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1 den Tiſchen umher und ſielten oder lärmten und tranken.
Der dicke Zechendorf ſaß auch an einem Tiſche und ſpielte, aber er war unter ſchlaue Spieler gerathen, die ihm das Geld abnahmen, daß es eine Art hatte. Aus Aerger darüber trank er gewaltig viel, ein Bier und einen Schnaps nach dem andern, bis er ganz be⸗ trunken war. Mit ſtieren Augen ſaß er da und ſchwatzte dummes Zeug durcheinander zur großen Be⸗ luſtigung der Andern, die ihren Spaß mit ihm hatten. Da ſetzten ſich drei feingekleidete Herren an den Tiſch. Sie verbargen ihre Geſichtszüge hinter großen Bär⸗ ten und blinzten ſich zuweilen unter den buſchigen Augenbrauen einander zu. Sie nannten ihn Herr Baron und rühmten ſein Gut und ſeine Art zu wirth⸗ ſchaften. Das kitzelte den Thoren über alle Maßen, und er fing an aufzuſchneiden. Aus ſeinen 50 Acker Land machte er 70 und aus ſeinen 8 Kühen 16 neu⸗ melkene; ſeine zwei Pferde verdoppelte er und dazu legte er ſich noch eine Schafheerde bei, die er gar nicht hatte. Haus und Hof aber ſtellte er dar, als ob Alles ſpornfunkelneu ſei und im beſten Stande.
„Wollen Sie nicht verkaufen, Herr Baron?“ rief einer der Herren.
Zechendorf lachte.
„21,000 Thaler mit der Hälfte Anzahlung!“ rief ein Anderer.
Zechendorf lachte, daß ihm die Augen übergingen. Es gab ein wildes Durcheinander von Zureden und Zutrinken, daß man ſein eignes Wort nicht hörte.
„Topp!“ riefen die Drei aufeinmal und ſtreckten ihm die Hände entgegen.
Zechendorf zögerte.
Im Nu flogen zehn Ducaten auf den Tiſch. Da ſchlug er ein.
„ Zeugen her!“ rief der größte der Herren,„Zechen⸗ dorf hat verkauft!“
Die Sache ward abgemacht, Zechendorf ſtrich die Ducaten ein, zahlte ſeine Zeche und— ſank unter den Tiſch. Im traurigſten Aufzuge ward er nach Hauſe gebracht.
Denſelben Abend noch erfuhren Roſel und die Mutter was geſchehen war. Sie erkannten ſofort, daß der Vater den Halsabſchneidern, ſo nennt man die betrügeriſchen Gütermäkler, in die Hände gefallen ſei. Es trat klar vor ihre Seele, daß ſie, wenn nicht die äußerſte Vorſicht gebraucht würde, alle von Haus und Hof wandern müßten, und daß ihnen Nichts bliebe, als der Bettelſtab. Aber die Mutter ent⸗ wickelte nun eine Energie, die ihr wohl Niemand zu⸗ getraut hätte.
„Die Halsabſchneider ſchicken eden in den Spit⸗
Vierte Folge. 563
tel, der in ihre Klauen fällt, aber ſie dürfen nicht herein!“
Am Morgen ließ ſie Haus und Stall feſt ver⸗ riegeln und das Thor verſchließen. Dann ſtellte ſie ſich an's Fenſter und wich nicht von der Stelle.
„Sie werden ſchon kommen,“ ſagte ſie. Und wirklich, ſie kamen, die Halsabſchneider, um das ge⸗ kaufte Gut zu beſehen. Die Mutter öffnete das Fenſter, warf ihnen die Ducaten, die ſie in des Va— ters Taſche gefunden hatte, auf den Weg und rief, ſie ſollten ſich nur packen, das Gut gehöre zur Hälfte ihr und könne ohne ihre Einwilli ligung nicht verkauft werden. Die Männer ließen aber das Geld liegen und drohten, daß ſie wiederkommen würden. Sie gingen auch ſofort in's Gericht und verklagten Ze⸗ chendorf.
Aus den Flurbüchern ergab ſich, was ſie auch bereits äußerten, der wahre Beſtand des Gutes; dar⸗ nach berechneten ſie einen Abzug und verlangten das Gut für eine Summe, die kaum hinreichte die darauf haftenden Schulden zu decken. Im Weigerungsfall aber forderten ſie ein Reugeld von 400 Thalern. Es war alle Wahrſcheinlichkeit vorhanden, daß das Ge⸗ richt ſie unterſtützen mußte. Was ſollte Zechendorf thun? Das Gut aufgeben konnte er nicht, wenn er nicht nackt und bloß daſtehen wollte. Und wer ſollte ihm die 400 Thaler Reugeld borgen? Niemand, das wußte er, würde bereit ſein, außer— Barthel. Bar⸗ thel war der letzte Hoffnungsanker. Es gab nur eine Kleinigkeit vorher zu beſorgen: Roſel's Verlo⸗ bung.
Am Tage vor dem Himmelfahrtsfeſte rief er Roſel und die Mutter in die kleine Stube, und mit krächzender Stimme eröffnete er ohne lange Umſchweife der Tochter, daß womöglich ſchon nächſten Sonntag oder ſpäteſtens zu Pfingſten ihre Verlobung mit Bar⸗ thel ſein müſſe. Wie erſtaunte er, als ihm Roſel freundlich aber beſtimmt erklärte, daß ſie Barthel nicht nehmen könne noch dürfe!
Dunkle Röthe bedeckte plötzlich ſein feiſtes Ge⸗ ſicht und die Stirnader ſchwoll zum Zerſpringen. „Du willſt nicht?“ fragte er ſich mühſam halb von ſeinem Sitze erhebend.
„Nein, Vater, ich darf nicht,“ ſagte das Mäd⸗ chen und legte ihre Hand auf die ſeinige.
„Weg, Katze!“ ſchrie der Mann zähneknirſchend, ſprang auf und ſchlug ſie mit geballter Fauſt vor die Stirn, daß ſie zurücktaumelte und in einer Ecke nie⸗ derkauerte.„Willſt Du nun?“ ſchrie er wild, einen Stock ergreifend.
„Ich kann nicht,“ rief Roſel weinend, ihre Hände
vor ſich hinbreitend.
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