Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
525
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Vierte

Folge.

Feuilleton.

Der Mord in einem Waggon erſter Claſſe der Londoner Nord-Eiſenbahn.

Ein ähnlicher Mord, wie er am 6. December 1860 auf der franzöſiſchen Oſtbahn in einem Waggon erſter Claſſe in der Nacht von einem gewiſſen Jud an einem höheren Juſtizbeamten, dem Herrn Poinſot, verübt wurde und da⸗ mals nicht blos in Frankreich, ſondern in ganz Europa die größte Senſation machte, wurde Sonnabend den 9. Juli Abends gegen 10 Uhr ganz in der Nähe von London auf der Londoner Nord⸗Eiſenbahn unter noch viel auffallendern Um⸗ ſtänden und in einer ſo ſcheußlichen Art ausgeführt, daß ganz England darüber auf das Höchſte entrüſtet und erſchrocken iſt. Der Ermordete iſt Herr Thomas Briggs, ein über ſechzig Jahr alter, ſchöner, ſchlanker und kräftiger Mann, der in dem Bankhauſe Robarts, Curtis& Co. in Lombard⸗ſtreet ſeit vie⸗ len Jahren die Stelle als erſter Commis oder Buchhalter be⸗ kleidete und dem ein großer Freundeskreis Liebe und Achtung widmete. Am Sonnabend verließ er Nachmittags 3 Uhr das Bankhaus und begab ſich nach dem Nelſon Square zu einer dort wohnenden Nichte, bei der er dinirte und bis Abends 9 Uhr verweilte. Zu dieſer Zeit ſtieg er auf den Old Kent Road, wohin ihn der Gemahl ſeiner Nichte, Herr Buckham, begleitet hatte, in voller Geſundheit und Munter⸗ keit in einen Omnibus, nachdem er vorher ſeinem Verwandten geſagt hatte, er begebe ſich zunächſt in die City und werde von dort von der Fenchurch Station per Eiſenbahn nach Hackney, ſeinem Wohnorte, fahren. Da er dieſe Eiſenbahn faſt täglich zweimal benutzte, ſo war er allen Eiſenbahnbe⸗ amten an dieſer Station ſehr gut bekannt. Von der Zeit an, wo er in den Omnibus ſtieg, bis zum Auffinden ſeines Leichnams auf der Eiſenbahn nicht weit von der Hackney⸗Wick Station weiß man noch nichts Näheres und eben ſo wenig, ob Jemand ihm Geſellſſchaft geleiſtet hat.

Das verübte Verbrechen wurde 15 oder 20 Minuten nach 10 Uhr Abends entdeckt. Nachdem der Zug, welcher um 9 Uhr 45 Minuten von der Fenchurch Station abgeht, an der Hackney⸗Wick Station angekommen war, rief ein Herr, der im Begriff geweſen war, in einen Waggon erſter Claſſe zu ſteigen, einen Conducteur herbei, um ihm zu ſagen, er habe eben, als er ſeine Hand auf eins der Sitzkiſſen gelegt, gefunden, daß dasſelbe voller Blut ſei. Bei näherer Unter⸗ ſuchung fand der Conducteur, daß nicht blos die Kiſſen, ſon⸗ dern auch die Seiten und Fenſter mit Blut beſchmiert und auch auf dem Fußboden und einem Kiſſen förmliche Blut⸗ lachen waren. Gleichzeitig fand er in dieſer Abtheilung des Waggons einen Hut, einen Stock und eine lederne Taſche, welche Gegenſtände er ſofort in Beſchlag nahm und dann den Waggon verſchloß. Sobald das geſchehen war, unter⸗ richtete er den Bahninſpector in Bow per Telegraph von dem Vorfall. Die Bahnbeamten dachten dabei nur, daß es ſich um einen Selbſtmord handle, und dieſe Idee behielten ſie auch dann noch bei, als die in der daranſtoßenden Abthei⸗ lung des Waggons ſitzenden Damen ſich darüber beklagten, daß, als der Zug von Bow abgefahren, Blutstropfen durch das offene Fenſter auf ihre Kleider geſpritzt ſeien. Es ſtellte ſich indeſſen recht bald heraus, daß kein Selhſtmord, ſondern ein ſcheußliches Verbrechen ſtattgefunden habe. Beinah zu

derſelben Zeit, wo man ſich in Hackney mit dieſem Vorfall beſchäftigte, bemerkten der Maſchiniſt und der Heizer einer Locomotive, die nach Bow zurückfuhr, als ſie in die Nähe der

