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ten Bauern gähnten und nickten ein oder ſie ſtier⸗ ten ihn ſo gleichgültig an, daß er allen Muth verlor fortzufahren. Nur Walther nahm jedes ſeiner Worte mit der vollen Aufmerkſamkeit und Theilnahme eines edlen Geiſtes auf. Da ward es Bürgern allmählich zu Muthe, als ob der Verwalter ſein einziger Zu⸗ hörer ſei, und unwillkürlich ſprach er nur zu ihm, alle die Andern vergeſſend, die noch außer ihm in der Kirche waren. Ohne daß er es ſelbſt merkte, kam er ab von dem Faden, den er ſich vorgezeichnet hatte; es drängte ihn ſeinen Kummer, ſein Sehnen und Stre⸗ ben vor dem Einen darzulegen, damit er nur Einen
gewinne, der ihm beiſtehe in der Verbreitung der
Sittlichkeit und Bildung. Er ſchilderte begeiſtert den Geiſtesfrühling, der die Seelen der erſten Chriſten erfüllt haben müßte; er ließ die hohen Ziele des Chriſtenthums, Wahrheit und Liebe, hellleuchtend her⸗ aufſteigen; er bezeichnete das deutſche Volk als das⸗ jenige, das am meiſten befähigt ſei, den tiefſten Sinn des Chriſtenthums zu faſſen, und den Beruf habe, Bildung und Sittlichkeit am reinſten zu vertreten und zu verbreiten.
„Noch fern ſind wir vom Ziele,“ ſchloß er.„Wir
ſcheinen uns weiter und weiter davon zu entfernen. O, Ihr wenigen befreundeten Seelen, deren Herz noch nicht verrindet und verkruſtet iſt, die Ihr noch fühlt den Odem der gewaltigen Mahnung, ich reiche Euch die Hand hinüber über die todten, eiskalten Schläfer. Grauenhaft kalt wie Mumien ſitzen ſie da. Sie füh⸗ len Nichts, ob auch ein warmes, hochklopfendes Herz ihnen entgegenwallt, ſie bleiben ſtarr und ſtier mitten im Strome der ewigen Begeiſterung. Aber haltet treu zuſammen, Ihr jungen, edlen Seelen, und wo Ihr ein junges, he Herz findet, das zieht herein in Euren heiligen Bund. Laſſet die alten Götzendiener ſterben in der Wüſte, denn wir werden ſie doch nimmer gewinnen für das neue Leben. Euer iſt das gelobte Land, Euer die Freiheit, die Freiheit der Bildung und Sittlichkeit! Amen.“
Der Verwalter verſtand wohl, was Paſtor Bür⸗ ger meinte, und war tief ergriffen. Aber noch ein anderes Augenpaar hatte mit heißer Andacht an der Kanzel gehangen: die Augen Roſaliens.
Paſtor Bürger hatte es wohl bemerkt. fühlte den Sinn der Worte ihres Lehrers mehr, als ſie ihn verſtand; auch ſie ſuchte in der letzten begei⸗ ſterten Wendung der Rede eine Deutung der Räthſel ihres eignen Lebens. Wunderbar! dieſe drei Men⸗ ſchen ſchloſſen in dieſer Stunde einen innigen, heili⸗ gen Bund, ohne es zu wiſſen. Sie reichten ſich nicht die Hand, ſie ſchwuren keinen Schwur, aber ſie feſtig⸗ ten ſich im Glauben an einander. Als Roſalie
Roſalie V
aus
Novellen⸗ZJeitung.
der Kirche trat, ging Walthet ernſt und ſtill an ihr vorüber. In dem Augenblicke, da er hart an ihrer Seite hinging, fiel ein Veilchen aus ihrem Strauße auf ſein Geſangbuch. Er hob es auf und legte es in das Buch. Tief erröthend ging Roſel nach Hauſe, aber am Thorwege ſchaute ſie ſich noch einmal um und ſah, wie Walther durch den Pfarrhof dem Fluſſe zuſchritt. Hinter den Kirchgängern her ſchlenderte (Herr von Gordo. Er hatte an der Thür gelehnt und den letzten Theil der Predigt mit angehört. Auch der Schmied war in der Kirche geweſen. Der Abend kam. Von der Schenke her erklang ſchon die Muſik, und die Mädchen eilten, das Vieh zu beſchicken, um nicht mehr Tänze zu verſäumen als unumgänglich nöthig war. Nur Roſalie hatte keine Luſt zu tanzen. In ihrer Bruſt war ein Ringen und Preſſen, von dem ſie ſich nicht deutlich Rechenſchaft zu geben vermochte; am liebſten wäre ſie doch zu Hauſe geblieben. Aber Barthel kam ſie abzuholen. Es durchlief ſie eiskalt, als ſie ihm die Hand zum Willkommen reichen mußte, und ſie ſchützte Kopfweh vor, um nur heute allein bleiben zu können. Aber was half's? Der Vater nannte ſie ein Gänschen und ſchalt ihre Weigerung Ziererei. So ging ſie mit ſchwerem Herzen. Ach, es war ihr, als würde ſie durch weite wüſte Gegenden fortgeriſſen, wie ſie ſo dem gefürchteten künftigen Gatten nachtrippelte, der mit weiten Schritten dem Tummelplatze wilder Luſt entgegeneilte. Wie ſchlug ihr das Herz bei dem er⸗ ſten Schritte, den ſie in das lärmende Gewühl des V Tanzbodens hineinthat! 5
„Der Barthel und ſein Schatz!“ rief es von allen Seiten, und ein wildes Halloh übertönte die Muſik. Die Roſel zupfte eine Freundin am Rocke, daß dieſe vor ſie treten möchte, aber ſchon fühlte ſie ſich barſch von Barthel umfaßt, angedrückt und herum⸗ gedreht in wilden Sprüngen.
Barthel war ſtolz auf Roſel. Er hielt nicht das reichſte Mädchen am Arme, aber das ſchönſte und beſte, das Mädchen, um welches ihn alle beneideten; das wußte er. Roſel dagegen ward immer trauriger und angſtlicher. Sonſt hatte die Muſik, das Licht und das Wogen des Tanzes auf ihr reizbares Ge⸗ müth immer eine entzückende Wirkung ausgeübt, jetzt ſchnürte ihr alles dies das Herz zuſammen und preßte Thränen aus ihren Augen; faſt hielt ſie ſelbſt dieſe Beklemmung für das Vorzeichen einer ſchweren Krank⸗ heit. Ein Glück war es für ſie, daß ſie ſich von Vantheln in den Pauſen des Tanzes nur wenig be⸗ achtet wußte. Er hätte dies für nachtheilig ſeiner Ehre
gehalten, ſie ſollte dann ſtill dort ſitzen und ſeiner har⸗
ren. Er trat unterdeß mit ſeinen Spießgeſellen an den
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