Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
538
Einzelbild herunterladen

5³⁸8

aus dieſem Hauſe und irgendwo in Sicherheit zu bringen.

Ich erhob die Zitternde und blickte tief bewegt in das thränenglänzende Auge des lieblichen, faſt noch kindlichen Mädchens, während ich darüber nach⸗ dachte, welcher Entſchluß der beſte für deſſen Sicher⸗ heit ſein möchte. Gern hätte ich Chosra allein mit mir genommen und die Verbrecher durch die Wache den Richtern übergeben laſſen; aber die Sache war zu ernſter Natur, um ſie für mich allein abzumachen. Es ſtand ſo wenig in meiner Macht zu ſtrafen als zu vergeben. Hätte ich meinen augenblicklichen Ge⸗ fühlen Folge geben können, ſo würde ich Negretti ſammt ſeinem Complicen als abſchreckendes Beiſpiel für Menſchenräuber am Maſtbaum des türkiſchen Schiffes haben aufhängen laſſen. So aber ließ ich die ſchon zu lange zurückgehaltene Patrouille mit Hin⸗ terlaſſung einiger Mann ihren Weg fortſetzen. Die⸗ ſen übergab ich die geknebelten Böſewichter zur Be⸗ wachung. Den commandirenden Officier an der Haupt⸗ wache zu Meſſina aber ließ ich erſuchen, eine Abtheilung zur Abführung der Gefangenen zu ſchicken.

Jetzt erſt beeilte ich mich, den Auftrag an den Fürſten Butera zu erledigen. In einer Viertelſtunde ſtand ich in ſeinem Salon, wo ich den Fürſten von einer kleinen Geſellſchaft umgeben fand, die nicht weniger als er ſelbſt bei der Erzählung des eben von mir erlebten Abenteuers in das größte Erſtaunen gerieth.

Der Fürſt, welcher Chosra mehre Male im Hauſe des Oberſten Macpherſon geſehen und ganz entzückt von ihrer Schönheit ſprach, gab mir ein kurzes Schrei⸗ ben an den Juſtizcapitain, Monſignore Monteforte, mit. Dringend empfahl er meinen Schützling mit aller möglichen Rückſicht zu behandeln, dagegen hin⸗ ſichtlich Negretti's, gegen den er ohnehin einen ge⸗ heimen Groll hegte, und deſſen Complicen ohne Scho⸗ nung die Strenge der Geſetze walten zu laſſen. Ro⸗ land, der eigentliche Retter der ſchönen Griechin, der ſich, ohne daß es von mir bemerkt wurde, in's Zimmer geſchlichen, wurde ſo ſehr mit Liebkoſungen von den Damen überhäuft, daß er die tollſten Freuden⸗Sätze über die blankgebohnten Parkets machte, von denen er wegen der ihm angethanen großen Ehren nur ſchwer zu entfernen war.

Im Schnelllauf war ich im Kaffeehauſe zurück, wo während meiner Abweſenheit der wachthabende Officier ſelbſt mit dem erbetenen Piket angekommen war. Um jegliches Aufſehen zu vermeiden, ſchritt ich, Chosra am Arme, dem Zuge mit den Gefangenen weit voran. Es war indeſſen finſtere Nacht gewor⸗ den, als wir das Thor erreichten, ſo daß wir, ohne

Novellen⸗Zeitung.

Aufſehen zu erregen, am Palaſt des Juſtizcapitains anlangten, innerhalb deſſen weitläufigen Höfen in langer Reihe, wie die Käfige einer Menagerie, die Criminalgefängniſſe liegen.

Nachdem Chosra ein ſehr anſtändiges Zimmer in der Wohnung des Haushofmeiſters erhalten, ver⸗ ließ ich ſie mit dem Verſprechen, in aller Frühe wieder⸗ zukehren, um zu ſehen, ob ſie meiner Dienſte noch ferner bedürfen möchte. Als ich an einem der Höfe vorüberging, führte man Negretti und ſeinen Gefähr⸗ ten mit Ketten gefeſſelt in einen der eiſenvergitterten Kerker zu ebener Erde, unter dem Gemach im zwei⸗ ten Stock, welches der Chevalier di Feretti die letzten Tage bewohnt hatte, ehe er das Schaffot beſtieg. Er erlitt die ſchimpfliche Todesſtrafe nach dem Ausſpruche eines Kriegsgerichtes wegen des von ihm zwiſchen der Königin Caroline von Sicilien und Mürat über⸗ nommenen Vermittelungsgeſchäfts, die Citadelle von Meſſina zuſammt der engliſchen Beſatzung durch Ver⸗ rath in des Letzteren Gewalt zu bringen.

Schon nach dem erſten am folgenden Tage mit den Gefangenen vorgenommenen Verhör bezog Chosra auf Verwendung des Capitain Taylor, früheren Ad⸗ jutanten des Oberſten Macpherſon, eine Wohnung im Palaſte des Marcheſe Monteforte ſelbſt, und fand die freundlichſte Aufnahme in der Familie. Die ſchöne Griechin war von nun an die gefeierte Heldin des Tages. Sobald Fürſt Butera und deſſen menſchen⸗ freundliche Gemahlin derſelben einen Beſuch gemacht, erſchien nach einander die ganze vornehme Welt, um die junge Heroine zu beglückwünſchen und um Roland kennen zu lernen, der Chosra am Tage ſelten verließ. Die raſchgeführte Unterſuchung ergab ſchon nach acht Tagen, daß Giovanni Negretti, den man bis dahin wohl als einen tapferen, ja faſt verwegenen Caper⸗ Capitain im Canal, als einen mitunter in abenteuer⸗ liche Handelsſpeculationen verwickelten Kaufmann, im Ganzen aber als einen unbeſcholtenen Mann zu kennen geglaubt hatte, ſchon mehrere Jahre eben ſo geheim⸗ nißvoll als ihm nutzbringend das Geſchäft des Men⸗ ſchenhandels betrieben hatte, daß unter andern auch eine junge, ſehr ſchöne engliſche Soldatenfrau, die vor einem Jahre ſpurlos verſchwunden, von ihm ge⸗ raubt und an den Paſcha von Candia verhandelt worden war. Der oberſte Gerichtshof, der Giovanni zu zwölfjähriger Galeerenſtrafe verurtheilte, glaubte einen ſehr ſtrengen Ausſpruch gethan zu haben, wäh⸗

rend in England das Rauben eines Hundes mit⸗

Zuchthausſtrafe belegt wird.

Der türkiſche Schiffshauptmann wurde außer den hundert Goldſtücken, welche er an Negretti gezahlt, wovon die Hälfte an Chosra zur Entſchädigung für

un Bord eines ur letzt noch vom gewiſſen dankte, der mi ſalsweg ſi fühtte Capitain Tahl ſe t war, in d pherſon länger Vh anl geſt ttelmeere ge Es ware Eagle die I vollen Abend, machte, nach! das Meer hel kühlende Briſe, während der R allmaͤhlich hin zu weichen, d Blüthen erfül Sonnenſtrable Unter de genſtunde ſtan noch mit dem der ſchönen E gen hielt, un Bewegung ba Stelle blickte, jungen Leben Thränen füllt à Dio fl lüſtert in den 8 gen der vorn gegennahm. Als Ca mir die Han rauf hindeute den warte, un daß e8 Zeit f ther Herr mei als gegenuben Shützlinges. Roland,