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Gräßliche ſteigert ſich mehr und mehr, bis endlich das Schreckensdrama der Familie Borgia in Blutdurſt, Verrath, Schande und unbegreiflicher Zügelloſigkeit ſeiner eigenen Auflöſung verhängnißvoll und kläglich entgegengeht.
Alexander's Ende war etwa folgendes.
Zu den verſchiedenen Mitteln, durch welche er ſich Geld zu machen pflegte, da ſein Lebenswandel, Luxus und Kriegshandwerk, das beſonders Cäſar be⸗ trieb, Millionen verſchlang, gehörte hauptſächlich der Verkauf kirchlicher Aemter. Nun kam es aber nicht ſelten, daß ihm die Herren, welche er für Geld zu Biſchöfen, Erzbiſchöfen und Cardinälen befördert hatte, viel zu lange lebten, weil er beſagte Stellen gern abermals verkauft hätte, und daß er dann ſolchem Zu⸗ langeleben auf ſeine Weiſe durch Gift oder Dolch abzuhelfen wußte. Morde aller Art laſten zu Hun⸗ derten auf Alexander.
So wurde denn auch einſt zwiſchen ihm und ſei⸗ nem Sohne Cäſar verabredet, den Cardinal von Cor⸗ neto, ſo wie neun andere Cardinäle, welche ſämmt⸗ lich durch ihre Reichthümer bekannt waren, bei einem Abendeſſen zu vergiften, um hierdurch Gelegenheit zu bekommen, einmal die vacanten Stellen(ein Cardi⸗ nalshut koſtete 30,000 Ducaten) wieder zu verkaufen, und andrerſeits, wie es Alexander zu machen pflegte, im Namen der Kirche die Umgebrachten zu beerben.
Der Papſt erließ alſo die nöthigen Einladungen nach einem unweit vom Vatican gelegenen Weinberg. Die Arrangirung des kleinen ländlichen Feſtes aber übernahm Cäſar, welcher auch zugleich den vergifteten Wein zu beſorgen hatte.(Das Gift, das Cäſar bei den vielen Gräuelthaten, die er verübte, gewöhnlich anwandte, hieß zu jener Zeit„Cantarella“, war aber nach der Beſchreibung, die ein gleichzeitiger Schrift⸗ ſteller von demſelben giebt, ohne Zweifel nichts An⸗ deres, als weißer Arſenik. In vielen Fällen bediente ſich Cäſar auch des Schierlings und Akonits, jedoch nur dann, wenn der Tod erſt allmählich erfolgen ſollte.)
Damit nun der vergiftete Wein nicht mit dem andern Wein verwechſelt würde, ſchickte Cäſar einen vertrauten Diener mit dem Giftwein auf dan Wein⸗ berg und befahl ihm, denſelben an einen ſichern Platz zu ſtellen und zugleich darüber zu wachen, daß Nie⸗ mand davon zu trinken bekomme, als Diejenigen, welche er ſelbſt bezeichne. Der Diener gehorchte, brachte den Wein auf den Weinberg und ſtellte ihn beſonders. Als ihn aber der dienſtthuende päpſtliche Kellermeiſter befragte, warum denn dieſe Sorte Wein beſonders geſtellt werde, ſo erwiderte er lachend, das ſei ein Wein von ganz extraordinärer Güte und dürfte
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deßhalb nur den am meiſten geehrten Gäſten präſen⸗ tirt werden.
Gleich darauf kam der Papſt auf dem Weinberg an, etwas früher als die übrigen Gäſte, denn er hatte mit ſeinem Sohne Cäſar, den er auch zeitiger beſtellt, noch einiges Nöthige zu beſprechen. Nun wollte es jedoch das Verhängniß, daß Alexander VlI. ſein Amulet, eine geweihte Hoſtie in einer kleinen Kapſel, die er ſtets bei ſich trug, weil ihm prophezeit worden war, er werde nicht ſterben, ſo lange er ſie nicht von ſich thue, in ſeinen Gemächern im Vatican vergeſſen hatte. Deßhalb ſandte er den vertrauten Diener ſeines Sohnes, denſelben, welcher über den Giftwein zu wachen hatte, in den Vatican hinab, das Vergeſſene zu holen. Kaum war der Diener fort, ſo rief der Papſt ſeinen Kellermeiſter, frug ihn, ob Alles in Ordnung ſei, und wünſchte ſodann, da er ſich der drückenden Hitze wegen ungewöhnlich durſtig fühlte, einen Becher Weines zu trinken. Da der Kellermei⸗ ſter nicht anders glaubte, als die beſte Sorte ſei die, welche von dem vertrauten Diener Cäſar's zuletzt ge— bracht worden war, ſo füllte er eine Caraffe von die⸗ ſem Wein und ſtellte ſie auf die Bank, auf welcher Alexander Platz genommen hatte. Ohne irgend etwas zu ahnen, füllte ſich letzterer einen Becher voll und trank ihn in aller Haſt aus. In dieſem Augenblicke kam Cäſar an, und da er ebenfalls durſtig war, füllte er den Becher abermals und leerte ihn, wie ſein Va⸗ ter gethan hatte.
Eine Viertelſtunde ſpäter begann, nachdem die geladenen Gäſte gekommen waren, die Abendmahlzeit, allein ehe er noch einen Biſſen hinunterbringen konnte, wurde der Papſt von ſo außerordentlichen Leibſchmer⸗ zen ergriffen, daß er ſich wie ein Wurm krümmte und wie todt zur Erde fiel. Dieſelben Symptome zeig— ten ſich auch ſofort bei Cäſar Borgia, und man eilte natürlich, die beiden hohen Herren nach ihren Paläſten zu bringen. Die ſchnell herbeigerufenen Aerzte ſahen nun im Augenblick ein, daß hier eine Vergiftung vor⸗ liege, und reichten deßhalb die nöthigen Gegengifte. Allein die in den Wein gemiſchte Doſis war ſo ſtark geweſen, daß der Papſt, bei welchem kein Remedium mehr anſchlug, ſchon nach wenigen Tagen den Geiſt aufgab, während Cäſar bei ſeiner jüngeren und kräf⸗ tigeren Natur zwar dem Tode entging, aber nur erſt nach einem Siechthum von zehn Monaten nothdürftig wieder hergeſtellt wurde.
Nachdem Cäſar vom neugewählten Papſt, dem in der Kunſtgeſchichte ſo bekannten Julius II., einge⸗ kerkert wurde und ſpäter zu ſeinem Schwager, dem König Albret von Navarra, entfloh, ſtarb er dort ſchon nach acht Wochen durch eine feindliche Kugel


