Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
545
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Vierte Folge.

2. e, uura

Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

Gine MWochenchronik ſür Titerntur, Aunst,

Leipzig, am 26. Auguſt 1864.

II. Jahrgang.

ſchöne Tliſſenſchaften und Geſellſchaft.

Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.

Von Oſtern bis Pfingſten.

Eine Dorfgeſchichte von Franz Pfalz. (Fortſetzung.)

Es war nicht nothwendig, daß Roſel am zweiten Feiertage wieder in die Kirche ging; ja, ſie hätte eigentlich der Mutter der Vorrang laſſen und die Küche beſorgen ſollen. Ebenſo wenig forderte es der fromme Gebrauch von Walther noch eine Predigt zu hören. Daß ſie gingen, war ein freier Entſchluß, dem tiefſten Drange der Seele entſproſſen. Roſel mußte ihr gepreßtes Herz ausſtrömen laſſen in Gebet und Geſang, und Walther wollte, daß heute gerade eine beſondere Weihe über ihn komme, damit nichts Gemeines in ſein Thun ſich miſche. Es ward ihm recht heimiſch zu Muthe, als er Roſalien mitten im Schiff der Kirche erblickte, aber er hätte jauchzen mögen vor Seligkeit, als ſie ihr großes ſchönes Auge

zu ihm aufſchlug und eine Secunde lang in ſeinem Blicke ruhen ließ. Und Paſtor Bürger freute ſich auch recht, als er von der Kanzel herab Walther ſich gerade gegenüber ſah. Er begann. Recht einfach, recht für der Bauern Verſtändniß, aber würdig und herzlich ſprach er im Eingang über die Weihe, die zugleich die Natur über das Auferſtehungsfeſt aus⸗ breite. Er ſchilderte das Erwachen der Natur im Frühlinge, das Auferſtehen der Pflanzen⸗ und Thier⸗ welt zu einem neuenLeben. Er bezeichnete die Wir⸗ kung, die dieſes Aufleben der Natur auf jeden guten Menſchen ausüben müſſe, als eine Erfriſchung des Herzens, als eine Reinigung des Gemüths und als eine Erhebung zu guten Entſchließungen. Dann ging er zu ſeinem Thema über: das Oſterfeſt müſſe ein Auferſtehungsfeſt ſein für unſer ſittliches Leben. Nach dem Kanzelverſe führte er dies weiter aus, dem Texte gemäß. Er bezog ſich dabei vielfach auf örtliche Ver⸗ hältniſſe und ſprach wiederholt die Mahnung aus, im Namen des Auferſtandenen von der alten Rohheit abzulaſſen. Aber wie herzlich er auch ſprach, die al⸗