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514 Novellen
viſters, welcher ſich als ſein beſtimmter Nachfolger auswies und dem erfreuten Löwen einen Miniſterial⸗ erlaß überbrachte, durch welchen er mit ſchmeichelhaf⸗ ten Ausdrücken von ſeinem Poſten ab und in die heimathliche Reſidenz zurückberufen wurde. Man wußte ſeine Verdienſte zu ſchätzen und wollte ſeine Kräfte künftig im Miniſterium ſelbſt verwenden.
Löwen war über dieſe Veränderung hoch entzückt. Er entledigte ſich mit möglichſter Eile ſeiner Pariſer Verpflichtungen und befand ſich wenige Tage ſpäter auf dem Wege nach der Heimath. Er fuhlte ſich ſo frei und leicht, ſo in gehobener Stimmung, je näher er der Heimath kam; er wußte ſelbſt nicht, wie ihm geſchah, und es war, als ob mit jeder ſchwindenden Meile ein Stein von ſeiner Bruſt rollte, und dem alten quellenden Muthe der Jugend wieder Platz und Freiheit gäbe, welcher ſo lange geſchlummert hatte, und wie von dem Ernſte des Lebens verzehrt erſchienen war.
Löwen's erſter Gang in der Reſidenz führte ihn zu dem Jugendfreunde, zu Brenken, und hier war es nun, wo er gleich zuerſt wieder an Agnes Lindau erinnert wurde, neben der ihm ein liebliches zartes Bild entgegenlächelte, dem herzigen Veilchen gleich, neben der ſtolzen Tulipane. Er fand den Freund in den Zauberbanden des ſchönen Mädchens und kam, wie er ſchnell begriff, gerade zur rechten Zeit, um den ſchwärmeriſchen Gefühlsmenſchen vor voreiligen Hand⸗ lungen und ſchmerzlichem Selbſtkaſteien zu bewahren. Der fremden Schwärmerei gegenüber fand er ſchnell ſeine ganze Ruhe und Ueberlegung wieder. Dem peinlichen Hangen und Bangen in der eigenen Bruſt trotzend, ſiegt er mit vernünftigen Vorſtellungen über Brenken's unklares und thatloſes Empfinden und be ſtimmt ihn zu dem Entſchluſſe, ſofort die Sängerin aufzuſuchen und aus ihrem Munde ſein Geſchick zu erfahren.
„Nun werde ich bald wiſſen, was mir bevor⸗ ſteht!“ ſagte Brenken dem Freunde, bevor er ging. „Erhört ſie mich und meine Liebe, ſo hoffe ich an ihrer Seite der glücklichſte der Sterblichen zu werden; kann ſie mich nicht erhören und liebt ſie vielleicht einen Andern, ſo wird mir, der Gewißheit gegenüber, das ſchmerzliche Entſagen leichter werden. Auch das Entſagen iſt ja ein Prüfſtein der Männlichkeit, und ſein Muth iſt ſeltener und oft ſchwerer zu erringen, als derjenige der That.“
So verließ er den Freund freudig und hocherha⸗ ben. Er wollte jetzt Gewißheit haben und fürchtete ſie doch nicht mehr, fürchtete nur noch den Zweifel; er hatte freilich keine Ahnung, welch bitterer Hohn
ſeiner Hochherzigkeit zum Lohne vorbehalten war.
„Zeitung.
Brenken hatte dem Freunde erklärt, das er vor⸗ läufig ſein Gaſt bleiben müſſe, und Löwen ſich nicht dagegen geſträubt. Das große Haus des Grafen ſtand ja ſo beinahe leer; und Löwen begab ſich, als Brenken gegangen war, in die ihm angewieſeien Zim⸗ mer, um mit des alten Kammerdieners Beiſtende, der ein Stück Inventar des Hauſes Brenken genannt werden durfte, ſeine Effecten auszupacken und ſich wohnlich einzurichten.—
Der alte Kammerdiener hatte die beiden Freunde bereits als Knaben gekannt, hatte ſie ſpäter als Jüng⸗ linge geſehen und war nun immer noch mit der näm⸗ lichen alten Treue vorhanden, jetzt, wo ſie beihe Män⸗ ner geworden waren. Er kannte die ganze Geſchichte, alle Leiden und Freuden des gräflichen Hauſes und ſtand bei Oskar Brenken in hohem Anſehen.
Das wußte auch Löwen und behandelte hn wie einen alten Freund.
„Es iſt recht ſtill im Hauſe, lieber Bertram,“ ſagte Löwen unter Andern.
„Leider, leider, Herr Baron. Sie wiſſen ji, das war ſchon unter dem ſeligen Herrn Grafen ſo! Seit⸗ dem die gnädige Gräfin, unſeres Herrn Mutter, ſo ſchnell ſtarb, gleicht das Palais einem Trauerhauſe, und die beſten Räume deſſelben werden jährlich nur zweimal geöffnet, um vom Hausmeiſter revidirt und gelüftet zu werden.“
„Und dieſer Zuſtand ſcheint⸗
Ende nehmen zu wollen?“ 3
„Ich glaube, der Graf denkt gar nee. uS Heirathen; er muß es rein vergeſſen haben urd meine beſcheidenen Anſpielungen überhört er. Er hat ſo viele andere Dinge vor, iſt bald hier, bald dort mit Kleinigkeiten beſchäftigt, welche jeder Rentmeiſter eben ſo gut vollführen könnte, und dabei vernachläſſigt er Hof und Adel, und kann dabei natürlich auh keine Frau finden.“
Löwen lächelte heimlich über dieſe mittela terliche Logik des alten Adelsdieners, doch dieſer redete mit väterlichem Eifer weiter: 1
„Der Herr Baron ſollten ſich der Sache anneh⸗ men! Sie ſind unſeres Grafen Jugendfreuid und einziger Vertrauter, und wußten ihm ſchon früher immer Alles klar und anſchaulich zu machen. Ich glaube, Sie würden auch jetzt der Einzige ſäan, der in dieſer Hinſicht auf ihn wirken könnte, ſo daß wir die Gemächer im erſten Stockwerke recht bald ür eine Frau Gräfin öffnen dürften.“ Das Oeffnen und Schlie⸗ ßen mehrerer Thüren im untern Stockwerke unerbrach den üppigen Redeſtrom, welcher, einmal flüſſig ge⸗ worden, ſobald nicht zu verſiechen pflegte, wenn nur ein irgend aufmerkſamer Zuhöͤrer ſich finden leß.
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nahmvoll und ſeine Bruſt.
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