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Marianne vergeblich zurückgehalten. Agnes Lindau blickte um und erkaunte mit Löwen zugleich Brenken's Livrée.
Der Diener war verſtört; Thränen.
„Was iſt geſchehen?“ rief Löwen erſchrocken und ahnungsvoll.
Der Diener vermochte keine Antwort zu geben; lautes Schluchzen erſtickte ihm die Stimme.
ſeine Augen voll 9
Novellen⸗
„Um Gottes willen, Friedrich, was iſt's? Was iſt mit dem Grafen?“
„Todt!“ ſtöhnte der Diener,„auf ſeinem Zimmer erſchoſſen.“
Eine furchtbare Pauſe folgte dieſem inhaltſchwe⸗ ren Worte, das wie ein Blitzſtrahl unerwartet und doch furchtbar zerſtörend in jedes Einzelnen Bruſt ſchlug.
„Graf Brenken hat ſich erſchoſſen!“ ſagte Löwen endlich mit einem vernichtenden Blicke auf die ſprach⸗ loſe Sängerin; dann verließ er eilig das Zimmer.
Er hörte noch, wie Agnes Lindau mit einem lauten Schrei zuſammenbrach und ſchwer zu Boden fiel. Doch er blickte ſich nicht um; er eilte in Bren— ken's Wohnung, an die verſtümmelte Leiche ſeines armen Freundes.
In einer abgelegenen, einſamen und düſtern Ge⸗ gend der Reſidenz lag das Irrenhaus, wie ein großes furchtbares Grabgewölbe.
Mit ſeinen vergitterten Fenſtern, den hohen Mau⸗ ern und der feſtgeſchloſſenen Pforte machte es einen beängſtigenden Eindruck, und das ganze graue Gemäuer verkündete ſchon, daß nichts als Trauer und Unglück hinter ihm wohnte.
Zwei einfache Landleute ſtanden an der Pforte und zogen eben die Glocke. Sie gingen gebückt und trauernd, und Keiner von ihnen ſprach eine Sylbe. Es waren Mann und Frau, und die Beiden, denen das Unglück und der Gram auf der Stirn verzeichnet war, wollten ihr einziges Kind im Irrenhauſe auf— ſuchen.
Die armen Leute trugen ſchwer an der furcht⸗ baren Laſt. Sie waren Beide noch nicht alt; aber ſeit dem einen Jahre, da ihre Tochter in dem Irren⸗ hauſe weilen mußte, waren ſie erſchreckend gealtert.
Man erkannte die kräftigen und rüſtigen Landleute,
welche Hans und Liſe Lindau noch vor einem Jahre geweſen waren, als Graf Oskar Brenken bei ihnen Milchſuppe aß, in den beiden gebeugten Geſtalten nicht wieder.
Als Agnes Lindau an jenem Schreckenstage aus ihrer Ohnmacht erwacht war, erkannte man in ihren
Zeitung.
verſtörten Zügen die Spuren des Irrſinns. Mit furchtbarer Macht verſchlimmerte ſich die entſetzliche Krankheit mit jeder Stunde, und noch an demſelben Tage verfiel die Unglückliche in einen Anfall wilder Raſerei. Gefeſſelt mußte ſie an das Irrenhaus über⸗ geben werden.
Da lebte die arme Wahnſinnige nun bewußtlos in einer geiſtigen Nacht, und nur ſelten kamen ihr kurze Augenblicke des Erkennens. Dann weinte ſie und war voll untröſtlichen Jammers; aber ſie ſprach niemals, antwortete Niemandem, fragte nach Keinem.
Furchtbar waren die Ausbrüche der Raſerei nach ſolchen Ruheſtunden; es war ein entſetzlicher Anblick das noch immer ſchöne junge Weib toben zu ſehen in thieriſcher Wuth, entweder gefeſſelt, die zwingen⸗ den Banden anfeindend, oder frei gegen Alles, was ſie erreichen konnte, oder gegen ſich ſelber vernichtend wüthend. Alle Erlebniſſe ſeit ihrem Pariſer Fiasco bis zum Tode Brenken's miſchte ſie dabei in wilder Phantaſie durcheinander.
Agnes Lindau's arme Eltern kamen faſt in jeder Woche, um die unglückſelige Tochter zu ſehen. Als dieſe noch im Glücke und Glanze lebte, hatten die armen Eltern ſie nicht aufſuchen dürfen; die Wahn⸗ ſinnige wehrte es ihnen nicht mehr— ſie erkannte die Eltern nicht.
Der furchtbare Anblick erſchütterte die Armen bei jedem Male neu; jedoch, ſoviel man ihnen auch davon abrieth, die armen Leute kamen doch immer wieder; ſie konnten ihr unglückſeliges Kind nicht ver⸗ laſſen.
Auch heute waren ſie den weiten Weg gegangen, und der Pförtner, welcher ſie kannte, ließ ſie unge⸗ hindert eintreten.
Sie ſchritten langſam über Treppen und Corri⸗ dore, bis ſie die greiſe Wärterin ihrer Tochter fanden. Dieſe war eine hohe, unheimliche Figur, dürr und knochig, aber noch immer kräftig trotz ihres hohen Alters. Liſe glaubte immer, daß ſie die Alte ſchon früher geſehen hatte; doch kam ſie zu keinem Nach⸗ denken deshalb. Die Bejammernswerthe konnte auch nicht mehr denken, der Schmerz um ihr unglückliches Kind allein erfüllte ſie.
„Sie ſcheint heute ruhig zu ſein,“ ſagte die Wär⸗ terin,„vielleicht erkennt ſie Euch heute.“
Wie Oſterglocken tönte dieſes Wort an das Ohr der armen Eltern; welches Glück für ſie, wenn die Wärterin Wahrheit geredet, wenn ſie noch einmal würden ihr Kind, das ſie erkannte, an das Herz drückeng können! 4 ½
Die Wärterin öffnete Agnes' Zelle; ſie traten erwartungsvoll ein.
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