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darm mit Walther Halt vor aber ruhig ſprach der Paſtor:
„Gott ſei Dank, Walther, daß Sie leben. Nach dem, was mir Wilhelm andeutete, fürchtete ich Sie nicht mehr unter den Lebenden zu finden. Aber wie? Gefangen? Richter, für den bürg' ich!“
„Nicht nöthig,“ ſagte mürriſch der Richter,„wir wiſſen ſchon, was wir zu thun haben. Er muß nicht Streit anfangen und loſe Reden führen!“
„Mit wem hat er geſtritten? Mit Barthel?“
„Kann ſein. Das fragt der Amtmann.“
„O Richter, ich kenne Euren Trotz. Aber hütet Euch, und Euer Neffe mag ſich hüten. Wißt Ihr, woher ich komme? Vom Sterbebette der armen Liſe. Ich habe den Fluch, den ſie ſterbend Barthel nach⸗ ſandte, nicht in Segen verwandeln können!“
Das Stöhnen eines geheimen Entſetzens durch den Saal.
„Hütet Euch, Paſtor!“ ſchrie trotzig der Richter, „Ihr habt Euch nicht mit dem Prieſtermantel auf dem Tanzboden umherzutreiben. Aber Ihr und der Ver⸗ walter ſeid Republikaner und wollt das Dorf auf⸗ wiegeln. Man hat's gehört in Eurer Predigt, und der Vahwalter hier hat's vorhin gerade herausgeſagt. Gensdarm, den hier ſchaffen wir morgen in's Amt, und der Paſtor wird weiter hören. Fort in's Loch jetzt!“
ihm. Ernſt und lant,
lief
Damit führte er trotzig ſeinen Gefangenen von dannen.
Wir kehren zu Roſel zurück. Ihr Erwachen am dritten Oſterfeiertage war kein beſonders fröhliches.
Schwere Träume hatten ſie gequält in dem kur⸗ zen Schlummer, den ſie erſt gegen Morgen hatte fin⸗ den können, und jetzt ſtürmten alle die ſchrecklichen Gedanken in ihrer Seele empor, mit denen ſie die halbe Nacht gerungen hatte. Draußen aber war es düſter und unfreundlich wie in ihrer Seele. Schnee⸗ wolken zogen am Himmel hin, und der Wind ſauſte heulend durch die Schlüppe zwiſchen der Scheune und den Ställen. Was macht der Verwalter? Dieſer Ge⸗ danke überfiel ſie immer von neuem mit unendlicher Bangigkeit. Sie hatte den Armen mitten im Kampfe mit ſeinen Feinden verlaſſen und wußte bis jetzt nichts Genaueres über ſein weiteres Schickſal. Man hatte ſie ſelbſt faſt ohnmächtig in's Haus zurückgebracht und ſogleich in ihrem Schlafkämmerchen zu Bett gelegt. Aus dem Geſpräche der Mutter und der Weiber hatte ſie dunkle Andeutungen aufgefangen, aber beſtimmt nach Walther's Schickſal zu fragen, hatte ſie ſich doch geſchämt. Die Theilnahme für den Mann, der ihret⸗ wegen allein ſich in große Gefahr begeben hatte, er⸗
ſterben.
Novellen⸗Zeitung
griff ſie mit unwiderſtehlicher Gewalt, daß ſie oft die Hände auf ihr Herz legen mußte, weil die Angſt ihre Bruſt wie ein Alp drückte. In dem Maße aber, in dem ihre Liebe zu Walther wuchs, empfand ſie auch Abſcheu vor Barthel. Seit dem geſtrigen Abende konnte ſie den wilden Geſellen nicht mehr leiden. Hatte er ſie nicht gemißhandelt? Hatte er ſich nicht wie ein wildes Thier auf ſeinen Gegner geſtürzt? O, und ſtand er nicht in ſeinem ganzen Weſen tief, ſehr tief unter dem Verwalter? Wie edel, wie herrlich war ihr dieſer erſchienen!
Endlich kam die Mutter in ihre Kammer, um nach ihr zu ſehen. Die arme alte Frau ſah recht bekümmert aus. Sie erzählte mit zitternder, leiſer Stimme, wie der Vater unten lärme und ſchelte, weil Roſel geſtern Abend zu dem Scandal Anlaß gegeben habe. Wie hätte ſie es nur wagen können, mit dem Verwalter zu tanzen, da ſie doch wüßte, wie wenig Barthel dieſen leiden könnte, und wie kindiſch wäre ſie geweſen, daß ſie ſich in den Streit der Burſchen gemiſcht hätte! Er habe wilde Drohungen ausgeſtoßen, die er ſicher ausführen werde, wenn Roſel nicht ganz gut thue mit Barthel.
Das arme geängſtigte Kind warf ſich an das Herz der Mutter und geſtand ihr weinend, daß ſie den Barthel nicht nehmen könne; lieber wolle ſie Die Mutter errieth ſogleich ihre Liebe zum Verwalter, und ſtellte ihr vor, daß dieſer arm ſei und ſie nicht glücklich machen könne.
„Ach nein,“ rief Roſel,„es iſt ja gar nicht die Rede von einer Hochzeit mit dem da, aber nur den Barthel nicht, nur den nicht!“
Die alte Frau wußte nicht, was anfangen. Sie redete Roſel zu ſich in ihr Schickſal zu ergeben und dem Vater zu folgen; der Barthel ſei ja der Einzige, der ihm aus ſeinen Schulden heraushelfen könne. Sie beſchwor die Tochter, ſie, die alte Mutter, nicht an den Bettelſtab zu bringen.„Und Du würdeſt es ſehen,“ fügte ſie hinzu,„wir könnten es beim Vater nicht aushalten; er würde uns mit Füßen treten. Es iſt ja ſo ſchon Elend im Hauſe.“
Was blieb Roſel übrig? Sie verſprach ſich zu fügen, aber Todtenbläſſe und Grabesſtille lagerte ſich auf das ſonſt ſo ſonnige Geſichtchen.
Eins that ihr recht wohl: daß ſie der Mutter ihr Herz offenbart hatte. In der Küche, im Stalle, im Garten machte dieſe ſich in zärtlicher Bekümmer⸗ niß neben ihr zu thun. Kein Wort ward geſprochen, kein Seufzer ward gehört, ſtill that jedes ſein Werk; aber jeder Blick, jede Handreichung, jede leiſe Abwehr fremder Neugier war ein wohlthuendes Zeichen des tief⸗ innerſten Einverſtändniſſes zwiſchen Mutter und Kind.
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