Von Herr
den Eltern nur eine Nachricht davon zu geben. Fremden haben wir es erſt erfahren müſſen, Graf; o, glauben Sie mir, gnädiger Herr, der Agnes da draußen nicht wohlergehen!“
„Beruhigt Euch, Hans Lindau,“ unterbrach Os⸗ kar den Klagenden, deſſen Beſchuldigungen er nur
als zu gerecht finden mußte;„Ihr dürft Eure Toch⸗
ter nicht zu hart beurtheilen. Agnes iſt eine Künſt— lerin, eine große Künſtlerin, und Ihr dürft ihr nicht ſo zürnen, wenn ſie im Tempel der Kunſt, opfernd
an dem heiligen Altare, der Außendinge und ſelbſt rief die Ankommende dem erfreuten Grafen entge⸗
der Kindespflicht einmal vergißt. Anna iſt gut und liebt Euch; aber ihr Weg führt ſie auf ſteiler Höhe, und zu ſelten läßt ihr der Genius, welcher ſie belebt und beherrſcht, Zeit zu Euch herabzuſteigen. Zürnt ihr nicht, Hans Lindau, und wenn ſie wiederkehrt, ſoll, ſo Gott will, Alles beſſer werden. Wenn ſie einwil— ligt, ſo werde ich Eure Agues zur Gräfin Brenken machen, und dann ſollt Ihr Eure Tochter wiederfin⸗ den, dann führe ich ſie Euch wieder zu, der ich ſie weggeführt hatte; dann wollen wir recht oft zuſam⸗ men in Z. leben.“
Die beiden Alten ſaßen dem Grafen ſprachlos gegenüber. In ihren Augen ſtanden Thränen, und leiſe nur vermochte Liſe endlich zu flüſtern:„Gott ſegne Eure Gnaden!“
Der Graf brach bald Schloß zurück.
Am andern Morgen brachten ihm die ſehnlich erwarteten Pariſer Journale die Nachricht von dem Fiasco, welches Agnes als Agathe erlebe hatte, und er las mit Entſetzen Monſieur Jules' erbitterte Kritik.
„Die Arme!“ flüſterte er ſchmerzlich,„wie wird ſie das ertragen haben!“
Aber mit heimlichem Schauder mußte er wieder und immer wieder an das Wort Hans Lindau's den⸗ ken:„glauben Sie mir, es kann der Agnes da draußen nicht wohl gehen.“
Ja, ſie war bitter geſtraft worden für den Hoch⸗ muth, der ſie ſelbſt den Eltern entfremdet hatte!
Der Graf befand ſich in heftiger Erregung, und es kam kein Brief von ihr und keine Nachricht!
Er konnte am andern Morgen kaum die Stunde erwarten, in welcher die Poſtſachen anlangen mußten. Da fand er endlich einen Brief aus Paris, der Lö⸗ wen's Handſchrift trug, von dem er ſo lange Nichts vernommen hatte. An ihn hatte Oskar noch gar nicht gedacht; der mußte Nachricht ſenden, und er athmete ruhiger auf: ſo war ſie doch bei der ſchreck⸗ lichen Kataſtrophe nicht ganz allein, nichi ganz hülflos Ripesſen.
auf und ging in das
Novellen⸗Zeitung.
es kann
Löwen's Brief enthielt eine möglichſt ſchonende Erzählung der Pariſer Vorfälle, und die Nachricht, daß Anna bereits auf der Heimreiſe ſei.
Sofort befahl Graf Oskar ſeinen Wagen, und eilte in die Reſidenz zurück. Anna war noch nicht angekommen.
Nun fuhr er zu jedem Bahnzuge an den Bahn⸗ hof, um ſie zu empfangen.
Am andern Abend endlich langte ſie in der Hei⸗
math an.
„Gott ſei Dank, daß ich wieder daheim bin!“
gen, der ſie liebevoll beim Ausſteigen unterſtützte; „hier wird man es nicht wagen, die Agnes Lindau auszupfeifen!“
Der Graf erbleichte, und das Lächeln erſtarb auf ſeinen Lippen. Er hatte ſie als Geneſener freudig überraſchen wollen, und nun dachte ſie gar nicht an ſeine Krankheit, fragte gar nicht darnach, dachte nur an ſich und an neue Triumphe!
Oskar empfand einen Schmerz in der Bruſt, als ob ein Dolch ihn verwundet hätte.
„Sie hat kein Herz! ſie hat kein Herz!“ rief es klagend und warnend unabweisbar in ſeinem In⸗ nern, und er konnte dieſe Stimme nicht länger über⸗ hören.
Schweigend führte Wagen.
er die Heimgekehrte zum
Vier Wochen waren vergangen, ſttdem Agnes Lindau in die Reſidenz zurückgekehrt war, und dieſe vier Wochen waren hinreichend geweſen, um ihr das frühere Gefühl der Sicherheit verdoppelt zurückzuge⸗ ben, und ihr Hochmuth und übermüthiges Gebahren zeigten ſich greller und hervorſtechender als je. Sie war erfahren genug, um zu wiſſen, daß gerade Pariſer Journale in der deutſchen Reſidenz keine Seltenheit waren, daß alſo ihr Fiasco in Paris kein Geheimniß geblieben ſein würde. Aber ſie war ſchoͤn früher der Liebling des heimathlichen Publicums geweſen, ſie kannte die Macht ihrer Stimme, die Gewalt ihrer Schönheit mit dem ausgezeichneten Spiele verbunden, über daſſelbe; und ihr natürlicher Scharfſtnn lehrte ſie dieſe Vortheile benutzen.
Kaum von den Mühſeligkeiten der Reiſe ausge⸗ ruht, verlangte Agnes aufzutreten und bat den In⸗ tendanten um Rollen, um neue Glanzpartien und um möglichſt öfteres Auftreten. Dem Schützlinge des einflußreichen Grafen Brenken war eine ſolche Bitte nicht gut abzuſchlagen, und Agnes Lindau ſang, ſang mit Leidenſchaft und Hingebung, wie ſie noch nie⸗
mals geſungen hatte. Ihr Ehrgeiz trieb ſie von Auf⸗
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