Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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Theil der Dorfbewohner verdarb, rein und kindlich. Mit einem gewiſſen ſichern Takte war ſie bisher ge⸗

folgt, wohin ihr kindlich frohes Herz ſie zog, und

arglos hatte ſie ſich nicht ſelten einem muntern Scherze hingegeben. Sie galt als das heiterſte und gewandte⸗ ſte Mädchen des Dorfes, und Alle hatten ſie gern. Sie kam gut aus, ſelbſt mit den roheſten Bauern und Bauerburſchen; ja, es that denLümmeln ordentlich wohl, wenn dasZetermädel ſie ein wenig zum Be⸗ ſten hatte.

Den armen alten Männern und Frauen und den Kin dern aber war ſie die heilige Roſalie, die unten ihnen waltete und ſegnete wie ein Engel.

So war über die beſcheidene ländliche Schönheit Roſel's eine Art Verklärung ausgegoſſen, die ihrem

friſchen Weſen unendlich wohl ſtand und die ſich auf dem ſchönen Bogen der Stirn, ſo wie in einem ſinni⸗

gen Zuge um den roſigen Mund ſichtlich ausprägte. noch bei

Roſel hatte gerade jetzt ihre ſtillen Gedanken über das Ereigniß des Morgens. war recht ausgelaſſen geweſen. von den Blumen am Fenſter ablas, lich. Sie dachte daran, wie der große große Barthel ward er im Dorfe genannt den Hügel hinabrollte. Dann wieder erröthete ſie bis in den Nacken; ſie ſah ſich im Kahne dem Verwalter gegenüber, den ſie wohl kannte, aber bisher nur ſel⸗ ſen geſehen und mit dem ſie gewöhnlich herzlich ge⸗ lacht hatte, ohne ihn gerade weiter zu beachten.

Sie wollte eben einen Vergleich zwiſchen den Beiden anſtellen, als eine hagere, gebückte Frau leiſe hereintrat und ſich wie ermüdet auf einen Stuhl ihr gegenüber niederſetzte. Die Aermel hatte ſie hinauf⸗ geſtrichen: ſie kam aus der Küche; aus der rothen Kopfgucke, die ſie öfters zurecht rückte, ſchaute ein ſorgenvolles, durchfurchtes Geſicht hervor. Es war die Mutter.

Biſt Du Tochter.

Ich warte auf's Lauten, ſagte dieſe.

Der Vater iſt in die Schenke, er will einen Schnaps trinken vor der Kirche, fuhr dieſe, eine Ein⸗ leitung ſuchend, fort.

Hat er gezankt, fortgelaufen bin?

Nicht gezankt, aber des großen Barthel Onkel, der Richter, iſt heute Morgen bei ihm geweſen.

Das Mädchen ward feuerroth.Was will der? fragte ſie ſtockend.

Er hat gehorcht, ob der Barthel um Dich freien dürfte.

Nun gar! Der iſt ja bei den Soldaten.

Sie

fii fragte ſie geheimnißvoll die

Mutter, weil ich heute früh

men, ſeine Zeit iſt um.

vielleicht zurecht rücken, n

Während ſie die dürren Blätter lachte ſie heim⸗ Huſar der

und der Barthel

es ſtill wie im Todtenkämmerchen.

Novellen⸗Zeitung.

Er will aber zu Weihnachten den Abſchied neh⸗ Und die alte Bartheln, ſeine Mutter, will ihm das Gut übergeben, da muß er ſich freilich eine Frau ſuchen.

Da mag er ſich eine reiche nehmen oder die arme Liſe, die mit dem Kinde daſitzt und jammert. Er hat's aber gerade auf Dich gemünzt.

Aber er iſt ſo wild, man könnte ſich fürchten,

und er trinkt und ſpielt wie kein Anderer.

Das wird ſich wohl geben. Du kannſt ihn

wenn Du ſeine Frau biſt. Roſel's Einwände waren erſchöpft.Was ſagte

der Vater? fragte ſie leiſer.

Er ſihnnedülhe und rieb ſich die Hände. Er wird's wohl gern ſehen. Aber Mutter, haſt Du nicht geſagt, daß ich

noch warten kann mit dem Heirathen? Ich will ja Dir bleiben.

Du lieber Gott, Roſel, der Vater hat ſich ein⸗ mal drauf verſtürzt. Er hat Schulden, Du weißt's, hat ein ſchönes Gut und baar Geld.

Ich dachte: was ſollſt Du Spectakel machen?'s iſt doch abgemacht, und Du bleibſt ja im Dorfe. Jetzt trat eine lange, feierliche Pauſe ein. In

der kleinen, trauten Stube, wo ſich Mutter und Groß⸗ mutter wohl manchmal ſchon ausgeweint hatten, war Da läuteten die Glocken, die Mutter ſtand auf. Und Roſalie? Wie der volle Klang in ihre Seele einzog, quoll ein mäch⸗ tiger Strom brennender Gefühle in der jugendlichen Bruſt empor und floß als heißer Thränenſtrom aus dem Auge herab. Sie warf ſich an der Mutter Bruſt und weinte lange, ſo lange bis die Glocken verſtumm⸗ ten und der Ton der Orgel leiſe ſummend herüber klang. Da ſtand ſie auf, trocknete ſich das Geſicht

ab und zwang den Strom hinunter in das tiefſte Herz. Die Mutter legte ihr das ſeidene Tuch um die Schulter, gab ihr das Geſangbuch in die Hand und begleitete ſie ſchweigend bis zur Thür. Roſalie ging in die Kirche.

Noch ein Weilchen ſaß die Mutter in der Ober⸗ ſtube. Sie ſchaute traurig vor ſich nieder, und ihre Thränen tropften in den Schoos. Auch ſie hatte vom erſten Tage ihrer Ehe an viel von der Rauhheit ihres Mannes leiden müſſen. Still duldend hatte ſie ihre Jugend und ihre Wünſche in dem entlegen⸗ ſten Winkel ihres Herzens begraben, und ſie hatten ſich nicht wieder geregt. Jetzt, da ihre einzige Toch⸗ ter, ihr Liebling, dieſelbe Todtenfeier des Herzens halten ſollte, jetzt brachen die verſchütteten Schmerzen Qmit neuer Gewalt hervor.

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