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dem ſeinigen ſich aufrichten und den Thron beſitzen wollte, welcher in ihrem Herzen errichtet war, er⸗ kannte Agnes zum erſten Mal mit entſetzlicher Klar⸗ heit, daß es nicht mehr frei war, ſah ſie ſich Rudolph von Löwen's ſchönem, männlichem Bilde gegenüber und vermochte ſich nicht mehr von ihm loszureißen.
Sie hätte raſen mögen unter dem Bewußtſein, daß ſie ihn liebe; aber es ließ ſich nicht bannen. Um dem Verhaßten zu entfliehen, hätte ſie ſich jetzt am liebſten einer Leidenſchaft für den Prinzen hinge⸗ geben; allein ſie empfand ſie nicht, vermochte ſie nicht einmal zu erkünſteln. Den Galanterien des Prin⸗ zen zu unterliegen, davor rettete ſie ihr Stolz und ein dunkles Ahnen, daß er ſie doch nur als Schmet⸗ terling umflattere, ohne an ernſte Abſichten zu den⸗ ken, wie ihre Eitelkeit ſo gern ihr vorgeſpiegelt hätte, ein dunkles Ahnen, deſſen ſie noch fähig war, weil ihr der ſchöne Mann innerlich gleichgültig ge⸗ blieben und keine Stimme ihres Herzens die objec⸗ tive Beobachtung ſeiner Verführungskünſte beeinflußte.
Prinz L. war mit ſolchem Erfolge ſehr unzufrie— den. So hatte ihm noch niemals ein Weib wider⸗ ſtanden, und hier war es eine Sängerin, ein Weib, der glühendſten Leidenſchaft fähig, und ihm ſollte es nicht möglich ſein, ſie zu entflammen? Er ſprach mit ſeinem Freunde und Reiſecavalier, dem Vertrauten aller ſeiner Jugendſünden, darüber; er fluchte über dieſe Prüderie und ſchwor bei ſeinen Ahnen, die ſtolze Tugendfeſtung zu erſtürmen.
„Koketterie, mein Prinz!“ erwiderte der edle Freund lächelnd,„nichts als Koketterie! Glauben Sie denn, dieſe kleine Sängerin kennte Eure Durchlaucht nicht und wüßte Nichts von Ihrem ungeheuren Reich⸗ thum? Sängerinnen ſind immer ſchlaue Koketten, und es iſt klar, daß der Preis ihrer Gunſt für Eure Durch⸗ laucht höher iſt, als er es für Andere ſein würde. Sie haben der Kleinen einige Mal hübſche Geſchenke offerirt, und ſie hat dieſelben zurückgewieſen; natür⸗ licher Weiſe, denn mit derartigen Kleinigkeiten über⸗ ſchüttet ſie der häßliche, aber reiche Brenken alle Tage; dazu braucht ſie keinen Prinzen. Von Euer Durch⸗ laucht wird ſie nur fürſtliche Geſchenke acceptiren und belohnen. Eure Durchlaucht hätten das ſelber wiſſen können; die Gunſt einer Künſtlerin iſt theuer und richtet ihre Taxe nach den Verhältniſſen der Anbeter.“
Prinz L. erwiderte nichts auf dieſe weiſen Leh⸗
ren, aber war entſchloſſen, einen Hauptſturm zu wagen.
Als er am Nachmittage ſeinen Spazierritt machte, ſtieg er an dem erſten Juweliergewölbe ab und wählte und kaufte einen Brillantſchmuck von außerordentlicher Schönheit.
Novellen⸗Zeitung.
Er zeigte ihn nachher ſeinem Freunde ohne Er⸗ läuterung.
„Die Brillanten funkeln unwiderſtehlich anzie⸗ hend!“ ſagte dieſer mit einem fauniſchen Lächeln.
„Sie kann mich ja nicht lieben; wozu noch das nutzloſe ſtille Werben, das nichts erreicht, nur ſtete Qual bereitet? und wozu erſt noch fragen, da ich doch die Antwort kenne? und wenn ſie einwilligte— ſie iſt gut und groß, wenn ſie zuweilen auch hoch⸗ müthig und launiſch erſcheint— ſo würde es doch nur aus Dankbarkeit geſchehen, und mit ihrem geopferten Lebensglücke würde ſie die Schuld bezahlen wollen, die ſie gegen mich zu haben meint, und deren Be⸗ wußtſein ihre ſtolze Seele ſchon immer drückte. Sie iſt Künſtlerin in jedem Nerv und anders geartet, als andere Weiber. Ach, ich fühle nur zu klar, wie hoch ſie mich beglücken könnte! Aber ſie liebt den Prinzen, und ſollte es denn ſo ſchwer ſein, einem ſchönen Traume zu entſagen, wenn man liebt? eigenes Glück zu opfern, um das geliebte Weſen glücklich zu ſehen? Nein, nein, ein ſtarkes Herz bricht nicht, darf nicht brechen! Wer ſeines Herzens, ſeiner Leidenſchaften Herr iſt, der allein ſoll Mann genannt werden; ſich ſelber beherrſchen iſt die erſte Mannestugend, und ich will ſie üben. Ich will mich mit ihrer Dankbarkeit begnügen, und nach wie vor ſoll es mein Streben bleiben, nur ſie glücklich zu machen. Das iſt auch meine Pflicht. Denn ich habe ſie den urſprünglichen Verhältniſſen entriſſen, und ſie eingeführt in dieſe Sphäre, und ſo muß ich ihr auch nahe und zur Seite bleiben, bis ſie an eines liebenden Gatten Hand den ſchützenden Hafen erreicht hat.— Zurück, thörichte Wünſche des ungeſtümen Herzens;— ſie würde mich vielleicht lieben können, wenn meine Geſtalt mehr Ebenmaß, mein Haar eine andere Farbe zeigte; ich kann das nicht ändern! Ich werde ihr entſagen, werde ſie an der Seite eines Andern glücklich ſehen können, und erſt in jener Stunde werde ich wirklich ihre Dank— barkeit verdient haben!“
Graf Oskar von Brenken war es, der in höchſter Aufregung dieſe Worte mehr dachte als ſprach. Er ging in ſeinem Zimmer auf und nieder, und man ſah es den bleichen Zügen an, daß ihm ſchon der Ent⸗ ſchluß zum Entſagen nichts weniger als leicht wurde. Eine eigenthümliche nervöſe Abſpannung, wie wir ſie früher nicht an ihm bemerkt haben, tritt in den fah⸗ len Zügen hervor, und bläuliche Ringe von erſchrecken⸗ dem Umfange lagern ſich wie drohend um die matten Augen, deren Lider halb geſchloſſen ſind. Graf Os⸗
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Fräulei Ae Ffühlt wild, muthig enpfä
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will, deſſen Hul abet ihren Stol ohne zu ahnen, mit blutendem dem Prinzen er tritt und mit Sie geruht, me Der Graf doch, wie der Primadonna b lange er bei ſömerzliches G Er ſucht in de Weltgen hatte. Was e⸗ ſter naden un trant wächen.
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bewußtlos auf a ſei Ziel e ergeſſen!— kar hat ſich freilich ſoeben erſt vom Bett erhoben.. Die Uhr iſt Zehn vorbei, und er hat noch nicht ein⸗ 4


