Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
541
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ſonders durch ſeine zahlreichen kleinen Charakterſiguren feſſelt. Auch hatten wir ja hinreichende Muße, die Sehenswürdig⸗ keiten von Holyrood zu betrachten.

Man führte uns zuerſt in einen großen Saal, der noch jetzt ſeine praktiſche Verwendung findet, und deſſen Wände mit mehr denn 100 Bildniſſen ſchottiſcher Fürſten geſchmückt ſind. Natürlich ſchenkte ich dem Portrait Mariens meine vorzügliche Aufmerkſamkeit. ſich wohl in dem Geſichte dieſes unglücklichen Weibes von all dem herausleſen ließe, was ein Burleigh und eine Eliſa⸗ beth ihr zur Laſt legte, oder was einen Mortimer und unzäh⸗ lige Andere für ſie bis zum Wahnſinn begeiſterte. Nicht blos in dieſem Raume trat mir das Bildniß dieſer Stuart vor Augen; ich fand es auch ſonſt, u. A. in der National⸗ galerie, die ich an dem einen Abend bei Gasbeleuchtung be⸗ ſuchte. Ein freies offenes, echt weibliches Antlitz viel⸗ leicht deutete der Mund auf einen ſtärkeren Grad von Sitt⸗ lichkeit erkannte ich überall wieder. Und nun ging es in jene Zimmer und Cabinetchen, welche Zeuge von ſtillem harmloſem Vergnügen und emſiger Frauenarbeit, aber auch von herzzerreißenden blutigen Auftritten waren. Die Reli⸗ quienwuth des Zeitalters hat auch hier ihre Stätte gefunden. Tapeten, Bettgeſtelle, Armſtuhl ja ſogar weibliche Arbei ten aus den zarten königlichen Händen hervorgegangen(2) wurden uns als ſolche alterthümliche Koſtbarkeiten ge⸗ zeigt. Und wenn man in Luther's Zelle auf der Wartburg noch jenen berühmten Tintenfleck als authentiſch bezeichnet, warum nicht auch hier einen Blutfleck von dem zu Tode ge troffenen Rizzio, der aus 56 Wunden von Darnley's Genoſ⸗ ſen geſchlagen blutete. Auch Mary's Empfangzimmer be⸗ traten wir, wo ſie jene erſchütternden wuchtigen Strafpredig⸗ ten des John Kneox gleich Dolchſtichen ertragen mußte. Alle dieſe Cabinete erſchienen recht winzig gegen jene weiten hal⸗ lenartigen Gemächer, in denen heut zu Tage ſich hohe Für ſtinnen ſei es im Boudoir das Haar flechten und Toilette

machen oder von den Cavalieren ihres Hofes in Gala begrü⸗

ßen laſſen. Auch geſtatten die Fenſter dieſer kaum königli⸗ chen Gemächer Mariens nur höchſt beſcheidene Ausſichten auf die allernächſten flachen Umgebungen des Palaſtes. Die

Zimmer, welche gegenwärtig von der nach Balmoral durch

Edinburgh reiſenden Victoria bezogen werden, bekamen wir nicht zu Geſichte.

Zur Statiſtik über das heutige Holyrood diene noch, daß ein großer Theil deſſelben nach ſeiner Zerſtörung durch Cromwell's Soldaten zur Zeit Karl's II. wieder aufgebaut wurde.

In der mit dem Palaſt verbundenen Kapelle wandel ten wir zwiſchen halb verfallenem Gemäuer auf den breiten ſteinernen Gruftdeckeln einer größeren Anzahl ſchottiſcher Fürſten und anderer berühmter Männer. Es paßte voll⸗ kommen zu unſerer ernſten Stimmung, daß wir nun unſere Schritte nach dem Hauſe lenkten, das in den Jahren 1559 und 1563 vom Reformator John Knox bewohnt worden ſein ſoll. Sein Aeußeres iſt ganz ſo unſcheinbar, wie das von der Wiege ſo manches anderen Mannes, von dem die Welt⸗ geſchichte Großes zu berichten weiß. Im oberen Stockwerk, zu dem eine ſehr ſchmale Treppe führt, fand ich die üblichen Andenken an große Theologen von Manuſcripten und Bibeln herab bis auf Bruchſtücke aus ihrem Mobiliar. Hier war es, wo John Knox mit Mühe dem Mörder entkam; hier ſoll er den größeren Theil, wenn nicht ſeine ganze Geſchichte der Reformation verfaßt haben.

