480 Royellen von Stufen, nicht weit von der Kirche entfernt, gelangt. Der Anblick iſt traurig genug, aber es iſt noch weit melan⸗ choliſcher, Zeuge der vollkommenen Gleichgültigkeit, ja ſogar der ſcherzhaften Weiſe der Führer zu ſein, wie ſie dem Frem— den mit einem Lächeln dieſe letzten Ueberreſte der Verſtor⸗ benen zeigen, die in einer großen Unordnung über einander gehäuft daliegen und vermittelſt des ungelöſchten Kalks, mit dem man ſie von Zeit zu Zeit beſtreut, ſchnell aufgelöſt wer⸗ den.“ C
Die Alpara-Ziegen in Anſtralien. Vor fünf Jahren ließ die Regierung von Neuſüdwales in Peru 300 Alpaca-Ziegen für 15000 Pf. St. ankaufen, um dieſes nützliche Thier womöglich in Neuſüdwales ein—
heimiſch zu machen. Der Verſuch ſcheint gänzlich verunglückt zu ſein, denn von den eingeführten Alpacas lebt nicht eine einzige mehr, und die in 330 Stück beſtehende Nachkommen⸗ ſchaft derſelben iſt in einem krankhaften Zuſtande. Man macht es jetzt der Regierung zum Vorwurf, dieſe Ziegen an einem Orte auf Koſten der Regierung unterhalten zu haben, anſtatt ſie an viele verſchiedene Ortſchaften zu vertheilen, wo es ſich am beſten herausgeſtellt haben würde, ob nicht dieſer oder jener Ort ſich für die Zucht derſelben eigne. In Folge einer Berathung der geſetzgebenden Verſammlung der Colonie iſt beſchloſſen worden, daß die Regierung ſo ſchnell wie möglich die noch vorhandnen Alpaca⸗Ziegen entweder verſteigern oder in einer andern Art darüber verfügen möge, um die daraus entſtehenden Koſten zu beſeitigen. C.
Misrellen. 8
Ein Geiſtlicher erlaubte ſich bei einem in Verſailles
abgehaltenen Hofgottesdienſt auf den König Ludwig XIV. V hinzuzeigen. 3
Der ganze Hof glaubte, daß er für dieſe Ver⸗ wegenheit werde büßen müſſen, als ihn der König zu ſich rufen ließ. Allein dieſer begnügte ſich, ihm zu ſagen: „Mein Vater, ich nehme zwar gern an einer Predigt Theil,
ſelben macht.“— e.
Gerhard Dow, jener berühmte Meiſter der Kleinmale⸗ rei, der oft unter der Loupe arbeitete, erzählte einſt, er habe an einer Hand fünf Tage, an einem Beſenſtiel drei Tage ge⸗ malt; und dennoch ſind die Bilder nicht peinlich und klein— lich, ſondern nur vom höchſten Reiz der Vollendung.— e.
Vom deutſchen Büchermarkt.
Geſchichte des orientaliſchen Alterthums. Von Pahle. Oldenburg, bei Gerhard Stalling. 1864.
Von den älteſten Zeiten bis auf die Perſerkriege iſt hier mit Beihülfe einer ſynchroniſtiſchen Tabelle der hiſtoriſche Verlauf der ſtaatlichen Begebenheiten im Morgenlande dar⸗ geſtellt. Aegypter, Chaldäer, Phönicier, Aſſyrer, die medi⸗ ſchen Perſer und die Neuperſer bis zu Dareios reihen ſich hier in bunten wechſelnden Völkergruppen aneinander. Der Verfaſſer macht nicht Anſpruch eigene Forſchungen geben zu
nimmt auf die Culturzuſtände jener Völker Rückſicht und lie⸗ fert ſomit dem Laien und der erwachſenen Jugend ein Buch,
d
aber ich liebe es nicht, daß man mich zum Gegenſtand der⸗ V
wollen, ſondern verhält ſich nur zuſammentragend; aber er
——:ʒy——ꝛ—ꝛj——
Medigirt unter Verantwortlichkeit von Otlo Sriedrich Duürr in Leipzig.— Verlag der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig.
Jeitung.
in dem ſie in der allgemeinen Weltgeſchichte weit auseinan⸗ derliegende Daten bequem und überſichtlich vereint finden. —— O. B.
