Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
552
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lag ihr ſehr nahe, denn in ihrem Herzen wuchs die Liebe zu Walther von Tag zu Tag und erreichte end⸗ lich eine ſolche Höhe, daß ſie trotz der Bitten der Mutter zu dem Entſchluſſe zurückkam, Barthel unter keiner Bedingung zu heirathen. Ueberdies war Bar⸗ thel nicht nur in ihrem Anſehen gänzlich geſunken, ſondern ſowohl der Umſtand, daß er gebunden geſehen worden war, als auch die offenbar ungerechte Art, mit der ſein Oheim den Verwalter behandelt hatte, waren ſeinem Anſehen im Dorfe äußerſt nachtheilig. Er

ſah ſich zurückgeſetzt, und dies brachte ihn in eine

düſtere Stimmung hinein, aus der er ſich zunächſt nur durch eine nachdrückliche Rache an Walther heraus⸗ reißen wollte.

Es kam ganz darauf an, wie die Behörde die gehäſſigen Deutungen der Reden Walther's und des

Paſtors aufnehmen würde.(Portſetzung folgt.)

Gedichte von Karl Koth.

Frühlingslied.

Die Luft iſt ſo lau

Und der Himmel ſo blau,

Die Blumen blühen ſo bunt auf der Au; O Welt, wie biſt du ſo ſonnig!

Die Bächlein ziehn

Durch's Wieſengrün

So heiter und munter zum Meere dahin; O Frühling, wie biſt du ſo wonnig!

Zum Tempel haſt du verwandelt die Welt,

Wo lautere Freude ſich einaeſtellt.

Manch junges Blut

Zieht wohlgemuth,

Waldeinwärts gewandt, ein Reis auf dem Hut, Durch die Welt ſo jugendlich heiter;

Und über ihm ſchwingt

Sich die Lerche und ſingt

Ihr Lied, das hinauf zum Himmel dringt Auf der Freude Jakobsleiter.

Wie dehnt ſich die Bruſt, ich ſteige hinauf,

Die Pforten des Himmels, ſie thun ſich mir auf!

Novellen⸗Zeitung.

Das Letzte.

Das Letzte! welche Zaubermacht Schließt nicht dies Wörtchen ein;

Es glimmt durch des Vergeſſens Nacht Wie heil'ger Lampenſchein.

War's eine Roſ', die zum Ade

Der Sommer mir gereicht?

Die Letzte war's, drum ſüßes Weh Die Seele ſtill beſchleicht.

Ein Lächeln nur beim Abſchiedsſchmerz, Das um den Mund ſich ſtahl;

Es kam vom Herz und ging zum Herz Es war das letzte Mal.

Vielleicht ein Blick ein letzter Blick, Zu Worten war nicht Zeit;

Doch ließ er eine Spur zurück

Für alle Ewigkeit.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Myſterien des Vaticans. Von Theodor Grieſinger. Stuttgart, bei Kröner. 1864.

Vielfach werden Sie bemerkt haben, daß es aller⸗ dings nicht zu den angenehmen Eigenſchaften unſerer modernen Literatur gehört, fortwährend ihren Arbei⸗ ten den effectvollſten und manierirteſten Namen zu geben und mit den Büchertiteln eine förmliche Ko⸗ ketterie zu treiben,, die darauf berechnet iſt, das In⸗ tereſſe des Publicums ſchon durch die Außenſeite eines Buches zu feſſeln. 3

Was man ehedem unbefangen ausſprach, wird jetzt durch ein pikantes Schlagwort gegeben, ähnlich wie man die öffentlichen Geſellſchaftsgärten nach neuem Brauch am liebſten mit bunten Papierballons, prismatiſchen Lichtreflexen und bengaliſchem Feuer ſtatt mit dem ruhig geſelligen Lampenlicht beleuchtet, bei dem ſich unſere Eltern ebenſo gebildet unterhal ten und gut amüſirt haben, als die heutige Genera⸗ tion.Vergnügte Abende ſind nichts mehr; man wünſcht mehr Steigerung und eine theatraliſche Um⸗ hüllung der an ſich immer gleichen Sache, und durch den Namen eineritalieniſchen Nacht muß die Phan⸗ taſie gereizt werden, um nachher deſto enttäuſchter und ſchaler nach Hauſe zu ſchleichen. Wer ein pſy⸗ chologiſches Werk ſchreibt und Aufſchlüſſe aus den verborgenen Falten der Menſchenſeele geben will,

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