lager zu Palermo zurückgekehrt, ſeine prachtvolle, hart am Meeresufer außerhalb der Stadt gelegene Villa bewohnte.
Auf einem Schnellritte, der durch die letzten zweideutigen Bewegungen Murat's in Calabrien ver⸗ anlaßt wurde, hatte ich durch einen Sturz mit dem Pferde den linken Arm verletzt, wodurch mir das Reiten läſtig wurde. So zog ich es vor, die Kühle des einbrechenden Abends abzuwarten und den dicht am Meeresbuſen, längs der Rambla, außerhalb der Stadt führenden ſchönen Weg auch einmal zu Fuß zu machen. Nur mit dem Säbel bewaffnet und von einem ſchönen Neufundländer begleitet, einer präch⸗ tigen Dogge, die ich von einem Officier der griechi⸗ ſchen Legion bei deren Auflöſung zum Geſchenk er— halten hatte, trat ich meine Expedition an, von der ich mir eine angenehme Erholung nach dem heißen Tage verſprach.
Die Sonne war eben im Sinken begriffen, und der prächtige Abend hatte den Marino mehr als ge⸗ wöhnlich durch Caroſſen und Fußgänger belebt. Alle ſehnten ſich nach der Tagesgluth die balſamiſche Luft einzuathmen, wie ſie die Nächte im tiefen Süden ſo belebend aushauchen. Erſt ganz am Ende des Kays, wo die Ruinen der durch das letzte große Erdbeben eingeſtürzen Paläſte beginnen, wurde das Wogen ge⸗ ringer, der Weg freier, bis ich zuletzt einſam mein Ziel verfolgte, das von der Stadt nicht volle zwei engliſche Meilen entfernt lag.
Die großen Häuſer machen hier einzelnen kleinen Cafés und Cabarets Platz, in denen gewöhnlich nur Seeleute aus der Levante einzukehren pflegen, um un— geſtört die gewöhnliche Lebensweiſe mit gekreuzten Beinen führen zu können. Das Treiben verſtummte mehr und mehr, bis ich nichts mehr vernahm als hin und wieder leiſen Geſang oder die Töne einer Cither zwiſchen den monotonen Klängen der Meereswellen, die an der Schutzmauer auf und abwallten. Da hörte ich plötzlich aus einer der allerletzten Bottegas einen gellenden Schrei; die Vorhänge einer Veranda wurden heftig auseinander geworfen, und ein ſchlan⸗ kes weibliches Weſen floh wie ein gejagtes Reh quer über den Weg einer Mauer zu, die wie eine Art Boll⸗ werk in's Meer vortrat. Mein Hund knurrte und hob gleich einem geſchulten Jagdhunde das rechte Vorderbein, den geſenkten Kopf ſtarr auf die Veranda gerichtet. Einen Augenblick bei der überraſchenden Erſcheinung ſtutzend, wurde meine Spannung Koch vermehrt, als ich gleich darauf unterhalb der Mauer ein Geräuſch vernahm, wie es durch einen in's Waſſer fallenden ſchweren Gegenſtand verurſacht wird. Ein
Novellen⸗Jeitung.
mir war, wo das fliehende Weib im Moment vor meinen Augen verſchwunden war. Noch war ich nicht mit mir eins, was hier zu thun, als der Entflohenen faſt auf den Ferſen eine männliche Geſtalt folgte, unbedeckten Hauptes, den Mantel halb auf der Erde nachſchleifend, mit ſo verzerrten Geſichtszügen, daß man nicht lange in Zweifel darüber bleiben konnte, weß Geiſtes Kind der Verfolger ſei.
Sobald die unheimliche Geſtalt die Mauer erreicht und, was wahrſcheinlich, in der Ertrinkenden ſeinen verfehlten Zweck erkannt hatte, feuerte er ein Piſtol ab und gleich darauf ein zweites, welches er aus dem Gürtel zog. Mehrere Männer, unter ihnen die hoch⸗ ragende Geſtalt eines Türken, erſchienen auf die wieder⸗ holten Schüſſe unter der Veranda.
Jetzt wurde es mir klar, daß ich ungerufen zu einem Abenteuer gekommen war, deſſen Ausgang für mich außer aller Berechnung lag. Vorläufig kam es mir vor, als ob mich die Geſellen, von ihrer Leiden⸗ ſchaft verblendet, noch gar nicht bemerkt hätten. Es war nur zu gewiß, daß hier ein Verbrechen beabſich⸗ tigt war; höchſt zweifelhaft aber blieb es, ob ich im Stande ſein würde, noch zur rechten Zeit Hülfe zu bringen, wenn mich nicht etwa die Schurken als einen wenn auch abſichtsloſen Stoͤrer ihres Unternehmens ihrer Rache zu opfern für gut finden ſollten.
Jedenfalls befand ich mich in einer ſehr mißlichen
wie es der Fall wurde, Befreiung erwarten durfte.
Die Schüſſe hatten die Patrouille des äußerſten Wachtpoſtens an der porta di mare, welche dieſe Spelunken Nachts zu revidiren hatte, auf ihrem Wege alarmirt. Der erſte Soldat, welcher eben um eine Ecke auf die Straße bog und in geringer Entfernung auf dem Schauplatze erſchien, gab meiner Sache eine günſtige Wendung. Im Augenblick, als ich jetzt den Kerl am Kragen faßte, erſchienen noch vier Soldaten vom Schweizer Regiment de Roll im vollen Lauf mit gefälltem Bajonnet zu meiner Aſſiſtenz, die um ſo nöthiger geworden war, als mein Gefangener nicht übel Willens ſchien, ſich mit mir zugleich über die Mauer in's Meer zu ſtürzen, als er ſeinen Rückzug abgeſchnitten ſah.
„Maladetto!“ flog es vom Zorn halb erſtickt über ſeine ſchäumenden Lippen, und die Augen rollten ihm wie Feuerräder im Kopfe herum, als der Sergeant mir den Banditen, in dem er den Wirth der Bottega erkannte, abnahm und ſeinen Leuten, die das Haus be⸗ ſetzten, zur Bewachung übergab.
Ohne mich jetzt um anderes zu kümmern, eilte ich dahin zurück, wo ſich die Unglückliche in's Meer
Blick belehrte mich, daß es der Abgrund dicht neben
geſtürzt hatte. Das Waſſer war faſt glatt wie ein
Lage, aus der ich nicht in den nächſten Augenblicken.
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