Der Himmel auf Erden. Roman von Mützel⸗ burg. Berlin, bei Albert Sacco. 1864.
Wir haben über die drei erſten Bände dieſes Romans bereits ein vorläufiges Urtheil, das nicht zu den ungünſtigen gehörte, ausgeſprochen, und können nun ſagen, daß es ſich größtentheils durch den ſo eben erſchienenen 4., 5. und 6. Band beſtätigt. Der Erzähler hat nicht blos die gute Eigen⸗ ſchaft, patriotiſch für vaterländiſche Intereſſen erwärmt zu ſein und ſittlichen Zwecken zu dienen, ſondern er trägt auch mit Lebendigkeit vor und hat Talent zu friſcher Erfindung.
Dieſe trefflichen Eigenſchaften hindern nicht, daß wir in Summa der Meinung ſind, Mützelburg würde in Zukunft noch mehr Anſprüche auf ſolide Gelungenheit einer Leiſtung im Romanfache befriedigen, wenn er ſich mehr an Einfach⸗ heit und Natürlichkeit der Compoſition und ferner von jener materiell abenteuerlichen Manier hielte, die ſich am beſten durch die Schule von Eugen Sue oder Alex. Dumas be⸗ zeichnen läßt. Lebhafter noch als in erſter Abtheilung tritt dieſer Mangel in der zweiten hervor, trotzdem aber liegen die Fähigkeiten zu Tage, welche dieſe Art zu dichten entbehrlich erſcheinen laſſen.— O. B.
Johann Calvin. Ein evangeliſches Lebensbild von Paul Preſſel. Elberfeld, bei Friedrichs. 1864.
Am 27. Mai dieſes Jahres war der Todestag des Genfer Reformators Calvin, welcher vor 300 Jahren aus dem Leben ſchied.
Es iſt bekannt, daß dieſem Manne neben ausgezeichne⸗ ten Eigenſchaften mancherlei an Grauſamkeit grenzende Härten gegen Abtrünnige, ja Andersdenkende zur Laſt ge⸗ legt ſind. Bei alledem waren die Lebensverhältniſſe und die Charakterentwicklung des Helden ſelbſt nur wenig allge⸗ mein bekannt.
Der gelehrte Verfaſſer hat ſich nun die gewaltige Arbeit gemacht, nach Sichtung aller möglichen wiſſenſchaftlichen Vor⸗ lagen und Documente eine zwar warme, aber doch nicht par⸗
teiliche Biographie Calvin's und ſeiner religiöſen Arbeiten und Kämpfe zu ſchreiben.
Die Leſer werden durch die Lectüre derſelben milder gegen den Sinn jenes ernſten merkwürdigen Mannes ge⸗ ſtimmt werden, und wenn auch durch alle pſychologiſche Er⸗ klärungen und Zeitconſequenzen nicht hinweggelöſcht werden kann, daß er nicht nur ein kühner Denker, ſondern auch ein dictatoriſch⸗fanatiſcher Prieſter war, der zur Ehre Gottes hart bis zur letzten, mehr mathematiſchen als menſchlichen Grenze ſein konnte, ſo muß man doch ſeine Gewiſſenhaftig⸗ keit und enthaltſame Charakterkraft, die ſich eben ſo gegen ſich ſelbſt richtete, bewundern. Zugleich fällt auf manche intereſ⸗ ſante Zeitgenoſſen und religiöſe Verhältniſſe ein intreſan
9
88 L
tes Licht. 6
Inhalt: Die Primadonna. Novelle von Julius Mühlfeld.(Fort⸗
2* ſetzung.)— Der Klausner zu St. Verena. Von A.
. Feierabend.— Gedicht von W, Lies. Heimweh. 3
Feuilletan. Den Freunden der engliſchen Sprache.— Der Ge⸗
neral Dembinski.— Die Berdigung der Todten in Manilla.— Die Al⸗ paca⸗Ziegen in Auſtralien.— Miscellen.— Vom deutſchen Büchermarkt,
4
— Druck von A. Edelmann in 2 1
Eie Mo
Erſcheint regelm jeden Freitag
—
Wir eile in de Heima Graf Miar um in dar fr neſen. Ber weiterſpinne auf die Ver Graf Oska mit ſich in ausbilden z Graf Ridchen in anſtalt, von vatorium be


