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„Gott ſei gelobt!“ rief ich aus und fiel dem ed⸗ len Briten mit Freudenthränen in den Augen um den Hals.
Der wackere Freund erzählte mir nun Folgendes „Nachdem ich Maria ohne Erfolg in den entlegenſten Winkeln Venedigs geſucht hatte, erreichte ich mit Tagesanbruch den Marcusplatz und traf dort einen meiner Diener. Dieſer meldete mir, er habe nach Beendigung des Schauſpieles an jenem verhängniß⸗ vollen Abende einen Spaziergang am Meeresgeſtade machen wollen. Da ſeien plötzlich acht vermummte und feſte Männer dahergekommen, welche in ihrer Mitte eine verſchleierte Frau mit Gewalt fortgeſchleppt und auf ein ſegelfertiges Schiff gebracht hätten, wel⸗ ches dann ſogleich die Anker gelichtet habe und in die See geſtochen ſei. Trotz dem Brauſen des Mee— res habe er die Frau deutlich den Namen„Lorenzo! Lorenzo!“ rufen hören. kraftvoller Lichtſtrahl in die dunkle Nacht der Ent⸗ führungsthat. Sogleich eilte ich auf ein engliſches Schiff, deſſen Befehlshaber ein guter Bekannter von mir war, und dem ich die Entführungsgeſchte erzählte. Treuherzig reichte mir der bewährte Seemann ſeine kräftige Hand und ſprach: Seid unbeſorgt, Mylord, die Räuber wollen wir ſchon einholen.⸗
Ich hatte ſechs wohlbewaffnete Diener bei mir. Der Wind war uns günſtig. Pfeilſchnell ſchoß unſer guter Segler dahin. Wir hatten, ohne zu wiſſen warum, unſere Richtung gegen Trieſt hin genommen. Als wir in den Golf dieſer aufblühenden Handelsſtadt einliefern, gewahrten wir in geringer Entfernung vor uns einen venetianiſchen Schnellſegler, der eben in den Hafen von Capo d'Iſtria einlaufen wollte. Wir ließen noch einige Segel beiſetzen und ſchoſſen mit Blitzesſchnelle hart an ihm vorüber. Zu meinem Er⸗
ſtaunen erblickte ich unter den Leuten auf dem Ver⸗
deck jenen jungen Mann, welchen Maria mir im The⸗ ater als ihren Vetter Adolfo Cornaro bezeichnet hatte. Ich theilte meine Entdeckung dem Schiffs⸗ hauptmann mit. Dieſer gab auf der Stelle Befehl, den Lauf des Schiffes zu hemmen.
Sobald das venetianiſche Fahrzeug nahe genug herangekommen war, griffen wir daſſelbe ſogleich ent⸗ ſchloſſen an. Es war ſchlecht bemannt, und daher ſein Widerſtand nur ſchwach und kurz. Wir enterten es und ſprangen hinüber. In der Kajüte des Haupt⸗ mannes fanden wir Maria erſchöpft auf dem Boden liegend, und Cornaro auf den Knieen, ihr eifrig in die Ohren flüſternd. Einige meiner Diener und zwei handfeſte Matroſen waren mir gefolgt. Ich packte mit ihnen den Entführer und ſchleppte ihn auf's Ver⸗ deck. Der Elende fiel vor mir auf die Kniee. Ich
Dieſe Worte waren mir ein
Novellen⸗Zeitung.
hielt ihm mein Doppelpiſtol vor die Stirn und don⸗ nerte ihm zu: Bekenne, Schurke, oder ich ſchieße Dich nieder! Biſt Du Maria's Räuber?⸗
„Ja,» ſtammelte er bebend vor Angſt und be— kannte weiter: er habe trotz all des Taumels ſeiner Ausſchweifungen der unglücklichen Liebe zu Maria nicht Herr werden mögen, und die Gluth ſeiner Lei⸗ denſchaft ſei an jenem Abende, als er ſie im Theater geſehen, mit neuer Macht in ſeinem Herzen aufgelo⸗ dert. Da habe er den verzweifelten Entſchluß gefaßt, mit Gewalt zu erlangen, was engelreine Tugend ihm verſagt hätte. Aber er habe ſich über ſein Verbrechen nicht freuen können. Ein hitziges Fieber habe die Entführte ergriffen, und ſeither ſei ſie wahnſinnig geworden und kenne ihn nicht mehr. Bei dieſen Worten war ich meines Zornes nicht mehr mächtig.
Ich faßte den Buben mit eiſerner Fauſt und warf ihn ins ſchäumende Meer, das ihn ſogleich vor mei⸗
nen Augen verſchlang.“
Kaum hatte der edle Lord ſeine ſchauderhafte. Erzählung beendigt, da wurde mein unglückliches Weib, von mehrern Frauen unterſtützt, in das Zimmer ge⸗
führt. Ach Gott! ſie war in einem entſetzlichen Zu⸗ ſtande. Blühend, wie eine Roſe hatte ich ſie ver⸗ laſſen. Jetzt ſaß ſie da, zuſammengeſunken, leichenblaß,
zu kennen, ohne meine zärtlichen Liebkoſungen zu er⸗ widern, mit allen Zeichen ſtillen, ſtummen Wahnſinnes. umſonſt blieb die ſorgfältigſte Pflege, umſonſt das Kunſtbemühen der ausgezeichnetſten Aerzte. Die plötz⸗ liche Gewaltthat hatte ihr zartes Nervenſyſtem derma⸗ en erſchüttert, daß der krankhafte Eindruck unheil⸗ V bar blieb.
In düſterm Wahnſinn war das theure Weib lebend uns Allen bereits ſchon abgeſtorben. Aber mein Leidensbecher war Noch nicht auf die Hefen ge⸗ leert. Noch war mir eine Freude, ein Troſt geblie⸗ ben, mein einzig Kind, mein Pippo. ſes ſollte mir entriſſen werden. ten unter den Kindern der Lagunenſtadt, ergriffen meinen Pippo und rafften ihn unerbittlich aus meinen Armen.
Als ich im Jammer über mein zerſtörtes Lebens⸗ glück verſunken daſaß, ſtand plötzlich Adolfo, der Ver⸗ worfene und Todtgeglaubte, vor mir, entblößte ſeine Bruſt, und reichte mir einen Dolch, indem er mich
ue erloſchenem, irrem Blick, theilnahmlos, ohne mich
Glühend kochte die Rache auf in meinem ſchwerge⸗ prüften Herzen, beim Aublick des verzweifelnden Zer⸗ ſtörers meines ſchönen Lebensglückes, und ſchon hatte meine Fauſt den todbringenden Dolch erfaßt. Da flog aber der Gedanke mir durch die Seele, ich ſei nur
Ach, auch die⸗ Die Blattern wüthe⸗
aufforderte, Rache zu nehmen und ihn niederzuſtoßen.
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