Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
551
Einzelbild herunterladen

d. a nnerdeh leiſer Illd ſchelte, wot 1 elte, weil nlaß gegeben Unen, mit dem pPee, wie wenig e lindiſch ware t der mder Iurſchen gen dusgeſtoßen, Roſel nicht Jauz

f ſich an das kinend, daß ſie eber wolle ſie dre Liebe zum ſer am ſ und

ja gar nicht die aber nur den

anfangen. Sie

zu ergeben und a der Einzige,

fen könne. e Mutter, nicht Du würdeſt es es beim Vater

Füßen treten.

rſprach ſich zu ille lagerte ſich

1rd geſprochen, es ſein Werk; leiſe Abwehr eichen des kief ter und Kind.

ler!

Vierte

Mit dem richtigen Inſtinct des Mutterherzens wußte die gute Alte recht wohl, wie ſie den nagen den Schmerz, der ſich über das friſche Weſen der Toch⸗ ter zu verbreiten drohte, unmerklich doch ſicher linderte. Aber wenn Roſel allein war, dann brach das Weh mit doppelter Gewalt hervor. Das fühlte ſie, als ſie gegen Abend in den Garten ging. So traurig hatte ſie noch nie in's Abendroth geſchaut als heute, und wie ſie ſich bückte, um ein Veilchen unter dem reif⸗ bedeckten Laube hervorzuziehen, da fielen heiße Thrä⸗ nen auf die kalte Erde. Sie richtete ſich aber ſchnell empor und trocknete ſich die Augen, denn ſie hörte etwas hinter dem Zaune raſcheln. Die alte Roſe⸗ marie war's. Sie war der Roſel gut wie ihrem eig⸗ nen Kinde und papelte gern ein Weilchen mit ihr auf den Raub über den Zaun hin, wenn's auch nur war, um ihr einen guten Abend zu wünſchen und ſie zu ſegnen.

Heute konnte die wunderliche Alte vor lauter Geſten und prophetiſchen Ausrufungen kaum zum Anfange kommen. Es ſei eine Sünde und Schande! den hübſchen Verwalter vom Vorwerk und dabei ſah ſie Roſel an wie die intimſte Vertraute aller Herzensgeheimniſſe habe der Richter, den der Böſe noch holen werde, geſtern Nacht in die Kammer des

Spritzenhauſes ſperren laſſen, und der große Barthel

ſei mit bis vor die Thür gegangen und habe hinein⸗ gerufen, er ſolle ſich's auf der Pritſche bequem machen oder in ein Rattenneſt kriechen, wenn's ihm zu hart wäre. Der Nachtwächter habe Alles mit angeſehen und an⸗ gehört. Heute früh habe der arme Menſch, der Ver⸗ walter, über Bruſtſchmerz geklagt, als ſie ihm die Waſſer⸗ ſuppe gebracht hätten; das ſei ſicherlich von dem Schlage, den ihm der große Barthel verſetzt habe. Dann ſeien der Gensdarm, der Richter und der Barthel gekommen

und hätten ihn nach der Stadt in's Amt geführt.

O, das ſei eine böſe Geſchichte! der Nachtwächter habe es ihr ganz klar auseinander geſetzt. Der Rich⸗ ter habe ein großes Schreiben in's Amt mitgenom⸗ men. Drinnen ſtehe, daß der Verwalter ein Wüh⸗ ler ſei, der die Armen gegen die Reichen, zum Exem⸗ pel die Knechte gegen Barthel aufhetze. Er habe ja auch in ſeiner Rede auf dem Tanzboden geſagt, der König ſei ein Tyrann, wir andern aber ſeien alle gleich und müßten alle frei ſein.Und, ſetzte Roſe⸗ marie hinzu,auch unſer guter Pfarrer iſt in dem Briefe angeklagt worden. Er ſoll auf der Kanzel ge⸗ ſagt habe, wir wären bis jetzt alle Sclaven geweſe, aber wir ſollten alle frei werde und das gelobte Land, nämlich Republik habe.

Roſel ſtand ſtaunend vor dieſen Anklagen, die

ihr ſo fremd, ſo abenteuerlich klangen, daß ſie dieſel⸗

V

Folge. 551

ben anfangs kaum zu faſſen vermochte, aber ſie war unerſchütterlich feſt von der Unſchuld der Angeklagten überzeugt.

Die Roſemarie meinte auch zu wiſſen, woher der Wind komme. Sie wollte drauf ſchwören, daß dies Alles teufliſcher Lug und Trug ſei. Heute früh ſei ihr Wilhelm durch's Dorf gegangen und wie er an des Richters Zaun gekommen, habe er zum Fenſter hineingeguckt, wie er es immer mache, der Schelm, und der Richter habe am Tiſch geſeſſen und ſei zu ſammengefahren wie immer, wenn er den Wilhelm ſehe. Aber am Tiſche habe auch der Barthel geſeſſen, beide Arme auf den Tiſch geſtemmt und die Beine hinter die Stuhlbeine geklemmmt, aber mit dem Rücken gegen das Fenſter gekehrt, und oben am Tiſche habe der dicke Paſtor von Kleefeld geſeſſen im Lehnſtuhl, gerade als wenn er eine Predigt einſtudire, ſo habe er den Zeigefinger an die Naſe geſtemmt; zwiſchen ihm und dem Richter aber habe Herr von Gordo ge⸗ ſeſſen und auf einen Bogen eifrig geſchrieben. Nun wiſſe man doch ganz deutlich, wie Alles zuſammen⸗ hänge. Damit ging Roſemarie.

Sie hatte nicht ganz Unrecht, die Alte. Wirklich ward der Richter von allen Seiten beeinflußt undſo ener⸗ giſch er that, ſo ſchwach war er auch. Dazu kam, daß der Richter den Verwalter haßte, denn ſeine Felder, welche an die des Vorwerks grenzten, ſahen ſo dürftig aus im Vergleich mit denen, die der Verwalter bewirth⸗ ſchaftete, und dieſer rügte ſo energiſch die geringſte Ge⸗ bietsverletzung, daß der Richter den jungen Mann nicht erſehen konnte. Politiſche Ueberzeugungen hatte er nicht; man müßte denn eine gewiſſe Anhänglichkeit an den Adel der Umgegend dafür nehmen, durch deſſen Befürwor⸗ tung er hauptſächlich Richter geworden war. Es gab in der That Leute unter ſeinen Gönnern, die in ihm ſehr gern den zähen Vertreter des Schlendrians und der Rohheit ſahen. Daher glaubte er dadurch, daß er in dem Verwalter und dem Paſtor plötzlich republi⸗ kaniſche Wühler witterte, die Wichtigkeit ſeiner Per⸗ ſon nicht wenig zu vermehren. Herr von Gordo und der Paſtor von Kleefeld beſtärkten ihn darin.

Auf Roſel machte die Gefangennehmung Wal ther's mehr einen erhebenden als einen niederſchlagen⸗ den Eindruck. Sie ſah in ihm nicht nur den unſchul dig Verfolgten, ſie ſah in ihm den Märtyrer der Liebe. Um ihretwillen litt er, und ſein Kampf gegen Barthel ward in ihren Augen ein heiliger. Sie fand über⸗ dies eine überraſchende Aehnlichkeit in ihrem und Walther's Schickſale. War ſie nicht auch die un ſchuldig Geopferte? Sie hatte ordentlich Sehnſucht auch für Walther zu leiden, wie er für ſie litt.

Und wahrlich, dieſes Märtyrerthum der Liebe