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rii bearbeitet don Ubürger. 186. ungen von der Le⸗ ere Male ſo große 1 verboten vurden, ſich auch nicht he⸗ ahl anderer Büch ni däßt und nen Ernfühung bei⸗
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e Jertheidigung in beſtand, keine elbſtſüchtigſte Egois⸗
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aber die Gerechtigkei in Großen und Gan⸗ enicht zu verfennen, t eine Anzabl von „die der Geiſteseul⸗ en auch einiges Gift Während jedoch dauernd war, bliel Fr war nicht Abſicht
nicht in der Stärke
verderbenden Kraſt, bwäche der Indivi⸗ nd wie ein vergäͤng⸗
rtten, der ihre ener⸗ wiſch zu Aſche bren⸗ ohne hu⸗ jae betrachtet,
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ſchichte würde ſich à wenn ſi ihn aur anſeden wollte. Es Phaten und lasciven
daß ſie eine Art Sittengeſchichte ſ denn kaum ein Anderer hat wie er die Geſunkenheit nund Verderbniß der höheren Stände, die weder Ge⸗ danken hatten noch haben mochten(was heute auch ſoch zuweilen der Fall ſein ſoll), und den völligen Geiſtesbankerott der Rococoperiode, ſo wie die tiefe brutale Herabwürdigung des ſogenannten„gemeinen Volkes“ geſchildert. In ſeinen mit friſchen und ſehr
kt und mit ihm fann man ſagen: a s Berten Atheiſten iden erſchoſſen, odel
zmiſchen Wälder berloren. Wer dut der Sini⸗
Vierle
lichkeit verzehrt ward, der wäre doch auch ohne dieſe Lectüre wie eine Rakete entzündet und abgebrannt worden, von den Augen all der hübſchen Mädchen, die auf dieſer unvollkommenen, aber in dieſem Punkt tadelloſen Welt leibhaftig umherwandeln, oder unter vielen Bäumen mitten im Garten ſitzen, einen Hand und eine Schlange zur Seite. Perſönlichkeiten ohne Halt und Kraft bedürfen nur eines kleinen Köders, der ſich in allen Geſtalten überall findet, um in die verlockenden Netze der un⸗ barmherzigen Menſchenfiſcherin zu fallen, die man Sünde nennt. Wo dagegen bedeutende Naturen zu Grunde gingen, da vernichtete ſie allein der eigene Dämon, deſſen verzehrendes Feuer nicht von außen erweckt zu werden braucht, indem es ſich ſelbſt an einem Waſſertropfen entzündet.
Ein ſolcher Untergang iſt zu beklagen. Wer da⸗ gegen fragt danach, wenn die Eintagsfliegen beim Aufgange der Sonne im letzten zu fröhlichen Tanze ſterben? das Licht der Sonne bleibt doch ſchön! Es leuchtet Andern zu Nutz und Frommen und glänzt um ſeiner ſelbſt willen.
Das kann man in Bezug auf manche Dichterwerke ſagen, die durch eine mißverſtandene Auffaſſung einen Erfolg hervorriefen, der für manches Individuum verderblich wurde.
Können ſich aber ſolchen freigeſchaffenen Dichter⸗ werken, die man um ihrer höheren Wirkung willen entſchuldigt, ſolche Schriften an die Seite ſetzen, wie z. B. die Memoiren Caſanova's?
An Poeſie und Productionsgehalt gewiß nicht im Mindeſten, wohl aber imponiren ſie oft, wie die
den Apfel in der
hier in Frage ſtehenden, durch ein allgemeines rea⸗ Caſanova war mit aller Lei⸗ denſchaft den Genüſſen irdiſcher Art ergeben und vor⸗ züglich denen, die in den Tempeln von Cypern erfleht wurden. Aber der ſeltſame Mann war zu gleicher Zeit Philoſoph und zeigte eine eben ſo ſcharfe als inter— eſſante Denkkraft, mit der er, unterſtützt von einer einſchmeichelnden und frappirenden Sophiſtik, ſein ſtoffliches Material durchdrang und ſo bearbeitete, daß ſogar noch für höhere Naturen mancher Reiz
liſtiſches Geiſtesgericht.
daraus ſprach.
Zugleich ſind ſeine Werke dadurch intereſſant, einer Zeit bilden,
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verſchiedenen Farben gezeichneten Abenteuern, Erleb⸗ niſſen und Begegnungen mit wichtigen Perſonen per⸗ ſiflirt er die Inhaltloſigkeit der Politik und entlarvt im Antichambre der Genußſucht den Betrug einer gewiſſenloſen Diplomatie und die Heuchelei des Un⸗ glaubens, der in ſeinen dunkeln Höhlen an dem Piede⸗ ſtal des Atheismus arbeitete.
Wenn wir dieſe Zeitbilder leſen, ſo liegen be⸗ reits mit ſeltener Plaſtik alle Motive zu einer allge⸗ meinen revolutionären Umwälzung, wie ſie ſpäter in Frankreich wirklich eintrat, vor unſern Augen. Der Fürſt von Ligne wußte Caſanova als Schriftſteller zu ſchätzen, denn er ſagt:„Er war ein Geiſt ohne Gleichen, von dem jedes Wort eine geiſtreiche Aeuße⸗ rung, jeder Gedanke ein Buch war.“ Man muß hier das Plus abrechnen, welches die franzöſiſche Sprache durch pointirte Ausdrucksweiſe dem richtigen Maß als Zugabe beigiebt.
Man braucht nur ein Stück aus der Vorrede Caſanova's zu ſeiner zwoͤlfbändigen Selbſtbiographie zu leſen, um darin all ſeine Fehler zu ſehn, die em⸗ pören und tief verletzen, ſo wie die brillanten Eigen⸗ ſchaften ſeines Geiſtes, an denen man ſich vorüber⸗ gehend erfreut, und durch deren hiſtoriſches Dar⸗ ſtellungstalent man dauernd Vortheil ziehen kann. Er ſagt z. B.:
„Trotz eines Fonds ausgezeichneter Moral, der Frucht der göttlichen, in meinem Herzen feſtgewurzel⸗ ten Grundſätze, bin ich während meines ganzen Le⸗ bens das Opfer meiner Sinne geweſen; ich habe Gefallen daran gefunden, mich zu verirren; ich habe beſtändig im Irrthum gelebt und hatte dabei keinen andern Troſt, als den, zu wiſſen, daß ich irrte. Ich hoffe alſo, theurer Leſer, daß Du in meiner Ge⸗ ſchichte nicht den Charakter ſchamloſer Prahlerei, ſon⸗
dern nur den einer Generalbeichte finden wirſt, daß rdoch im Style meiner Erzählung ſich nicht die Miene eines Reuigen, oder die gezwungene Haltung Jemandes zeigen wird, der ſich ſeiner dummen Streiche Es ſind Jugendthorheiten; Du wirſt ſehen, Du gutmüthig biſt,
ſchämt. daß ich über ſie lache, und wenn V wirſt Du mit lachen.
Du wirſt lachen, wenn Du ſiehſt, daß ich oft nicht Bedenken getragen, in der Noth Windbeutel, Schürten und Dummköpfe zu betrügen. Was die Frauen anbelangt, ſo ſind dies gegenſeitige Betrüge⸗ reien, die nicht auf Rechnung geſetzt werden, denn wenn die Liebe mit ins Spiel kommt, ſo pflegt man ſich von beiden Seiten zu übervortheilen. Was die Dummköpfe anbelangt, ſo iſt es mit denen ganz etwas Anderes. Ich freue mich immer, wenn ich daran denke, daß ſie in meine Netze gegangen ſind, denn


