Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
534
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534 Novellen⸗Zeitung.

Lieber Herr Walther, fuhr der Paſtor fort,Was Sie auch an mein armes Dorf binden dort ſteht mein Haus: Sie könnten mir eine Sonn⸗ mag, ſagte Bürger plötzlich einlenkend,mir wird tagsfreude machen, wenn Sie mit mir einen Augen⸗ es immer eine große Freude ſein, Sie zur Gemeinde blick einträten. rechnen zu können. Sehen Sie, ſagte er treuherzig,

Walther mußte wohl folgen, ſo unlieb es ihm indem er Walther auf ein altes Kanapee zog,ich auch gerade jetzt war. habe einen Lieblingswunſch, ſchon ſeit langem. Ich

Sie ſind Verwalter auf dem Rothen Vorwerk? möchte zu meiner Erheiterung und zum Nutzen und fragte der Paſtor. Walther bejahte es.Dann iſt Frommen des Dorfes gern einen Geſangverein grün⸗ es wirklich eine Ehre für uns, wenn Sie hierher in den. Unſer Dorf iſt ſo groß, daß es nicht an Kräf⸗ die Kirche kommen; das Vorwerk gehört zum Kirch⸗ ten fehlen würde. Der Cantor könnte uns dirigiren, ſpiel Kleefeld. Oder wußten Sie es nicht? oder wenn er es ſeines Alters wegen ablehnte, ich

O ja, ſagte Walther,ich wußte es, aber auf- bin auch noch muſikaliſch genug, um einer Dorfſän⸗ richtig geſtanden, der dicke Pfarrer in Kleefeld ſpricht gerſchule vorzuſtehen. Aber das Weltliche, das Ge⸗ ſo viel von der Offenbarung Johannis, daß man ſchäftliche, das Vergnügliche bei der Sache müßten ihn nicht verſteht. Sie leiten. Ich hab's gerade herausgeſagt, daß ich

Paſtor Bürger nickte vergnügt.Meine Predig⸗ Sie vor allem werben möchte. Schlagen Sie ein! ten ſind weniger gelehrt. Aber ſehen es die bieſigenVon Herzen gern, ſagte Walther,ein Ge⸗ Bauern gern, wenn Sie zu uns kommen? fragte er ſangverein würde die Vergnügungen regeln und die ſichtlich beſorgt. V Sitten mildern.

Wohl kaum, ſagte Walther,den Geſichtern Bürger's Augen glänzten vor Freude. Faſt ge⸗ nach zu ſchließen, die ſie mir zeigen. rührt ſprach er, dem jungen Manne die Hand rei⸗

Sie wollen keinen Fremden leiden, beſtätigte chend:Wir ſind einverſtanden!

Bürger.Aber, fuhr er fort, indem er Walther inBis auf einen Punkt, ſagte Walther.Ich die Pfarre und in ſeine ſchlichte Junggeſellenſtube fürchte, wir werden auf lange Zeit hin die einzigen einführte,es kann nirgends ſchlimmer ſein als hier. Mitglieder ſein. So lange der große Barthel mit Die Bauern ſcheinen ihre angeſtammte Rohheit ängſt- ſeinem Anhange im Dorfe herrſcht, iſt wenig Hoff⸗ lich zu hüten. Oder geht es anderwärts ebenſo her? nung andre zu gewinnen. Die Spieler, Säufer und

Mit der Feldmark ſchneidet es ab, ſagte Schläger werden uns immer entgegen ſein, und die Walther. Uebrigen werden ſich fürchten.

Ja, ja, nur mein Dorf iſt verrufen. HierWohl wahr, ſagte der Pfarrer,aber wir wird geſpielt und getrunken, und hier iſt das Land müſſen werben, werben, werben! Ich werde das der Ammen. Mein College in Kleefeld, der ſeinen Meine thun.

Vetter gern in dieſe Stelle gebracht hätte, macht Sie ſprachen noch lange über die Art und Weiſe, mir's zum Vorwurf. Aber es war ſchon ſo, als ich wie ſie den Plan ausführen wollten. Die Verhält⸗ herkam. niſſe des Dorfes kamen vielfach zur Sprache, nur

Paſtor Bürger ward ſichtlich traurig. Walther von Roſalien und ihren Eltern ward nicht geſprochen. ſuchte ihn aufzuheitern, indem er die rohen Ausbrüche Als Walther fortging, trug er das Bewußtſein mit Vieler auf den verderblichen Einfluß Einzelner ſchob. ſich, einen Freund gefunden zu haben. Er griff nicht

Plötzlich unterbrach ihn ein ſeltſamer Ton. Die zu hoch, wenn er dies annahm, denn ſelbſt ſchon den Thür ging auf, und mit wunderlichen Gebehrden und Dreißigen nahe und von Natur dem Ernſt des Lebens rauhen unarticulirten Tönen trat ein Krüppel her⸗ mehr zugewandt als der Zerſtreuung, konnte er wirk ein, ſtolperte auf den Paſtor zu und umſchlang jauch⸗ lich Bürger mehr ſein, als gewöhnlich ein Verwalter zend und mit unendlicher Zärtlichkeit deſſen Kniee. dem Landprediger zu ſein pflegt.

Mein Sonntagsbeſuch, ſagte Bürger erröthend.Welch ein Mann! ſagte er die Dorfgaſſe

Der arme Wilhelm! rief Walther erſtaunt. hinabgehend vor ſich hin.So einfach, ſo weltlich,

Sehen Sie, ſagte Bürger,den haben die und doch ein Geiſtlicher wie nur irgend einer! Burſchen zum Krüppel geſchlagen, und der große Walther bemerkte nicht, wie der große Barthel über Barthel hat ihm den ſchwerſten Schlag verſetzt. die Planke ſeines Hofes guckte und mit höhniſchem

Der Krüppel nickte und zeigte heulend auf eine Lachen einem Nachbarburſchen zuwinkte.Ein ſelt⸗ Stelle des Kopfes. ſamer Mann! fuhr er in ſeinem Selbſtgeſpräch fort.

So ſchlimm wie der Barthel ſind nicht alle,Die Adligen in der Umgegend ſind ihm zu arrogant,

tröſtete Walther. er vermeidet ſie und ſucht ſich im Dorfe Geſellſchaft.

Ganz aml

winkte ſie Mein 9 habe Guch et nicht ſchäme 1 Sagt mi ther,was 8 Guch helfen k Nicht Der liebe( der Erde nel Gott vergebe Krüppel geſch ihn einmal ſe ſchmuck, ſo ne die Mädchen ſtarb unſer? Vorwerke, un herüber, weil diene giebt lieber Himm Ein Jahr gi Koumt mir war am zwei als dei Blitz chen hingen ten die Burſ an, wie ſe getrunke hab es abgeſehn. du lieber H in der Schi ausgerauft, ich habe mi müßte den ich das zit ſind trübe ſterbe, aber Wilhelm zu werde!