Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
554
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zwei bereits ziemlich erwachſene Töchter beſaß, deren Reize ſich eben damals, als Roderich Borgia ihre Bekanntſchaft machte, zur ſüßeſten Blüthe zu entfal⸗ ten begann, und auf den neunzehnjährigen jungen Mann einen lockenden Eindruck machten. Hiervon ließ er ſich aber vor der Mutter natürlich nichts mer⸗ ken, ſondern wußte ſich im Gegentheil ſo gut zu ver⸗ ſtellen, daß Frau Vanozza, als ſie nicht lange hernach ſchwer krank wurde und ihren Tod herannahen fühlte, ihm teſtamentariſch die Aufſicht und Vormundſchaft über ihre Töchter übertrug. Vanozza ſtarb wirklich, und Roderich konnte nun ungehindert ſeiner Leiden⸗ ſchaft den Zügel ſchießen laſſen. Beide Mädchen wußte er in ſeine Netze zu ziehen, und obgleich die ältere Ehrgefühl genug hatte, ſich bald darauf in ein Kloſter zu begeben, ſcheute ſich doch die jüngere nicht, mit dem Liebhaber der Mutter in ein dauerndes Verhältniß zu treten.

Während der junge Borgia nun dieſes Leben in Venedig führte, wurde Alphonſo Borgia, der frü⸗ her ſchon angeführte Biſchof von Valencia, zum Papſt erwählt(er nannte ſich Calixt III.), und jetzt eilte natürlich Roderich ſo ſchnell er konnte nach Rom, um ſeinem Oheim zu gratuliren und ihn an das früher gegebene Verſprechen der Protection zu erin⸗ nern. Calixt nahm ihn ſehr wohlwollend auf, über⸗ trug ihm ſogleich, obwohl derſelbe erſt zweiundzwanzig Jahre zählte, eine Pfründe, welche 12,000 Ducaten eintrug, ernannte ihn ſpäter zum Erzbiſchof von Va⸗ lencia und gab ihm ſchließlich den Cardinalshut mit einem jährlichen Einkommen von 28,000 Ducaten. Dies geſchah alles in der kurzen Zeit von drei Jah⸗ ren; und man kann daraus ſehen, wie die Päpſte in jener Zeit mit der Ertheilung kirchlicher Würden um⸗ gingen.

Nachdem nun Roderich einmal Cardinal gewor⸗ den war, ging all ſein Streben dahin, zur oberſten kirchlichen Stufe, alſo zur Tiara ſelbſt zu gelangen, und um dieſen Zweck zu erreichen, verleugnete er ſeine ganze Natur und brachte es ſogar ſo weit, daß er vor der Welt den Schein der Tugendhaftigkeit erwarb. Allerdings ließ er ſeine Geliebte, welche einſtweilen in Venedig zurück geblieben war, ſchon kurze Zeit darauf ebenfalls nach Rom kommen, aber er nahm ſie keineswegs in ſeinen Palaſt auf, obwohl ihm die unſittliche Lebensweiſe der andern Cardinäle das Recht dazu gegeben hätte, ſondern wußte vielmehr

Novellen⸗

Zeitung.

lich Cardinal Rodrigo, und ſeine Beſuche konnten um ſo weniger auffallen, als er das Gerücht verbrei⸗ tete, der Graf von Caſtilien ſei ein naher Verwand⸗ ter des Hauſes Borgia. Roderich wurde bald Vice⸗ kanzler der römiſchen Kirche, und die fünf Kinder, welche ihm ſeine Geliebte ſchenkte, erzog er ihrem Stande gemäß, ohne ein Geldopfer zu ſparen. Unter ihnen befanden ſich der berühmte oder vielmehr be⸗ rüchtigte Cäſar Borgia und Lucretia Borgia.

Auf allen ſeinen vielen Reiſen, zu welchen ihn ſeine Stellung veranlaßte, ließ es Roderich an neuen Liebesverhältniſſen nicht fehlen. Doch erfuhr man hiervon nur wenig in Rom, es gelang vielmehr ſei⸗ ner Verſtellungskunſt, einen ſolchen Nimbus von Fröm⸗ migkeit um ſich zu verbreiten, daß die öffentliche Mei⸗ nung nach dem Tode Innocenz' VIII. ihn als den würdigſten und paſſendſten Candidaten für den neu⸗ zubeſetzenden Papſtſtuhl bezeichnete. Dazu kam noch, daß er weder Geld noch Verſprechungen ſparte, um die Mehrzahl der Cardinäle auf ſeine Seite zu brin⸗ gen, und überdies ſtellte er ſich ſo, als ob ſeine Ge⸗ ſundheit viel zu untergraben wäre, als daß er noch lange Zeit leben könnte. Das Endreſultat aller die⸗ ſer Machinationen war, daß er im Jahre 1492 am 11. Auguſt mit 22 gegen 5 Stimmen von den Car⸗ dinälen zum Papſt erwählt wurde, worüber das rö⸗ miſche Volk in einen allgemeinen Jubel ausbrach.

Nachdem Rodrigo ſeinen Namen in den Alexan⸗ der VI. verwandelt hatte, beſtand ſeine erſte Regie⸗ rungshandlung darin, daß er die Cardinäle, welche ihn an die ihnen vor ſeiner Wahl gemachten Ver⸗ ſprechungen zu erinnern ſo dreiſt waren, kurzweg ein⸗ kerkern und die hartnäckigſten von ihnen vergiften ließ. Hierdurch wurden die Andern zum Schweigen gebracht, und der neue Papſt durfte darauf rechnen, daß in Zukunft keiner dieſer hohen Würdenträger gegen irgend eine ſeiner Regierungshandlungen eine Einſprache erheben würde. Deßwegen lüftete er auch jetzt gänzlich den Schleier und zog ſeine fünf Kinder ohne weiteres an ſeinen Hof, indem er ſie zugleich öffentlich anerkannte. Sie erhielten alle unglaubliche Pfründen, und Cäſar Borgia wurde Erzbiſchof von Valencia.

Es folgt nun jene mehr oder weniger bekannte Reihe von Gräuelthaten, Vergiftungen, kriegeriſchen Räubereien, welche ſich in einer langen Kette der Laſter durch Alexander's ganzes Leben ziehen. Eben

einen armen ſpaniſchen Edelmann dahin zu bringen, ſo beginnen in Bezug auf das Verhältniß zwiſchen daß derſelbe die Rolle eines Scheingemahls der jungen Vater und Tochter, zwiſchen dem Papſt und der ſchö⸗ Vanozza übernahm und nun unter dem falſchen Na⸗ nen, allen Sünden ergebenen Lucretia, ſo fürchterliche

men eines Grafen von Caſtilien ein ziemlich anſehn⸗ liches Haus machte. Die Koſten übernahm natür⸗

Dinge, daß ſie ſich der Mittheilung ſelbſtverſtändlich entziehen. Aehnliches muß man von Cäſar ſagen; das

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