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niſch, Berge und Städte ſtanden halb gemalt darauf. Dienſt⸗ willig verſprach der Buchhändler, auf den andern Morgen eine ſchöne neue Karte zu ſchaffen. Was brachte er mir da? Eine Karte von Sicilien, die ein Franzoſe vor fünfzig Jah⸗ ren gemacht hatte, halb italieniſch halb franzöſiſch, ohne An⸗ gabe der Berge und Alterthümer. Nun ſollte endlich eine dritte Karte meine Wünſche erfüllen. Wir begaben uns zu einem Buchhändler, der ſie wirklich beſitzen ſollte. Mit Tri⸗ umph holte er ſie aus der Schublade: eine Reiſekarte war es, aber ein ganz kleines Blatt und hinten aus dem Reiſe⸗ führer von Lanza herausgeſchnitten, das dürftige Blättchen in meinem Förſter war noch immer beſſer. ein gelehrter geiſtlicher Herr dazu, welcher es wußte, daß in einem deutſchen Cigarrenladen die geſuchte Karte zu kaufen ſei. Richtig, unſer Landsmann hatte die ſicilianiſche Land⸗ karte feil. Sie beſtand aus mehreren Blättern auf Lein⸗ wand, war gut, aber umfangreich und theuer. Ein Englän⸗ der hatte vor zehn Jahren die Inſel vermeſſen, nach ſeiner Aufnahme hatte ſieben Jahre ſpäter ein junger Sicilianer das Werk zu Stande gebracht. Allein da er arm war, wollte ihm kein Menſch in Palermo das Geld vorſtrecken, die Karte herauszugeben. Da that es ein Cigarrenhändler, der ein Deutſcher war aus Augsburg. Nun frage man in einer kleinen Stadt in Bayern oder an der Nordſee, in der ein Gymnaſium iſt, ob der Buchhändler nicht eine Karte von Italien und Sicilien auf dem Lager hat! In der Hauptſtadt Siciliens, in der berühmten Univerſitätsſtadt Pa⸗ lermo mußten ſich engliſche Induſtrie und deutſches Geld erſt zuſammenfinden, damit die Karte entſtehe und zwar am halb verlorenen Orte.
Bei Gelegenheit dieſer Reiſe nach der Karte muſterte ich den Inhalt der Buchläden. Die Buchhändler waren zugleich Antiquare, und die beſuchteren hatten ein Verzeichniß ihres Stapels offen liegen. Folianten holländiſcher und deutſcher Pandektiſten, alte lateiniſche Theologien, Erbauungsbücher, franzöſiſche Romane,— das war die ganze Geiſteswaare. Deutſche oder engliſche Werke ließen ſich nur antreffen, wenn ſie einen franzöſiſchen Ueberſetzer gefunden oder ſich zufällig nach Palermo verirrt hatten. Neuere Schriften von Sici⸗ lianern waren faſt ebenſo ſchwierig zu bekommen. Wie gut haben wir es doch in Deutſchland! Oft habe ich mich ge⸗ fragt: wer bezahlt denn unſere allwöchentliche Fluth neuer Bücher? Leſen kann ſie ja doch Keiner mehr. Und dennoch, — die meiſten Gedichte abgerechnet, an welche die jungen Lorbeerwüthigen ihr Geld hängen, um das hübſche Bändchen den liebenswürdigen Tanten zu verehren,— dieſe Gold⸗ ſchnittmännchen abgerechnet, trägt doch jedes deutſche Buch ſeinem Verfaſſer noch ein paar Ducaten ein, der Verleger läßt es außerdem auf ſeine Koſten drucken und macht ſeine Geſchäfte damit. Wer aber in Sicilien ein Buch heraus⸗ geben will, der bezahlt erſt ſich ſelbſt für ſeinen Witz und Fleiß, kauft einige Ries ſchlechtes Papier, läßt für ſein Geld das Werk darauf drucken, und dann hat er die Ehre, es an ſeine Freunde zu verſchenken.
Wenn die guten Freunde es nun wirklich leſen, kann er auf ſeinen Styl ſich etwas zu Gute thun, denn der Sicilianer lieſt nicht gern. Palermo ſteckt noch tief in den ſtillen alt⸗ fränkiſchen Zeiten, wo man Tags über ſein Geſchäftchen und Abends ſeine kleine hübſche Spielpartie hatte, im Uebrigen mit Leſen und Denken ſich kein Kopfweh machte. Die Rede aber über Unglück und Uebelſtände der ſchönen Inſel fließt jedem Palermitaner wie Waſſer vom Munde, er zählt Alles gleich an den Fingern her, und das Schlußwort lautet ſtets:
Novellen⸗
Zeitung.
