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ſchaftsgrade haben alle ſächſiſchen Klang. Die entfernteren Verwandtſchaftsgrade aber, die bei Naturvölkern nicht mehr einzeln unterſchieden und benannt werden, ſind franzöſiſch.
Eben ſo kann man ſagen, alles Vornehme hat in dem engliſchen Wortſchatz einen franzöſiſchen Typus. Ueberhaupt geht durch die engliſche Sprache der Zug, daß die geſuchten, prätentiöfen, aber darum auch weniger anſchaulichen Aus⸗ drücke franzöſiſch, die einfachen, derben, anſpruchsloſen da⸗ gegen ſächſiſch ſind. Feeling iſt ſächſiſch, sentiment fran⸗ zöſiſch,— anger ſächſiſch, ire romaniſch,— wish ſächſiſch, desire franzöſiſch. Ebenſo verhalten ſich mild und gentle, luck und fortune, love und charity.
Ueber den Charakter der Miſchung germaniſcher und romaniſcher Elemente in der engliſchen Sprache iſt zu bemer⸗ ken, daß das Germaniſche wenigſtens 3, das Romaniſche ½ des engliſchen Sprachſchatzes ausmacht. Ferner, daß zwar das Romaniſche als Material benutzt, die Bildungsform aber weſentlich deutſch geblieben iſt. Das plaſtiſche Princip, das innere Leben, der Geiſt der Sprache hat ſeine angelſäch⸗ ſiſche Natur aufrecht erhalten.
Allerdings finden ſich neben dem Germaniſchen und Normanniſchen auch Spuren des Spaniſchen, Portugieſiſchen, Italieniſchen, ſogar des Hebräiſchen vor, wie es denn bei dem ſo vielſeitigen Verkehr eines Handelsvolkes nicht anders ſein kann,— abgeſehn von der Urverwandtſchaft aller ſemi⸗ tiſchen und indo⸗europäiſchen Sprachſtämme.
Die engliſche Sprache iſt, wie wir geſehen haben, ge⸗ V miſcht und zuſammengeſetzt, wie das engliſche Volk. Sie iſt in dieſem Sinne reich, wie ein engliſches Waarenlager, wo⸗ rin ſich die Erzeugniſſe aller Welttheile aufgeſtapelt finden, und mannigfaltig wie ein Markt, worauf ſich Leute aus aller Herren Länder begegnen. f
Sie iſt daher gef
rückſichtsloſeſten Weiſe zu verarbeiten. Sie hat einen guten Magen wie der Engländer ſelbſt.
Dieſe Sprache iſt praktiſch, realiſtiſch, auf's Thatſächliche gerichtet, wie der engliſche Sinn, dabei einſylbig verſchloſſen, wie ſeine Laune. Ihre Wort⸗ und Satzbildung iſt mecha⸗ niſch, den Beugungen iſt ſie abhold. Was in andern, na⸗ mentlich älteren Sprachen durch einen Wechſel der Laute oder eine Abwandlung der Endungen, durch Umlaut, Ablaut ꝛc. erreicht wird, bewerkſtelligt der Engländer durch ein mechaniſches Vorſetzen oder Einfügen einer Partikel ꝛc. In der engliſchen Sprache ſind faſt alle Endungen abgeſtoßen, alle Hülſen zerfetzt, alle Gliederungen verunſtaltet. Was jedoch das Schlimmſte iſt: Vom Geſchehen zum Geſchehe⸗ nen, von dem Thun zur That, von dem flüſſigen Zeitwort zum feſten Hauptwort iſt kein ſprachlicher Uebergang. Man kann weder das Zeitwort als Hauptwort gebrauchen, wie im Deutſchen, noch immer das Hauptwort in die Form des Zeit⸗ wortes zurückbilden. Außerdem, daß die engliſche Sprache an vielen Gliedern gelähmt und verkrüppelt iſt, hat ſie einen halben Starrkrampf, ſie liegt in den Banden einer ſteifen willkürlichen Betonung. Der Accent hat ſich oft, ohne die mindeſte Rückſicht auf Sinn, Geſtalt oder Bedeutung der
Beſtandtheile des Worts, auf beſtimmte Sylben feſtgeſetzt;
daher iſt der rhythmiſche Gang der engliſchen Sprache unna⸗ türlich und gliederpuppenartig.
