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Roſel.
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ſeine Mutter getröſtet, bei der er nach Verluſt ſeiner Stelle einſtweilen Wohnung genommen. Unendlich tiefer hatte ihn der Gedanke geſchmerzt, daß Roſel für ihn verloren ſei und vielleicht nicht glücklich werden würde. Doch Paſtor Bürger war gekommen und hatte ihn getröſtet.
Beim nächſten Verhör war es ſonderbar zugegan⸗ gen. Es hatten geheime Berichte vorgelegen von Herrn von... und Magiſter ſo und ſo, die wunderliche Sachen mittheilten über ihn und den Paſtor. Da war minde⸗ ſtens von einer ſchrecklichen Verſchwörung gegen das Land die Rede geweſen. Ein Actuar war aufgeſprun⸗ gen und hatte verlangt, daß man ein Exempel ſtatuiren ſolle, um ſolchem geheimen Unweſen ein Ende zu machen. Aber der Amtmann hatte ſich nicht irre machen laſſen. Er hatte ruhig beſtimmt, daß man noch mehr Leute aus dem Dorfe ſelbſt verhöre. Der Richter hatte ſolche genannt, die für ihn paßten, aber der Amtmann hatte auch den Schmied und den Mül⸗ ler beſtellt, die Walther vorgeſchlagen.
Im dritten Verhör waren die Leute aus Neu⸗ bruch dageweſen. Der Schmied hatte gewaltig ge⸗ redet und alle Verhältniſſe des Dorfes enthüllt. Ein Wort hatte das andere gegeben, und ſelbſt Roſel's Verlobung war zur Sprache gekommen. Die Actuare hatten darüber ſpotten wollen, aber der Amtmann hatte ſie zurecht gewieſen und die Sache ernſt und ſchonend behandelt.
Endlich hatte ſich der brave Mann dahin ent⸗ ſchieden, in nächſter Zeit ein großes Gericht im Dorfe ſelbſt abzuhalten, um die Amtsführung des Richters zu unterſuchen.
„Aber Du biſt frei und unſchuldig?“ jubelte
„Frei? ja, aber unſchuldig nicht ganz, denn hab' ich Dir nicht viel Kummer gemacht? Aber heute wollte ich an Deinen Zaun ſchleichen, Dich rufen und Dir Alles abbitten.“
Roſel legte ihr Köpfchen an ſeine Bruſt. Aber nun beſann ſie ſich auch, daß ſie noch weit entfernt waren von dem Ziele, nach welchem ihr Herz rang. Und in ſchüchtern, rührend kindlicher Weiſe ſchüttete ſie ihre Sorge und Noth in das Mannesherz, das ihre Heimath war. Aber unwillkürlich zog ſie ihre Hand aus der ſeinen, als ſie ſagte:„Ach Du weißt noch nicht, wer die iſt, um die Du Dich in Gefahr begeben haſt. Bin eine arme Bettlerin, die bald mit Vater und Mutter wird von Haus und Hof gehen und vor den Thüren um Arbeit bitten müſſen.“
Walther war tief ergriffen und ließ ſich Alles genau erzählen. Er ward faſt zornig, als er hörte, welch dummen Streich der alte Zechendorf gemacht
Vierte Folge.
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hatte, aber er ſah zunächſt keinen Ausweg. Seine eignen kleinen Erſparniſſe reichten nicht hin, um das Reugeld zu decken, und es war allerdings alles Schlimme zu befürchten, da Barthel die erſte Hypothek auf dem Gute hatte.
Zunächſt konnte er keinen beſſern Troſt geben als den, daß vor Pfingſten ſchwerlich etwas entſchieden werden könne, und bis dahin wolle und müſſe er Hülfe ſchaffen. Er gelobte ihr, ihre Sorge zu der ſeinigen zu machen. Noch ein Weilchen ſaßen ſie beiſammen, und wenn auch keine beſſere Ausſicht gefunden ward, ſo ging Roſel doch wunderbar getröſtet nach Hauſe.
Unterdeß war Barthel bei ihrem Vater geweſen.
„Sie will nicht!“ hatte der Alte tonlos und ver— ſtört geſagt. Und trotzig hatte Barthel erwidert: „Schon gut, dann ſind wir fertig mit einander. Da wird Euch auch an meinem Gelde nichts gelegen ſein. Will's kündigen; brauch' Geld, ehe die Ernte kommt.“ Damit war er gegangen.
Schlaff und welk hing der alte Zechendorf im Lehnſtuhl und erwartete die Subhaſtation. Roſel um⸗ ſchlang ihn mit ihren Armen und verkündete ihm mit gläubiger Zuverſicht, bis Pfingſten werde Hülfe kommen.
Barthel's Trotz war übrigens ein Ausfluß ſeiner verdrießlichen Stimmung. Es ging ihm nichts nach Wunſche, ja es ſchien ſich um ihn ein Unwetter zu⸗ ſammenzuziehen.
Im Dorfe verbreitete ſich das Gerücht, daß der Amtmann kommen und Gericht halten werde. Es herrſchte eine große Aufregung unter den Leuten und es ward von nichts Anderem geſprochen, als von dem kommenden Gerichtstage. Man erzählte ſich, daß der Richter ganz krumm einhergehe, und ſtier ausſehe, und daß der Barthel vor ſich hinfluche, wenn er auf's Feld gehe, und ſcheu um ſich blicke wie ein Verbrecher.
Es ward ſtiller im Dorfe. Der Schmied und der Müller gingen fleißig in die Pfarre, und es ward ein Geſangvereinbegründet, zu dem immer mehr und mehr ſich meldeten. An der Schmiede redete ihnen der Schmied die Sache vor, wenn ſie die Pferde brachten, und las Jedem den Text, der ſich ausſchlie⸗ ßen wollte.
Seit Oſtern hatte immer ein ſo kalter Nordoſt⸗ wind geweht, daß es trotz der höher und höher ſtei— genden Sonne nicht recht warm ward, und die Bauern anfingen zu klagen, weil die Saat nicht fort wollte. Am Pfingſtheiligabend änderte ſich der Wind. Ein warmer Süd wehte plötzlich wie ein warmer Lebens⸗ hauch über die harrenden Fluren, und ein durchſichtiger Wolkenſchleier breitete ſich jungfräulich verſchämt über allen den ſprießenden Keimen und ſchwellenden