ſo ſchlecht waren unſere Regierungen. Sagt man nun: „Doch jetzt, jetzt bindet euch keiner mehr die Hände! Warum baut ihr keine Straßen in's Innere? Weßhalb legt ihr keine Schulen an? Läßt ſich der Handel nicht beleben?“—„Das muß die Regierung thun!“ antwortete Jedermann ganz ruhig.—„Aber die Regierungen können nicht Alles. Selbſt müßt ihr zuſammenſtehen, Rath ſchlagen, Pläne machen, Hand an's Werk legen! Nachdem eure Revolution geſiegt hat, glaubt man euch in voller Arbeit, endlich eure Zuſtände zu beſſern. Ihr ſprecht und klagt aber mehr als zuvor und
thut nicht viel mehr!“ Spricht man ſo zu den Sicilianern, Zum Glück kam
ſo werden ſie ärgerlich und laſſen merken, man verſtände nichts von den Dingen auf ihrer Inſel. Offenbar liegt aber das Räthſel darin, daß die Sicilianer Eines nicht mehr haben und ein Zweites nicht mehr verſtehen. Der friſche Thätig— keitstrieb fehlt ihnen, und ſie können ſich nicht organiſiren. Jahrhunderte lang ſind ſie von ſchlechten Regierungen nieder⸗ gedrückt, jetzt haben ſie die Köpfe zwar aufgerichtet, ſitzen aber noch immer läſſig und bequem auf dem Boden.
Am letzten Abend, als ich wieder ſolche Fragen mit Sicilianern verhandelt hatte, ging ich noch ſpät zum Meer hinab, an deſſen Strande ſich der prachtvollſte Spazierweg hinzieht. Es war mein gewöhnlicher Gang in der Abend⸗ ſtunde. Denn der Morgen und Abend gehört in Palermo dem Meere.
Die Sonne war langſam in den Wellen verſunken, Meer und Berge ſtrahlten in goldener Gluth. Dann glitten aus der gründunkeln Thalebene die Schatten an den Bergen empor, noch ein paar Minuten glühten die Gipfel heller, dann erloſchen ſie, und nur die Umriſſe erſchienen noch deut⸗ lich am mildklaren Nachthimmel. Unten war nun Alles umfangen von einem ſanften wohligen Dunkel. Leiſe ſchim⸗ merte das ruhig wallende Meer. Reihen von Lichtern ent⸗ zündeten ſich am Strande, und ſtrahlten aus den Wellen wieder. Aus der Höhe aber blickten die Sterne mit ſo kräf⸗
tigem, ſo ſcharf funkelndem, und doch ſo eigen lieblichem
Glanze. Weiche Wohlgerüche wehten, und vom Meere her miſchte ſich unaufhörlich milde Kühle hinein. Die Menſchen zogen hin und her in kleinen Gruppen, wie leiſes Murmeln hörte man ihre Geſpräche, leiſe klatſchten die Wellen an's Ufer, Nichts ſtörte den zaubervollen Frieden. Ach, es war himm⸗ liſch: wer ſolche Abende in Palermo empfunden hat, wie ſchwer wird dem das Scheiden!
Zu Zeiten rauſchte das Meer auf, Millionen Funken blitzten aus der Tiefe, und ein ſtärkerer Luftzug von dorther ſagte, daß das große Meerall lebte und athmete. Das Wun⸗ derbarſte blieb mir immer dieſe ſanfte Klarheit des nächtlichen Himmels. Es war ſchon ein paar Stunden Nacht, und die Luft doch ſo tief durchſichtig, als wäre ſie ganz erfüllt von mildem Sternenlicht. Man glaubt, jetzt könne man da hin⸗ ein ſehen in die himmliſchen Gründe, und ehe wir ſelbſt es inne werden, wiegt unſere Seele ſich da oben in der ahnungs⸗ tiefen dunkeln Aetherbläue und wagt ihren ſcheuen ſtillen Flug unter den Sternen, als vernähme ſie dort näher die ewigen Melodien, die leiſe verklingend zur dunkeln Erde nie⸗ derſinken.
Seltſam, man iſt in ſolchen Augenblicken wie umringt von Ideen, und doch zerfließt jeder Gedanke, will man ihn faſſen, gleichſam in Luft und Sternenſchimmer. Unſer Geiſt geht wie in tauſend keimenden Kräften auseinander, aber nirgends ſchießt mehr ein harter wachſender Stamm darin empor: die linden ziehenden Lüfte, der liebliche Duft, den Alles ausathmet, ſie laden nur zum Genießen ein. Dieſes
ihrer verführar rbeite: ich me bloßes Perkltn im Kle fteten Zewußtſe Dinge geſchieht. dieſer ideale Hin ſüchtige Arbeit verlorener Ath Wege, auf der für die ſchöne Beſtimmung de rückgezogen for Jerthum wenig ſti, daß noch eit Nahrung der? ſtin, die ihr Ge noch ruhig ent Pllichten als? ter Undank un Ehre wie an gen, jener Ge gültig jenes S
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