(Eiſenbahnbrücke über den Ducketcanal und des Victoriaparks

kamen, etwas auf den Raume zwiſchen den beiden Eiſenbahn⸗ geleiſen liegen. Der Maſchiniſt hielt es für einen Hund, der Heizer dagegen war der Meinung, es ſei ein Menſch ge⸗ weſen. In Folge deſſen hielt man die Locomotive an, und der Heizer ging mit einer Laterne auf der Bahn zurück und als er ſich überzeugt hatte, daß wirklich ein ſcheinbar todter Mann daliege, rief er den Maſchiniſt herbei, während er ſelbſt in ein ganz in der Nähe liegendes Wirthshaus eilte, um von dort Hülfe herbeizuholen. James Hudſon, der Beſitzer der Mitford Arms Tavern folgte mit ein paar andern Leu⸗ ten dem Heizer, der ſie an die Stelle führte, wo der Herr in ſeinem Blute lag. Es wurden ſofort Maßregeln ergriffen, um den ſcheinbar Todten in das Wirthshaus zu ſchaffen, wo⸗ bei die dabei betheiligten Perſonen Gefahr liefen, durch ei⸗ nen eben vorüberfahrenden Zug ſelbſt das Leben zu verlieren. Als man den Körper ins Wirthshaus gebracht und dort auf ein Lager gelegt hatte, entſtand ſofort der Verdacht, daß ein Verbrechen verübt worden ſein müſſe, denn der Hirnſchädel ſchien mit Hülfe eines ſcharfen Inſtruments zerſchmettert worden zu ſein. Herr James Hudſon ſchickte ſofort nach Wundärzten und eben ſo ließ er die Polizei von dem Vorfall unterrichten. In kurzer Zeit hatten ſich zwei Wundärzte und ein Arzt eingefunden, die ſich gleich davon überzeugten, daß das Leben noch nicht erloſchen war, worüber ſie um ſo mehr erſtaunt waren, da über dem linken ganz abgeriſſenen Ohr der Hirnſchädel ſich ganz zerſchmettert und nach innen ge⸗ drückt fand, was allein hinreichend ſchien, um den ſofortigen Tod herbeizuführen. Außerdem zeigte es ſich, daß ihm noch mehr Schläge auf den Kopf verſetzt worden waren. Die von den Aerzten angeſtellten Verſuche, den Verwundeten durch Reizmittel zur Beſinnung zu bringen, blieben erfolglos. Als der Polizei⸗Inſpector Kerreſſey von der Bow Station

gekommen war, wurde zunächſt nachgeſucht, ob der Verwun⸗

dete Papiere bei ſich führe, aus denen man erkennen könne,

wer er ſei. In der Bruſtetaſche ſeines Rockes fanden ſich

Briefe, die ſämmtlich die Adreſſe führten: T. Briggs, Eſq.

Robarts, Curtis& Co. Lombard⸗ſtreet. Der Inſpector ſchickte hierauf ſofort einen ſeiner Leute an das Bankhaus, um ſich

dort nach der Wohnung des Herrn Briggs erkundigen zu laſſen. Da die Beſchreibung, welche die Leute in dem Bank hauſe von Herrn Briggs gegeben hatten, keinen Zweifel übrig ließ, daß er der Verwundete ſei, ſo ließ der Inſpector ſofort die Familie desſelben in Hackney Square, das ihm als die Wohnung derſelben bezeichnet worden war, von dem Unglück in Kenntniß ſetzen, und kurz nachher fand ſich der Sohn des Herrn Briggs mit einigen Familienmitgliedern und dem Hausarzte in der Mitford Arms Tavern ein, wo eine ſehr traurige Scene ſtattfand. Einen Augenblick ſchien ſich bei dem Verwundeten eine Spur von Bewußtſein bemerkbar zu machen; als nämlich eine alte Magd der Familie, die mit ge⸗

kommen war, ihren Herrn bei ſeinem Namen rief, zeigte ſich

ein Zittern in ſeinem Geſichte und ein dumpfer Ton entrang

ſich ſeiner Bruſt, als habe er die Stimme erkannt, doch das

dauerte nur einen Augenblick.