Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
506
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Charakter der Männer zu ſtudiren ein Studium, wofür die Amerikanerin eine große Paſſion hat.

Wir enthalten uns über die Wahrſcheinlichkeit dieſer Darſtellung jedes Urtheils und glauben ſolches billig den gebildeten Leſern überlaſſen zu können.

Was nun den allgemeinen Eindruck anlangt, ſo glauben wir, daß Kolatſchek den Amerikanerinnen, die er ſo ziemlich in jeder Beziehung, hauptſächlich durch wiſſenſchaftliche Bildung, Sittlichkeit, Charakter, kör⸗ perliche Schönheit und Grazie des Auftretens über alle übrigen Bewohner der bekannten Erde ſtellt, den noch unrecht thut, da man wohl annehmen darf, ja, da es durch viele Beiſpiele erwieſen iſt, daß die edle⸗ ren und tiefer angelegten Naturen unter den Mäd⸗ chen und Frauen der neuen Welt viel weniger berech⸗ nend und ohne beherrſchende Gewalt des Herzens ſind, als ſie Kolatſchek, ohne es zu wollen, ſchildert. Was er von dem abſoluten geſellſchaftlichen Dominiren der weiblichen Kreiſe ſagt, dürfte auch in der Wirklichkeit nicht ſo angenehm wirken, als er mit ſchwärmeriſcher Hingabe an die Zuchtruthe dieſes ſtrengen Regiments annimmt. Doch ſind auch hier von den unruhigen und ſtark aufgetragenen Farben des Verfaſſers einige Procente zum Vortheil der transatlantiſchen Damen abzuziehen.

Ohne Frage lernt der richtende Geiſt der Welt⸗ cultur und des vernünftigen Humanismus ſo viel aus ſolchen Erörterungen und Parallelen, daß in der Ver theilung der Lebenslaſten zwiſchen Männern und Frauen in der modernen Zeit noch nicht das gerechte gegen⸗ ſeitige Verhältniß gefunden iſt. Während das Weib

Novellen⸗Zeilung.

in Amerika zu wenig in der Werkſtatt des bürgerlichen Wirkens und Schaffens zu arbeiten hat und zu un⸗ gemeſſenen Anſprüchen an die Courtoiſie der Männer⸗ welt herausgefordert wird, iſt es klar, daß namentlich bei uns in Deutſchland die Frau aus dem Volke und Mittelſtande traditionell einer Lebensmühe, körperli⸗ chen Anſtrengung und kleinlichen Sorglichkeit über⸗ antwortet iſt, die einen freien, graziöſen und geſund ſelbſtſtändigen Genuß ihres Daſeins gar betrübend verkürzt. Die Behandlung unſerer Mädchen und Gat⸗ tinnen im niedern Bürgerthum, die in Plackereien bis zur körperlichen und geiſtigen Unſchönheit und arbeits⸗ ſchwieligen Härte verkrümmen, erinnert für unſern Culturzuſtand nicht ſchmeichelhaft an das Leben vieler Indianerinnen, welche für Hausweſen, Wirthſchaft und Mann zu Sclavendienſten verurtheilt ſind.

Es wird ein Zeitgeiſt kommen, der im Siune menſchlicher Gerechtigkeit ausgleichend auf dieſes Miß⸗ verhältniß einwirkt; nie aber kann ein Zuſtand be⸗ wunderungswürdig oder gar beneidenswerth ſein, wel⸗ cher uns die Frau in geiſtiger Sultanlaune als einen Dictator über die Leitung der geſellſchaftlichen Ver⸗ hältniſſe zeigt, die ſich naturgemäß immer nur nach dem Weſen des männlichen Genius geſtalten können. Freilich muß ein ſolcher männlicher Genius von Be⸗ deutung in Bezug auf Wiſſenſchaft, Kunſt, Literatur und Geſchmacksbildung vorhanden ſein, und es fragt ſich, ob die Amerikanerinnen nicht ein Recht fühlen, hier vorläufig zu erſetzen, was einer männlichen Be⸗ völkerung von Geſchäftsleuten durchſchnittlich noch fehlt.

Feui

Sir Walter Srott's Familienurſprung und Vorfahren.

Der urſprüngliche Wohnſitz der Scotts als Geſammtelan war auf dem Nordabhange des Cheviot⸗Weidegebirges, wie wir aus Karl Elze's neuem ſowohl hiſtoriſch⸗biographiſch als literariſch⸗kritiſchem trefflichem Werke über Scpott in kürzerer Zuſammenſtellung entnehmen. Unweit der Quelle des Flüßchens Berthwick und ziemlich im Mittelpunkte der Be⸗ ſitzungen der Buccleuchs war Bellenden oder Bellendene, der Sammelplatz des Clans bei Spielen, Fehden oder Raubzügen gelegen. Wie öfter bei den Clans diente der Name dieſes Sammelplatzes zugleich als Kriegsruf und Schlachtgeſchrei. In dieſer Gegend ſtehen noch heute die Ruinen der Stamm⸗ burgen des Clans: wir nennen nur Brankſome oder Brauxſolm am Teviot, wo das Lied des letzten Minſtrels ſpielt; Tu⸗ ſhielaw am Ettrick, die Stammburg jenes Adam Scott, der vom Volke der König der Marken, von den Hofleuten aber der König der Diebe genannt wurde und den Jakob V. vor ſeinem eigenen Burgthore hängen ließ. Weiter ſtromabwärts

lleton.

finden wir Oakwood Tower am Ettrick, wo der Zauberer Michael Scott gehauſt haben ſoll. Unter allen dieſen Bur⸗ gen geht uns Harden, als die eigentliche Wiege des Ge⸗ ſchlechts unſeres Dichters, am meiſten an. Die Scotts von Harden galten an Anſehen und Macht nach den Bueccleuchs als die zweite Familie des Clans. Zwiſchen grünen Korn⸗ feldern und purpurrother Haide ragt auf dunkelm Schiefer⸗ felſen die von Ulmen beſchattete Ruine ſtolz empor, und Schaaren von Dohlen und Raben umſchwärmen ſie mit ein⸗ tönigem Geſchrei. Hierher pflegte der Dichter in ſeinen früheren Jahren alljährlich eine Wallfahrt zu machen.

Der Clan Scott war auch vor der Zeit unſers Dichters keineswegs arm an hervorragenden und merkwürdigen Män⸗ nern. Ueber alle ragt Michael Scott hervor, der im Liede des letzten Minſtrels eine ſo große Rolle ſpielt und ſich bei

ſeinen Lebzeiten eines faſt europäiſchen Rufes erfreute. Zu Bulwearie bei Kirkaldy geboren, wo noch die Trümmer eines (Thurmes als ſeine Geburtsſtätte bezeichnet werden, erwarb

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