Intereſſanter noch in Bezug auf das moderne Treiben

Ich wollte doch prüfen, was

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Schottlands ſind einige Worte über das oft genannte Wett⸗ rennen in Muſſelborough. Mehr noch als für Deutſchland i*ſt für Britannien die Zeit derCircenſes noch nicht über⸗ wunden. Noch ſtehen jene Schauſtücke im Cours, die kör⸗ perliche Gewandtheit, Geiſtesgegenwart und perſönlichen Muth zum Mittelpunkte haben; noch üben gymnaſtiſche Wett⸗ kämpfe zu Fuß und zu Pferd ihren vollen Reiz. Vor Allem zwar in England, aber auch in Schottland, Frankreich und ſelbſt auf den Ebenen von Leipzig und der Thereſien⸗ wieſe von München locken fort und fort die angekündigten Races Tauſende von Neugierigenherbei. Nicht umſonſt haben uns die Hellenen dahin zielende Vorbilder mit ihren Spielen im Hippodrom und Stadion gegeben. Leider fan⸗ den wir keine Gelegenheit, den berühmten Rennen in Lanca⸗ ſhire beizuwohnen, der Zufall wollte es, daß wir wenigſtens V in dem wenige Meilen von Edinburgh entfernten Muſſel⸗ borough einmal Zeuge von dieſer echt britiſchen Volksbeluſti⸗ gung ſein konnten.

Es war an einem Sonnabend des letztvergangenen Julimondes. Schon mit dem erſten Morgenzuge ſahen wir in der Bahnhofshalle von Edinburgh zu Krüppeln geſchoſſene Marineſoldaten ſich zur Fahrt nach dem heute vorausſicht⸗ lich ſtark beſuchten Schauplatze des Wettrennens aufmachen, um einigen Almoſenertrag von der zuſtrömenden Menge zu erringen. Und als wir gegen die Mittagszeit nach den Wie⸗ ſenflächen von Holyrood Caſtle kamen, begegneten uns zahl⸗ reiche Schaaren aus der ärmeren Bevölkerung, die gen Muſſelborough marſchirten. Mit einem der Nachmittagzüge ſteuerten wir demſelben Ziele zu. An der Caſſe gab es ein

rohes Gedränge; man ſah ein leidenſchaftliches Eilen nach 3 in Ausſicht ſtehenden Schauſpiele. Die zahlreichen

Waggons waren übermäßig gefüllt, obwohl vielleicht alle halbe Stunden ſich neue Fahrgelegenheit darbot. Als wir ausſtiegen, ſahen wir die Landſtraße mit Wallfahrern über⸗ ſäet. Bald waren wir an die Schranken der Arena gelangt. Um 2 Schillinge erhielten wir Zutritt in das innere Heilig⸗ thum der beſſeren Zuſchauerräume. Entweder von der offe⸗ (nen Gallerie eines für den Zweck eigens aufgeführten Ge⸗ bäudes oder von der Barre der Rennbahn aus konnten wir dem Kampfe zuſchauen. Tauſende drängten ſich auf der Wieſe hin und her, welche unmittelbar von den Wellen der Nordſee beſpült wurde und deren Zelte und Fahnenſchmuck uns lebhaft an unſere Schützenfeſtplätze erinnerten. Ueberall war auf Tafeln vor Taſchendieben gewarnt und zur Bewah⸗ rung der Taſchenuhren aufgefordert. Die Policemen hatten mit Säuberung der Bahn vollauf zu thun. Das Schau⸗ ſpiel hatte ſchon mehrere Stunden angedauert; aber noch ſtanden mehrere Races in Ausſicht. In den Händen vieler bemerkte ich bedruckte Zettel, auf denen die Namen der Wet⸗ tenden und die Reihenfolge der Kämpfe verzeichnet ſtand. Auf den meiſten Geſichtern malte ſich die geſpannteſte Theil⸗ nahme an Allem, was vorging oder noch kommen ſollte; man unterhielt ſich über den wahrſcheinlichen Ausgang des näch⸗ ſten Laufes; hie und da ſchien man ſich über Wettpreiſe zu vereinbaren. In einem kleinen Häuschen machten Jockeys Toilette, ließen ſich wiegen, nahmen Erfriſchungen, kühlten ſich ab, rüſteten ſich zu neuen Verſuchen. Die ſchlanken, zartfüßigen, luftigen Roſſe führte man auf und ab, ließ ſie ein wenig angaloppiren, zog den Sattelgurt noch feſter an, fütterte ſie mit Zucker, flößte ihnen auch wohl ſtärkende Ge⸗ tränke ein. Dann und wann ſprengten einige zur Vorberei⸗ tung auf den eigentlichen Wettſtreit die Bahn eine Strecke hentlang. Mit Mühe drängten wir uns die Treppe hinauf