Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
535
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1

Ein Kruͤppel iſt ſein Sonntagsgaſt und einen Ver⸗ walter erwählt er ſich zum Freunde. Und wie ſchlicht, wie ergreifend ſind ſeine Worte! Der Mann hat mehr auf dem Herzen, als er auf die Lippe zu bringen wagt. Hinter jedem Worte ſteht ein ganzer Himmel voll Gedanken.

Der erſte Oſterfeiertag war ſo warm, ſo ſonnig,

daß die Knechte an den Thorwegen lehnten und ihre Pfeifen rauchten.

Ganz am Ende des Dorfes vor einem ärmlichen Hüttchen ſaß ein altes Mütterchen auf der Bank vor der Thür. Es war die alte Roſemarie, des armen Wilhelm's Mutter. Als Walther vorübergehen wollte, winkte ſie ihm zu. Er blieb vor ihr ſtehen.

Mein gutes Herrchen, fing die Alte an,ich habe Euch etwas zu ſage. Ihr müßt Euch aber nicht ſchäme mit der alten Roſemarie zu rede.

Sagt mir's, Roſemarie, unterbrach ſie Wal⸗ ther,was Ihr auf dem Herzen habt. Wenn ich Euch helfen kann, ſo will ich's gern thun.

Nicht für mich, ſagte die Alte ablehnend. Der liebe Gott wird mich wohl bald zu ſich von der Erde nehme und meinen armen Wilhelm dazu. Gott vergebe die Sünde den Tölpeln, die ihn zum Krüppel geſchlage habe. Ja, lieber Herr, Ihr hättet ihn einmal ſehe ſolle, wie er noch jung war. So ſchmuck, ſo nett war keiner. Wenn er zu Tanze ging, die Mädchen guckten ſich bald die Augen aus. Da ſtarb unſer Vater, der Schäfer war auf dem Rothen Vorwerke, und ich kaufte das Häuschen hier und zog herüber, weil es in einem großen Dorfe was zu ver⸗ diene giebt mit Waſchen und Scheuern. Aber, Du lieber Himmel, in die Mördergrube war ich gezoge. Ein Jahr ging's, aber hernach, da kam das Unglück. Kommt mir der Wilhelm auf den Tanzboden es war am zweiten Oſterfeiertage, gerade in dem Jahre als der Blitz in die Schule ſchlug und die Mäd⸗ chen hingen ſich an ihn wie die Kletten. Das woll⸗ ten die Burſche nicht leide. Sie fingen Schlägerei an, wie ſie es machen die großen Lümmel, wenn ſie getrunke haben, und auf meinen Wilhelm hatten ſie es abgeſehn. Sie konnte kaum weiter reden.Ach, du lieber Himmel, ſchluchzte ſie endlich, ihr Geſicht in der Schürze bergend,ich habe mir die Haare ausgerauft, als ſie ihn getrage brachten. Wahrlich, ich habe mich angeſtellt, daß die Leute dachten, ich müßte den Verſtand verliere. Seit der Zeit habe ich das Zittern in den Händen und meine Augen ſind trübe geworde.'s iſt mir immer als ſollt' ich ſterbe, aber ich darf nicht, bis der liebe Gott meinen Wilhelm zu ſich hat genomme. Was ſollte aus ihm

Dierte

Folge.

Der Herr Paſtor ſorgt wohl recht für ihn? fragte Walther, um die Frau von ihrem Schmerze abzulenken.

Ach freilich ja, der liebe Herr opfert ſich ganz auf für ihn. Er giebt ihm zu eſſe und ſchafft ihm Kleider, er hat ihn viel bei ſich und red't mit ihm wie der Herr Gott mit den Engelchen.'s klingt wie ein Buch, aber der Wilhelm verſteht ihn. O, der iſt geſcheidt, mein Wilhelm, und an dem Paſtor hängt er wie eine Klette. Aber alles vergebens, alles! Der gute Mann wird nicht lange dableibe, die Leute ſind zu häßlich allhier.'s hat noch kein Pfarrer ausgehalte in Neubruch.

Es trat eine Pauſe ein, die Walther nicht zu unterbrechen wagte. Endlich ſagte die Alte Thränen trocknend:

˙S iſt nicht meinetwege, daß ich Euch rufte. Das Kreuz einer alten Frau hilft nur der liebe Gott

ihre

trage. Aber's iſt um Euretwille, liebes Herrchen. Die Kerle ſind Euch gram, weil Euch die Mäd⸗ chen gut ſind. Nun wißt Ihr's. O, ich könnte

Euch viel erzähle, aber ich ſoll ſtill ſein, mäuschen⸗ ſtill. Ja, ſeht, Ihr ſeid aber auch gerade ſo hübſch wie mein Wilhelm war und noch viel größer und feiner und ein ſtudirter Mann dazu. Es wäre doch jammerſchade, wenn ſie Euch hier vorbeitrage müßten mit den rothen tiefen Wunden. Nehmt Euch in Acht! Morgen iſt der zweite Oſterfeiertag, und ich habe von einem Todten geträumt, der lag unter vie⸗

damals als mein Wilhelm zu Schaden kam. Aber geht, ich höre Barthel's Hunde; er wird Euch geſehn habe im Dorfe.

Walther gab der Alten die Hand und ſagte ihr einige Worte des Dankes. Dann ſchritt er dem Fluſſe zu, und ein paar Minuten ſpäter ſetzte ihn der Fährmann an das jen ſeitige Ufer.

Als er den ſtillen Waldweg nach dem Rothen Vor⸗ werke dahinging, trat ihm jedes Wort der Alten leb⸗ haft vor die Seele. Es ward ihm wahrſcheinlich, daß er von Seiten der rohen Burſchen Mißhandlungen zu befürchten habe, und er nahm ſich ſchon vor, ſie zunächſt auf keine Weiſe weiter zu reizen. Ich muß ja morgen nicht zu Tanze gehen, dachte er, es iſt überdies leicht möglich, daß mich die Roſel gar nicht vermißt. Aber in demſelben Augenblicke dachte er auch daran, wie die Roſel mit der alten Roſe⸗ marie an der Kirchhofsmauer lange heimlich geredet hatte.

Die liebe, liebe Roſel hat mich gewarnt durch den Mund der Alten! Dieſer Gedanke jubelte plötz⸗

werde!*

lich in ihm auf und machte ihn um zehn Jahre jün⸗

len, vielen Kränzen.'s iſt gerade ſo ein Jahr wie