervortrat. „Hört Ihr nichts?“
„Ja,“ ſagte Gottlieb,„die Fröſche quaken.“
„O!“ lachte Auguſt,„die vom Geſangvereine kommen vom Fluſſe her auf dem breiten Wege und ſingen.“
„Ja,“ ſagte Gottlieb,„die vom Geſangvereine ſind jetzt oben drauf. Zu denen müſſen wir halten. 's hilft nichts!“
„Ja, Gottlieb,“ ſagte der Andere neben ihm, „man muß die Feſte feiern wie ſie kommen. Aber mit Deinen Schelmenſtückchen und Gaſſenhauern iſt nichts bei denen. Der Paſtor iſt Vorſtand.“
„Und der Barthel iſt auch nicht dabei,“ fügte Auguſt hinzu.
„Der Barthel?“ rief Gottlieb und ſprang auf. „O, den habe ich geſtern geſehen. Er ging an ſeinem Kornfelde hin. Erſt warf er den Kopf, als wollte er ihn'runter haben, dann ballte er die eine Fauſt und mit der andern raufte er ganze Büſchel Getreide aus, als ärgerte ihn das liebe Gut.“
„Ja,“ ſagte der Andere,„um den gebe ich nicht einen Dreier. Vorgeſtern Nacht hat ihn der Nacht⸗ wächter am Fluſſe ſtehen ſehen, wie Einen der hinein⸗ ſpringen möchte.“
„'S iſt doch wahr,“ beſtätigte Auguſt,„Hochmuth kommt vor dem Falle. Aber ich begreife doch nicht recht, warum er den Kopf ſo ſehr hängen läßt. Die Gerichte können ihm doch nichts anhaben.“
„Ich begreif's,“ ſagte Gottlieb.„Seit die Liſe begraben iſt, geht's abwärts mit ihm. Die Liſe zieht ihn zu ſich hinunter.“
Jetzt hörte man den Geſang näher und näher kommen, und einige Zeit darauf trat ein Chor von
Bauerburſchen aus einem Baumthor heraus und kam.
auf ſie zu. „Wißt Ihr, warum wir hier zuſammengekommen ſind?“ ſagte ein ſchmucker Bauersſohn, des Langen⸗
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Einer vief: Heren von Gort eine dürre Rut
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