Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
485
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treten zu Auftreten; ſie achtete keine Anſtrengung, ſie wurde nicht ermüdet; und nach den ſchwierigſten Rollen, die jede Künſtlerin erſchöpfen mußten, fühlte ſie ſich nur wie von neuem Lebensgeiſte beſeelt, von friſcher, ſiegender Kraft durchdrungen, wenn dann die Beifallsſtürme durch das Haus raſ'ten und das en⸗ thuſiasmirte Publicum ſie hervorrief, um ſie mit Blumenregen zu überſchütten.

Das war für ſie die angenehmſte Muſik. Sie vernahm noch immer im Geiſte das Pfeifen und Zi ſchen der Pariſer Claqueurs, deren lärmendes Ge⸗ töſe ihr wie Weltgerichtspoſaunen vor den Ohren tönte, und es wurde ihr Bedürfniß, den Beifall der Reſidenz recht oft und immer wieder neu zu hören, um endlich die Erinnerung an jene Scene zu ver⸗ bannen und jenes Bild des Schreckens allmählich aus ihrem Gedächtniſſe zu vertilgen.

Auch den Huldigungen der Cavaliere war Agnes Lindau jetzt mehr zugänglich, als früher. Sie wollte Aufſehen machen, ſie wollte Glanz verbreiten und Neid erregen, wollte von ſich reden machen und von ihren Triumphen. Täglich war ihr Salon geöffnet, und Jeder, der ſich einführen ließ, hatte bei ihr Zu⸗ tritt. Agnes war ein ſchönes, war auch ein geiſtrei⸗ ches Mädchen. Energiſch, ſtolz, kühn und capriciös bot die jugendlich friſche Schönheit ein wundervoll reizendes Bild, und es war kein Wunder, daß alle die Herren, welche früher ſchon und vergeblich nach dem Entrée bei ihr geſchmachtet hatten, jetzt wie Schmetterlinge herbeiflatterten und die duftige Blume naſchbegierig umſchwärmten.

Seit einigen Tagen war Prinz L. v. B. in die Reſidenz gekommen, ein junger Mann von ſchöner Geſtalt und einnehmendem Weſen. Es giebt junge Männer, welche förmlich gewerbsmäßig dem Genuſſe und der Verführung nachjagen. Prinz L. gehörte zu ihnen. In ſeinen Adern raſ'te ein heißes Blut, und er hatte noch niemals verſucht, ſeinen Leidenſchaften Seit einigen Jahren war er ſo auf Reiſen, und verſengter Boden, geknickte Blüthen bezeichneten überall ſeinen Weg.

Sein erſter Zweck in der Reſidenz war Recog⸗ noscirung der Damenflora. Auf einem feurigen Ara⸗

er ritt er durch die belebteſten Straßen, und ſeine

geſchickte Hand bändigte mit Leichtigkeit die anſchei⸗ nenden Launen des Thieres, welche er doch ſelber erſt hervorrief. Der ſchöne Prinz war nicht unerfahren darin, wie man Weiberaugen lockt und Weiberherzen fängt, und ſeine eigenen Augen bewachten ſorgſam die Fenſter, vor welchen er ſeine Reiterkunſtſtücke trieb.

Prinz L. ging auch in die Oper, ſah und hörte Agnes Lindau, und ſeine Leidenſchaft hatte ein Ziel

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gefunden, Agnes Lindau war die Erkorene, und am andern Morgen erſchien der Prinz im Salon der Sängerin. Dieſe hatte ihn noch nicht geſehen, und ſte blickte ſogleich mit Intereſſe auf den ſchönen, jun⸗ gen Mann, deſſen Aeußeres ein reizendes Gemiſch von Jugendfeuer und Verlebtheit zeigte. Daß er ein Prinz war, erhöhte ſeinen Werth auch in ihren Augen, und er wurde, wie er es freilich gewöhnt war, mit Zu⸗ vorkommenheit empfangen.

Die Künſtlerin fühlte ſich durch die Huldigungen des ſchönen Mannes geſchmeichelt. Ihr Stolz und Hochmuth wuchſen bei ſeinen Beſuchen, aber ein Her⸗ zensintereſſe feſſelte ſie nicht an ihn. Sie behandelte den vornehmen Cavalier mit Aufmerkſamkeit und unterhielt ſich faſt ausſchließlich mit ihm, wenn er im Salon erſchien; jedoch ihr Herz blieb kalt dabei, und kein neuer Beſuch vermochte es zu erwärmen.

Der Prinz kam in ſeiner Weiſe nicht weiter bei ihr. Sein erfahrenes Auge hatte im Anfange an einen leichten Sieg geglaubt, und nun blieb ſie ſich gleich, und alle ſeine Huldigungen und die nach ein ander auffliegenden Minen der Verführungskunſt ver⸗ mochten nicht, die Sängerin aus ihrer gleichen, lächeln⸗ den Unbefangenheit zu bringen.

Agnes Lindau fühlte keine innere Zuneigung für den Prinzen; nur ihrem Hochmuthe, ihrer Citelkeit ſchmeichelte es, den ſchönen, hochgebornen Roué zu ihren Verehrern zu zählen. Sie wunderte ſich ſelbſt, daß ſie ihm gegenüber ſo gleichgültig blieb; es war ihr beinahe unangenehm, da ihr die Eitelkeit zuwei⸗ len das erhebende Bild eines prinzlichen Gemahls vor die Augen hielt.

Ihre Gleichgültigkeit war nicht Berechnung, nicht Koketterie; jetzt erſt wurde ſie ſich deſſen bewußt, daß ihr Herz nicht mehr frei war, daß ein ſchönes, männliches Bild in demſelben ſeine Herrſchaft aufge⸗ ſchlagen hatte und ſich nimmer wieder von ſeinem Throne verjagen ließ, ſo ſehr Agnes ſich auch ſträubte, ihm denſelben zuzugeſtehen. Sie hatte den Eindruck wohl empfunden, den Rudolph von Löwen's männlich edles Weſen in ihrem Herzen hinterlaſſen hatte; ſie hatte zürnend ihn empfunden, hatte ihn leugnen, ihn verwiſchen, ihn nimmermehr nur ſich ſelber zugeſtehen wollen; und die äußere Aufregung der letzten Wochen war allerdings die geeignetſte Zeit geweſen, um ein tiefinnerliches Gefühl nicht zum Bewußtſein kommen zu laſſen.

Sie hatte ſchon triumphirt, wollte Nichts von ihm wiſſen, wollte ihn verachten und haſſen, den an⸗ maßenden Mann, welcher es gewagt hatte, ihr Lehren geben zu wollen, und nun war ihr Triumph doch zu Schanden geworden! Nun ein anderes Bild neben