Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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ſie ſind ſo frech und anmaßlich, daß ſie förmlich die Erfindungskraft herausfordern. Man erweiſet dieſen eine Genugthuung, wenn man einen Dummkopf be⸗ trügt, und der Sieg iſt ſchon der Mühe werth, denn ein Dummkopf iſt gepanzert, und oft weiß man nicht, wo man ihn packen ſoll. Ich glaube mit einem Worte, daß einen Dummkopf zu betrügen eine eines geiſt⸗ reichen Mannes würdige That iſt.(!) Was mich, ſeitdem ich exiſtire, mit einem unüberwindlichen Haß gegen die Brut der Dummheit erfüllt hat, iſt, daß ich mich ſelber dumm finde, wenn ich in ihre Geſell⸗ ſchaft gerathe. Ich bin weit entfernt, ſie mit jenen Leuten zu verwechſeln, welchen es nur an Bildung fehlt; dieſe mag ich vielmehr ziemlich gut leiden. Ich habe unter ihnen viele achtungswerthe Perſonen gefun⸗ den, die trotz ihres Bildungsmangels eine Art Geiſt und geſunden Menſchenverſtand entwickelten, welche ſie weſentlich von den Dummköpfen unterſchieden. Sie ſind mit Augen zu vergleichen, die den Staar haben und die ohne dieſen Fehler ſehr ſchön ſein würden.

Wenn Du, theurer Leſer, den Sinn dieſer Vor⸗ rede faſſeſt, wirſt Du leicht meinen Zweck errathen. Ich habe ſie gemacht, weil ich will, daß Du mich kennen ſollſt, ehe Du mich lieſt. Nur in Kaffee⸗ häuſern und an tables d'hôte unterhält man ſich mit Unbekannten. Hinſichtlich der Ungeweihten, die ich nicht hindern kann, mich zu leſen, genügt mir das Bewußtſein, daß ich nicht für ſie ſchrieb.

Da ich aber genöthigt bin, auch etwas über meinen Charakter zu ſagen, ſo bemerke ich im Vor⸗ aus, daß der nachſichtigſte unter meinen Leſern nicht der unhöflichſte und geiſtloſeſte ſein wird. Ich habe nacheinander alle Temperamente gehabt: das phleg matiſche in meiner Kindheit, das ſanguiniſche in mei⸗ ner Jugend, ſpäter das choleriſche und jetzt endlich das melancholiſche, welches mich wohl nicht mehr ver⸗ laſſen wird. Ich lernte frühzeitig, daß die Körper⸗ verfaſſung nur vom Uebermaß des Genuſſes oder der Enthaltſamkeit abhängig iſt, wobei ich jedoch hinzu⸗ füge, daß ich das Uebermaß im Genießen für weni⸗ ger gefährlich halte, als das Uebermaß im Entſagen, denn wenn das erſte Unverdaulichkeit, ſo hat das zweite den Tod zur Folge.

Die Zauber der Liebe zu genießen, war immer meine Hauptaufgabe, ich habe nie eine wichtigere ge⸗ kannt. Da ich fühlte, daß ich für das ſchöne Ge⸗ ſchlecht geboren ſei, ſo habe ich daſſelbe geliebt und mich von demſelben lieben laſſen, ſo ſehr ich konnte.

Welche verderbte Neigungen! wird man ſagen, welche Schmach ſie zu geſtehen und nicht zu erröthen! Ein ſolcher Vorwurf bringt mich nur zum Lachen, denn gerade vermöge meiner groben Neigungen halte

Novellen⸗Zeitung.

ich mich für glücklicher als ein Anderer, da ich über⸗ zeugt bin, daß ſie mich genußfähiger machen. Glück⸗ lich diejenigen, welche ſich Lebensfreuden zu verſchaf⸗ fen wiſſen, ohne Jemandem zu ſchaden, und wahn⸗ ſinnig diejenigen, welche ſich einbilden, das höchſte Weſen könne an den Schmerzen, Leiden und Entbeh⸗ rungen, die ſie ihm ſtumpfſinnig als Opfer darbrin⸗ gen, Gefallen finden und daſſelbe liebe nur die Ueber⸗ ſpannten, welche ſich ſolche Opfer auferlegen! Gott kann von ſeinen Geſchöpfen nur die Uebungen der Tugenden fordern, deren Keim er in ihre Seele ge⸗ legt hat, und Alles, was er uns gegeben, hat er uns nur in der Abſicht gegeben, uns damit glücklich zu machen.

So viel aus der Vorrede genügt gewiß, um das zu erreichen, was Caſanova wünſcht: ihn kennen zu lernen. Es iſt ein beſtechender, intereſſanter, aber kein ehrenwerther Charakter, der daraus hervorgeht, ja ſeine Sophismen tragen ſchon ganz dieſelbe Nichts⸗ würdigkeit in ſich, die eine ganze Reihenfolge ſeiner Handlungen kennzeichnet. Was auch aus ſeinen Schrif⸗ ten geſtrichen werde, will man nicht Alles daraus entfernen, was den Hauptnerv darin bildet und zum Zuſammenhang nothwendig iſt, ſo bleibt doch immer unerläßlich ſo viel des ſittlich Niedrigen, ja ſogar des Unäſthetiſchen ſtehn, daß jedes reine Gefühl da⸗ von beleidigt werden muß, und jeder Familienvater wohl thun wird, ſich vor dem Unfall zu bekreuzigen, daß ſeinen noch jugendlichen Söhnen oder Töchtern dieſe Lectüre in die Hände falle, welche nie die der Frauen ſein wird, und nur für fertig reife männliche Charaktere paſſend ſein wird, weil ſie zugleich eine Fundgrube für ſo viel geiſtig Wiſſenswürdiges bildet.

Der neue Ueberſetzer will es nun verſuchen, mit Auswahl und Taktgefühl ſeine Bearbeitung ſo einzu⸗ richten, daß dieſe Memoiren wenigſtens minder ver⸗ letzen, und er wird vielleicht die Möglichkeit erreichen, ſie für etwas weitere Kreiſe genießbar zu machen. Es liegt bis jetzt nur ein Heft des Lieferungswerkes vor, welches zugleich Illuſtrationen enthalten wird und bei dem zu wünſchen iſt, daß von den ſocialen Schilderungen und intellectuellen Raiſonnements Ca⸗ ſanova's nicht zu viel geſtrichen wird, und nicht Mi nerva für die Venus büßen muß.

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uns nach und nach Pulcane als unhein zu betrachten, und ben ſich gewiß ſch Zreude Glück gewi zu wohuen, wenn ügeln vermag.

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Für diejen wahrſcheinlich er dienen.

Um uns v. machen zu können Janern als von ſchmolzenes und fluthet, aus denen dieſen Beſtandthe den Gunde das A atmoyüriſcher) vielleict nur in mentlich auch das findet, theils ſc ſeiner Beſtandihe ſolches in der 8 den, ſondern nu ſaben aus ſein nunpfförmigen aber an allen« don der ungeheu

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