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Rovellen⸗Zeitung.
feſt entſchloſſen geweſen, heute Morgen zu Agnes noch ſo jung; wo ſoll ſie auch, die Verzärtelte, die
Lindau zu gehen, ihr von der
Geneſung des Grafen Kraft hernehmen, ſolche widrige Schickſalsſchläge zu
Brenken Mittheilung zu machen und ihr dabei in ertragen? Sie ſind ein Freund des Grafen Brenken,
biederer deutſcher Weiſe ſeine Meinung zu ſagen.
Jetzt war die Kataſtrophe in der Oper gekom⸗ men, welche den Hochmuth der Künſtlerin auf das Bitterſte ſtrafte, und nun beklagte Löwen ſie doch und war entſchloſſen, ſobald es die Schicklichkeit erlauben würde, zu ihr zu eilen, ihr ſeine Dienſte anzubieten und ſie nöthigenfalls mit ernſtem Freundestroſte em— porzurichten.
Er konnte ſich denken, wie furchtbar das junge Mädchen durch die geſtrigen Vorfälle erſchüttert ſein mochte. Hatte er doch ſelber noch geſehen, wie ſie ohnmächtig auf der Bühne zuſammenſank; doch war es nicht möglich geweſen, zu ihr zu gelangen, und er ſchloß wohl nicht mit Unrecht, daß ſie nun, da ihre ſtolzen Illuſionen ſo furchtbar zertrümmert waren, ſich in der großen Stadt hülflos und verlaſſen fühlen würde, wo man ihr ſo wenig freundlich begegnet war, Es iſt das ja eine ſtete Erſcheinung bei verzogenen Kindern des Glückes, daß ſie jedem Wechſelfalle deſ⸗ ſelben rath⸗ und faſſungslos gegenüberſtehen.
Auch mit Agnes Lindau war es nicht anders. Sie hatte den giftigen Artikel von Jules geleſen, und wiederum war es um ihre mühſam erkämpfte Faſſung geſchehen. Sie ruhte weinend und gebrochen in ihrem Schlafzimmer— das achtzehnjährige Mädchen fühlte ſich entſetzlich unglücklich und verlaſſen— und es war dem Fräulein Marianne unmöglich, eine klare Ant— wort oder eine Beſtimmung von ihr zu erlangen. Agnes hatte keinen Willen mehr; ihr Hochmuth war zerſplittert und ſelbſt ihr Trotz gebrochen.
Die ſiebente Stunde war da, und Löwen wartete noch immer auf die Journale. Man brachte ſie ihm endlich mit dem Kaffee zugleich; doch ließ er heute den duftenden Trank erkalten und griff zuerſt nach den Zeitſchriften. Wie er gefürchtet hatte, ſo fand er es eingetroffen: in ſämmtlichen Blättern ſtanden vernich⸗ tende Artikel gegen die deutſche Sängerin; der ſchärfſte aber trug den Namen Jules.
Als Löwen die Blätter durchflogen hatte, machte er Toilette und ging in das Höôtel Agnes Lindau's.
Er erſchien der rathloſen Marianne wie ein ret⸗ tender Engel.
„Gott ſei Dank, daß Sie kommen, Herr von Löwen!“ rief ſie aufathmend ihm entgegen,„bei uns ſieht es nicht gut aus. Das Fräulein liegt und weint verzweiflungsvoll, ohne ſich faſſen zu können. Sie will abreiſen, aber ich kann keine Beſtimmung darüber
von ihr erlangen, ſie iſt ſeit dem unglücklichen geſtri⸗ gen Abende wie umgewandelt. Ach Gott, ſie iſt ja
Herr Baron; ich bitte Sie, nehmen Sie ſich unſer an, der Graf wird es Ihnen danken, denn er hält viel auf Fräulein Lindau.“
Löwen blickte erſtaunt die Sprecherin an. Er hatte die kleine, unbedeutende und nicht mehr ganz junge Blondine mit den ſanften blauen Augen und dem beſcheidenen Weſen geſtern nicht beachtet; jetzt fiel ſie ihm auf, und das Vertrauen, die Sorge und die Hülfloſigkeit des ſchwachen Weibes, welche rührend aus den edlen Zügen ſprachen, zogen ihn unwillkürlich an. Sie war nicht ſchön und nur ein unbedeutendes Feldblümlein neben Agnes Lindau, deren glühende Schönheit einen ſüdlichen Schimmer trug; aber in ihren Zügen lag ſo viel Anziehendes, aus ihren Augen ſprachen ſo viele edelſte Gefühle, daß Löwen ihr über⸗ raſcht gegenüber ſtand und ſie bedeutend lieblicher finden mußte, als ihre Herrin. Dabei glaubte er et⸗ was Bekanntes in ihren Zügen zu entdecken; wie eine längſt verſchollene Erinnerung blickte es ihm aus denſelben entgegen; er wußte es im Augenblicke nicht zu deuten und vergaß über Marianne die weinende Sängerin.
Ohne auf ihre Anrede zu erwidern, folgte er dem Strome ſeiner Gedanken und fragte:„Ich bitte Sie, Fräulein, helfen Sie doch meiner Erinnerung auf; ich muß Sie kennen, muß Sie bereits geſehen haben, oder irrte ich mich doch? Kamen Sie niemals mit einer Familie von Löwen in Berührung?“
„Ihre Erinnerung täuſcht Sie nicht,“ erwiderte Marianne unter leichtem Erröthen,„ich heiße Mari⸗ anne von Löwen, und in früheren glücklicheren Tagen haben wir als Kinder öfters mit einander geſpielt, wenn Ihre Frau Mutter mit Ihnen meine ſelige Mutter beſuchte.“
„Sie die kleine Marianne! O, nun erinnere ich
mich deutlich, Sie tragen die Züge Ihrer Mutter, und dieſe iſt es, deren Bild meiner Erinnerung vorſchwebt.
Aber Sie hier, Marianne, in dieſen Verhältniſſen, als
Geſellſchafterin einer Sängerin?“
„Die Umſtände ließen mir beim Tode meiner
guten Mutter keine große Wahl. Wir waren arm; ich war gezwungen, für mich ſelber um Brod zu ſor⸗
gen, und mein Verhältniß zu Baünlin ndaanes. nit einem Laä em Läch llauen Augen B glück geleſen.
doch mehr ein freundſchaftliches, als ein dienſtliches, welches wohl ſonſt unrettbar mein Loos geworden wäre. Auch halte ich die Arbeit für keine Schande und befinde mich wohl und glücklich dabei. Das wech⸗ ſelnde Leben und die Reiſen der Künſtlerin gewähren
auch mir Annehmlichkeiten und Gelegenheit, wenigſtens
mit Kanzendee Wie ſiebreizend war ſeine Venva
ahre! Marianne kel
Se einzutketen. S ihrer Eutdeckung ſich zuweilen, abe Berüht
ſieß auch „O Baton, alle Zeiten vern⸗ Künſtlerin unter und rang rathlo Nur mit M
Aufgeregte einige
evernünftige Vorſt
Aach er niet einen Plan derſe Agnes will ſtehen; das aber reiſen müßte, un
aukommen, und aicht eher, bis
aken hatte. Dann athu hinte ſich wußt richkten auch E euain Häupte ſernen Oſten, in anbetend gehuld ſterne ſchwmern Baron Rud don einander N gerin ihre Veh
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daß ſie ihn nie


