Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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bei der Belagerung einer kleinen Veſte, denn er war wieder wie zuerſt Officier geworden. Die ſämmtlichen übrigen Familienglieder der Borgia wurden vernich⸗ tet oder vertrieben, wobei den Cardinal della Rovere (Julius II.) die Colonna und andere durch Alexan⸗ der VI. gemißhandelte Familien ſehr unterſtützten. Nur Lucretia, dieſe grauenvollſte aller Buhlerinnen, ſtarb ruhig als regierende Herzogin von Ferrara. Die ihr vom Dichter Pontanus geſetzte Grabſchrift lautete: Hic jacet in tumulo Lucretia nomine, sed re Thais, Alexandri filia, sponsa, nurus.(Hier unter dieſem Grabhügel ruhet Eine, die Lucretia hieß, aber eine Thais und dem Papſte Alexander zugleich Tochter, Weib und Schwiegertochter war.)

Ein einziges Bruchſtück, wie das vorliegende aus der Papſtgeſchichte, beweiſt ſchon, was für ein reiches

Novellen⸗Zeitung.

und entſetzliches Material dieſer Stoff darbietet und wie er viel zu wenig im Publicum bekannt iſt, wäh rend er doch einen wichtigen Einblick in die katholi⸗ ſchen Kirchenzuſtände, zum Theil bis in die neueſte Zeit, gewährt. Es beweiſt aber auch, daß die Dar⸗ ſtellung dieſes oft entſetzlichen, von Unnatürlichkeiten und Verbrechen angehäuften Gegenſtandes große Vor⸗ ſicht und Gründlichkeit erfordert und mit Leidenſchafts⸗ loſigkeit vorgetragen werden muß, um einen edeln, moraliſchen Eindruck zu hinterlaſſen.

Uebrigens haben dieſe auf die ſittliche Entrüſtung des Volkes berechneten Myſterien des Vaticans be⸗ reits die dritte Auflage erlebt und ſind allen denen zu empfehlen, die ſich auf eine nicht ermüdende Art nur fragmentariſch unterrichten und anregen wollen.

Feuilleton.

Etwas vom ſicrilianiſchen Leben. Von Franz Löher.

Bekanntlich hat der genannte Schriftſteller, dem wir die trefflichen Bücher über Amerika verdanken, auf den Wunſch des verblichenen Königs Max eine Reiſe behufs literariſcher Ausbeute nach Italien gemacht. Wir werden ſpecieller auf deren Ergebniſſe zurückgehn und theilen hier vorläufig einige Blicke mit, die der Autor in den Volkscharakter von Sicilien thun läßt. Zu Ende April, ſagt Löher, war die blaue Luft bei Palermo voll von weißem Geflatter, die Knaben ließen in Menge ihre Drachen ſteigen. Die kleinen Palermitaner haben dafür beſtändig friſchen Luftzug, entweder weht es vom Meer zum Lande oder vom Land zum Meere. Sie ver⸗ gnügten ſich, an der langen Leine Boten hinauf zu ſchicken zum Drachen in der Höhe. Ein rundes Stück Papier wurde gemacht, ein Loch in der Mitte und die Leine durchgezogen; dann mußte der Wind das Papier an der Leine hinauftreiben. Gerade ſo machten wir es in meiner weſtphäliſchen Heimath, wenn wir im Herbſt auf grüner Haide, wo auch immer guter Wind war, unſereLuftvögel ſteigen ließen. Wir nannten unſere papiernen Boten, die an der Schnur hinaufflogen, Apoſtel, und ebenſo hießen ſie bei den Palermitaner Kna⸗ ben. So ähnlich ſind die Spiele der Kinder, und wie ver⸗ ſchieden bleibt doch der Eltern Thun und Trachten!