Dagegen liegt in der engliſchen Sprache etwas Bün⸗ diges, Markiges, Mannhaftes, das iſt ihr edelſter Zug. Man ſieht ihr an, daß ſie das Ausdrucksmittel eines freien ſtarken Volkes iſt. Sie beherrſcht den regen Markt des Le⸗ bens. Einzelne Denker haben unter den Engländern mehr
innerer ſchöpferiſcher Triebkraft.
räßig, bereit, auch das Verſchiedenartigſte in ſich aufzunehmen und in der
Novellen⸗Zeitung.
oder weniger als Anachoreten gelebt, aber zum Leben und zur Literatur des engliſchen Volkes haben ſie keine rechte Be⸗ ziehung. Tiefgehende philoſophiſche Speculationen erſchei⸗ nen den Engländern als Windbeuteleien und werden von ihnen ebenſo verhöhnt, als von den Franzoſen, welche die Philoſophie nach einem Wort des Helvetius definiren als die Kunſt, mit Methode auf Holzwege zu gerathen.
Die Sprache der Deutſchen iſt im weſentlichen rein, un⸗ verfälſcht urſprünglich und gediegen, wie der Gehalt ihrer Gedanken. Sie zeichnet ſich nicht blos aus durch Reichhaltig⸗ keit der Formen, ſondern mehr noch durch die ſtrotzende Fülle Sie iſt kein großartiges Plagiat, wie die engliſche; das deutſche Wort klingt natur⸗ kräftig, wie der erſte Lebensſchrei einer neugebornen Wahr⸗ heit. Das deutſche Volk hat ſeinen Sprachreichthum nicht aus allen Gegenden der Erde zuſammengetragen, ſondern aus den Tiefen ſeines eigenen Geiſtes hervorgearbeitet. An der deutſchen Sprache iſt nichts mumienartig, abgeſtorben, verknöchert. In Wurzeln und Zweigen, in Stamm und Blättern kreiſt überall der friſche Saft des Lebens und treibt Blüthen ohne Unterlaß. Das Deutſche iſt daher nicht me⸗ chaniſch wie das Engliſche. Der Accent iſt bei uns nirgend knechtiſch an eine Sylbe gebunden, ſondern legt ſich in wech⸗ ſelndem Rhythmus auf diejenige Sylbe, worin ſich die Be⸗ deutung des Worts oder der Nachdruck des Gedankens aus⸗ ſpricht.
Wir weiſen in Bezug auf den alten und immer noch fortgehenden Kampf zwiſchen Angelſachſenthum und Nor⸗ mannenthum auf das zurück, was wir in dieſen Blättern bei Gelegenheit der Robin-Hood⸗Balladen(übertragen von Anaſt. Grün) geſagt haben, und wollen noch mit der gewiß intereſ⸗ ſanten Bemerkung mancher Reiſenden ſchließen: daß ſich die engliſche Sprache in Hinſicht ihres unklaren disharmo⸗ niſchen Klanges in der helleren ſonnigern Luft von Amerika wohltönender zu geſtalten ſcheint. 6.
Der General Dembinski.
In dem General Dembinski, der am 12. Juni in Paris geſtorben iſt, hat die polniſche Emigration einen ihrer aus⸗ gezeichnetſten Männer und größten Patrioten verloren, und da er während ſeiner Lebenszeit manche hohe Stellungen be⸗ kleidet hat und ſein Name in der Geſchichte ſeines Vaterlan⸗ des für immer eine hervorragende Stellung einnehmen wird, ſo glauben wir, daß unſern Leſern die folgenden Angaben über ſein viel bewegtes Leben nicht unwillkommen ſein werden.
Woiwodſchaft Krakau geboren. Sein Vater war Deputirter im polniſchen Landtage, und als ſolcher war er einer der
wärmſten Vertreter der Unabhängigkeit ſeines Vaterlandes. Seine militäriſche Erziehung erhielt H. Dembinski in der Militärſchule zu Wien, wo ihm nach Beendigung ſeiner
Studien ein Officierpatent in der öſterreichiſchen Armee an⸗ geboten wurde.
V 9. Juli 1807 geſtiftet und von Napoleon I. dem König
Friedrich Auguſt von Sachſen übertragen worden war. Später trat er in die polniſche Legion, welche im franzöſiſchen Dienſte ſtand und ſo tapfer für Napoleon kämpfte. In die⸗
ſer Stellung machte er den Feldzug im Jahr 1812 in Nuß⸗
Heinrich Dembinski wurde vor achtzig Jahren in der
Er lehnte daſſelbe ab und zog es vor, als Freiwilliger in das Heer des Großherzogthums Warſchau V einzutreten, das in Folge des Tilſiter Friedens vom 7. und
nlenka, in de
Szug von üriß laals Dioiſions⸗Ge ach einem anhalter der beinah 300 Stun nen Feind nicht alte, wurde er do zuſtasmus empfang aß Dembinski un erdient gemacht hä ofehlshaber des N en Spaltungen ein usgebrochen waren anen Nebenbuhler Genten augeſtiftet or ernennen zu la er ſeine Popularit als Warſchau über ſeſte von Rylinski och in Folge der ich er ſich bald gez d uach Dresden z Frankreich, wo tthauen veröffentle Sis wurde die I alc. Er ging!
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