ſchmerz,
ta Bandh.
t. 1864.
n. Nö s ller nſchften unſerer d ihren Arbei⸗ ſten Namen zu eförmliche Ko⸗ net iſt, das In⸗ die Außenſeite usſprach, wird hen, ahnlich tsgärten nach Papierballons, aliſchem Feuer licht beleuchtet, bildet unterhal⸗ heutige Genera⸗
1s mehr; man⸗ eatraliſce Um⸗ „und durch zdie Phan⸗
10 enttäuſchter Wer ein pfh⸗
geben wil,
Vierte
nennt ſein Buch„hinter den Feigenblättern“, wie Bogumil Goltz, der weit davon entfernt iſt auf einen entſittlichten Leſerkreis zu ſpeculiren, und wer endlich Witz und Humor genug zu haben glaubt, um zur Erheiterung ſeiner Mitmenſchen beitragen zu können, giebt„Leuchtkugeln“,„Feuerräder“ und„literariſche Knallcigarren“ heraus.
So herrſcht ein maß⸗ und haltungsloſes Treiben, ein bäuriſcher Geſchmack, der ſich in Blau und Orange— gelb kleidet und dem nur noch eine Peitſche und Trompete fehlt, um ſich auf dem deutſchen Parnaß als Marktſchreier geriren zu können.
Die edele Einfachheit, welche ehedem Autoren zweiten und dritten Ranges aus Pietät vor einem gewiſſen Corporationsgeiſt der Schule feſtzuhalten pflegten, iſt aus der Mode gekommen. Man glaubt, ſte übe auf den materiellen Sinn des großen Publi⸗ cums keine Zugkraft mehr, und um ſo emſiger glaubt man dies, als man umgeht, jenen Geſchmacksſinn der Maſſe dadurch immer gemeiner zu machen, daß man ſeinen Launen huldigt. So kam man allgemein auf jene Gattung von Büchertiteln, die in ihrem ge⸗ ſchminkten Weſen zugleich den Charakter der Reclame in ſich tragen.
Auch das vorſtehende Werk hat dieſer Unſitte Tribut gezahlt, denn wir ſehen„Myſterien des Va⸗ ticans“ oder„die geheimen und offenen Sünden des Papſtthums“ vor uns.„Geſchichtsbilder aus dem Papſtthum“ oder dergleichen wäre wohl natürlicher geweſen, und Niemand würde ſich darüber gewundert haben, wenn der Verfaſſer auch dabei auf die Schand⸗ flecken der früheren und ſpäteren pontificalen Regie⸗ rung eingegangen wäre. Wenn man aber von„My⸗ ſterien“ und„geheimen Sünden“ etwas hören läßt,
ſo vermuthen gar Viele eine Chronique ſcandaleuſe,
und das iſt leider eine lockende Speiſe geworden.
Uebrigens kann man dem Verfaſſer gar nicht nachſagen, dieſe Richtung mit obſcöner Induſtrie aus⸗ genutzt zu haben.
Ohne eine gründliche Geſchichte der Päpſte zu geben, wie wir ſie ja bereits ganz vorzüglich durch Ranke beſitzen, iſt hier mehr darnach getrachtet, für das größere Publicum die intereſſanteren Partien aus dieſer reichen Materie herauszuheben und dem Laien einen Begriff von dem Charakter und der Re⸗ gierungsweiſe der Stellvertreter Petri zu geben.
Es wird nicht in Abrede geſtellt werden, daß ſolche Populariſirungen der Geſchichte einen Werth haben und zur Verbeitung der Kenntniſſe beitragen. Wenn ich Ihnen hier aber einige der hervorſtechend⸗ ſten Punkte über die berühmte Familie Borgia mit⸗ theile, ſo werden Sie dem Wunſche beipflichten, daß
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in ſolchen für das Volk beſtimmten Büchern der Ton etwas gewählter gehalten ſein ſollte, um im Vortrag und in der Ausdrucksweiſe ein bildendes Beiſpiel zu geben, ſtatt durch eine gewöhnliche Redefärbung den beſſern Geſchmack zu beängſtigen. Es iſt nothwendig, hier die Vorlage in gemilderter Weiſe zu benutzen:
„Ich komme jetzt auf einen Papſt zu ſprechen, der nicht blos alle Vorgänger an Abſcheulichkeit über⸗ traf, ſondern auch im Einzelnen wie im Ganzen als die größte Schandſäule des Pontificats, als der nie⸗ derzüchtigſte und verrufenſte aller Päpſte, ja, weil äußerlich ein Mann von großen geiſtigen Gaben, als das verworfenſte Ungeheuer, welches je auf der Welt exiſtirte, bezeichnet werden muß.(Ganz ein⸗ verſtanden mit dieſer moraliſchen Meinung, aber dieſe Sprache erinnert denn doch an Niemeyer's„Helden⸗ buch“ oder ähnliche Producte.)
Jener Papſt war Alexander VI., welcher am 11. Aug. 1492 nach dem Tode Innocenz den Thron beſtieg. Von Hauſe aus hieß Alexander VI. eigent⸗ lich Roderich Borgia und gehörte einem zwar armen, aber alten Adelsgeſchlechte an, das urſprünglich ſeinen Sitz in Valencia hatte und unter dem Namen Lan⸗ golo bekannt war. Um ſein Glück zu machen, zog Roderich's Vater nach Venedig und verwandelte ſofort aus bisher nicht bekannten Gründen ſeinen Familien⸗ namen Langolo in den von Borgia, welcher durch Alexander VI. ſo ungewöhnlich berühmt werden ſollte.
Der junge Roderich ſtudirte zuerſt Rechtswiſſen⸗ ſchaft, ging dann aber zum Soldatenhandwerk über und lebte nun, wie junge Officiere zu leben gewohnt ſind. Bald wurde er in ganz Venedig wegen ſeiner vielen Liebesabenteuer bekannt, und auch ſeine übri⸗ gen tollen Streiche ließen nichts zu wünſchen übrig. Deſſenungeachtet trat er nach kurzer Zeit aus dem Militärdienſt aus, um den Prieſterrock anzuziehen, denn er ſah wohl ein, daß er es in dieſem Stande weiter bringen könnte, als in dem erſteren, da ihm ein Oheim, welcher die Würde eines Biſchofs von Valencia bekleidete, ſeine beſondere Protection zuge⸗ ſichert hatte. Von ſelbſt verſteht es ſich übrigens, daß er auch als Prieſter ſeine frühere Lebensweiſe nicht änderte; nur trieb er das, was er ſonſt offen vor aller Welt gethan, nunmehr, weunn auch nicht gerade heimlich, ſo doch halbverdeckt und verſchleiert. Nun gehörte unter die Damen ſeiner näheren Be⸗ kanntſchaft auch eine junge Witwe, mit Namen Anna Vanozza, und dieſe wußte er durch ſein einſchmeicheln— des Weſen ſo ſehr zu gewinnen, daß ſie Ehre und Vermögen an ihn wagte. Sie ward als ſehr ſchön geſchildert, ſcheint jedoch nicht mehr in der erſten Blüthe der Jugend geſtanden zu haben, indem ſie