Ich war, weil in Sicilien die nahende Sommerhitze drohte, raſch an Neapel vorübergeeilt, hatte jedoch einen Blick gethan in ſein Straßengewühl. In Sicilien, dachte ich, geht es noch wilder, fremdartiger, afrikaniſcher her. Doch welch ein Abſtich! Größer, als wenn man aus Frank⸗ reich über den Canal ſchifft, aus dem Lande der kleinen ge⸗ ſchwätzigen Leute in die Heimath der langen ſoliden Englän⸗ der. Inſelvölker ſind einmal geiſtig friſcher und körperlich gefälliger, als ihre Nachbarn vom Feſtlande. Thut das der friſche Athem des Meeres allein, der ſie beſtändig umſpielt? Oder beſteht die Urſache nicht vielmehr in dem ſchönen Gleich⸗ gewicht von Meer, Luft und Land, und vor allem in dem

Trachten nach eigenem freien Weſen, welches das Wohnen auf der meerumgürteten, der ſelbſtſtändigen Inſel mit ſich bringt? Gewiß iſt Sicilien ein lebhafter Beleg dazu. Dem Fremden, der von Neapel kommt, erſcheint es wie ein Land voll ſchöner Menſchen, von feinem klugen Benehmen, mit Augen voll Geiſt und Verſtand. Auch Palermo hat Lärm, Volksgruppen und Schreihälſe genug; nirgends aber wälzt ſich durch ſeine Gaſſen das tobende Treiben, das manchen Ankömmling zu Neapel in ſtille Angſt verſetzt. Nirgends gewahrt man, wie dort, ſo viele Menſchen, welche ganz da⸗ nach ausſehen, als könnten ſie jeden Augenblick das letzte Stück Lumpen vom Leibe werfen und mit Juchhe wieder in den Naturſtand zurückſpringen. Im Gegentheil, das Stre⸗ ben nach einem guten Rock und ſchmucker Haltung blickt über⸗ all durch, und die Gebildeteren empfehlen ſich ſofort durch höfliches und ruhig geſittetes Weſen.

Gelb genug zeigt ſich das niedere Volk, ja nicht ſelten ſchwärzlich braun, dabei derb und kernig, heißköpfig und nach neuen Dingen begierig. Man ſieht es ihm an, daß ihm Kraft, Feuer und Wildheit im Weſen ſteckt. Dieſe Leute können ſich in Krieg und Aufſtand ſtürzen, wie man eine Hand umdreht, und ſie werden ſich nicht zufrieden geben, bis ſie ihren Willen haben, oder halb zerſchmettert ſind.

Es traf ſich, daß Palermo gerade ein kleines Kirchen⸗ feſt hatte. Der heilige Francisecus von Paula war am Sonntag vorher, an ſeinem großen Feſttag, in die Kathedrale gewandert; jetzt begab er ſich zu ſeiner eigenen kirchlichen Reſidenz zurück. Strahlend erhob ſich ſeine hohe rieſige Bildſäule von ſchimmerndem Silber, welche die große Straße hinunter kam. Tauſende gaben ihr das Ehrengeleite, die Häuſer waren geſchmückt, Luſt und Freude auf allen Geſich⸗ tern. Nichts Poſſenhaftes ließ ſich ſehen, gleichwohl war der Aufzug ohne Religion und Andacht. Die kirchliche Feier war eben ein Volksfeſt, das wild und lärmend begangen wurde. Vier Männer ſchritten voran in geiſtlichem Kleid

und ſchlugen ihre alten Trommeln, daß es ſchrecklich raſſelte.

enden Damen zzuſuchen. uiſfg A die dürre llaxpr⸗ ilianerinnen ſ gurunden. ut Vuamdlugr ſbön geſchwung, wenig, jedoch 1 twas darüber, ein Wahrzeiche könate die Ant Indeſſen nug zu betrach dig kleine Gruf ſchneidert und Nachbarin, die Stwätchen al Ertundigt ſch in kleines Ge kein Wort iſt! niſch findet ſi Gebehrde bleil Kommt halb neugierig irgend einem ein Vergnügen und iſt ganz wahrnimmt. Kunſt und Alt ſten lächeln; edlen zopfſtyl gade vorgeklebt ropa wacht ſich rum fliegt doc Länder? Vn Wahrſcheinit In ſinkenden Claſſen in d umnebelt ſie tragen.

In unſe Kefangen, ihr dauen und a Muſtern erfr Bn umgst rungen aus, Märchenſchtz und Ausbildun