Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
469
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Vierte Folge.

bringen. Sie hatte keinen anderen Gedanken, als den ihrer Schmach, empfand nichts Anderes, als den furchtbar brennenden Schmerz eines tödtlich verwun⸗ deten Ehrgeizes.

Die Natur forderte endlich ihr Recht von der Erſchöpften; unter Thränen entſchlummerte ſie, um am Morgen zum neuen Bewußtſein des ihr angethanen Schimpfes zu erwachen.

Mir das! Mir, der gefeierten Lindau! rief ſie in zorniger Verzweiflung;dieſe Pariſer können keine Menſchen, ſie müſſen Beſtien der Wildniß, ſie müſſen laubdürſtige Hyänen ſein! Ich bin für alle Zeiten beſchimpft; mein Ruf iſt vernichtet, mein Ruhm ent⸗ blättert! Wo ich den höchſten Triumph der Kunſt zu feiern hoffte, gab man mir den Todesſtoß! O, mir bleibt nichts übrig, als der Tod; lieber todt, als be⸗ ſchimpft! rief ſie mit verzweifeltem Aufſchrei und ſank ichzend in die Kiſſen des eleganten Sophas.

Der Ton der Glocke rief die rathloſe Marianne hinaus. Es war der Unternehmer der deutſchen Oper in Paris, welcher ſich melden ließ. Er hatte die Künſtlerin zum Gaſtſpiele engagirt, und ſie konnte ihn nicht gut abweiſen laſſen.

Er fand die Sängerin bleich und verſtört, die wundervollen Augen erglänzten noch im feuchten Thrä⸗ nenſchimmer.

O, Sie Unglücklicher! rief Agnes Lindau ihm intgegen,Sie haben mich verführt, hierherzukommen und vor dieſen Hottentotten zu ſingen. Sie ſind mein Mörder; Sie haben mich um Alles, haben mich um meinen Ruf gebracht!

Sie ſind ungerecht, gnädiges Fräulein, ent⸗ gegnete der ſo bitter Beſchuldigte ruhig;nicht ich, ſondern Sie ſelber haben ſich um Ihren Erfolg ge⸗ bracht, haben mir unberechenbaren Schaden bereitet und mein Inſtitut, welches ſo wie ſo unter ſchwieri⸗ gen Verhältniſſen beſteht, in ſeinen Grundveſten er⸗ ſhüttert. Zum erſten Male iſt in meinem Hauſe eine Oper nicht zu Ende geſpielt und eine Künſtlerin aus⸗ gepfiffen worden; Sie, mein Fräulein, haben mit Ihrem ſündhaften Hochmuthe einen Schandflecken auf mein Unternehmen geſchleudert!

Sie müſſen raſen, mein Herr, um mir das zu ſagen; mir, die in Ihrem Hauſe beſchimpft wurde! Pas verlangt Ihr Publicum denn von einer Künſt⸗ brin, wenn ihm meine Leiſtungen nicht genügen, die das Entzücken meines Vaterlandes ſind?

Ihr Geſang, mein Fräulein, war unübertreff⸗ lich ſchön, und ich geſtehe Ihnen offen, daß ich noch niemals mit ſo reinem Entzücken eine Agathe hörte als die Ihrige. Sie würden auch unſer Publicum enthuſiasmirt haben, wenn das nicht wäre verhindert

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worden. Aber in Paris darf man nicht allein gut ſingen, man muß auch Freunde oder darf doch we⸗ nigſten keine erbitterten Feinde haben.

Hätte ich denn ſolche, mein Herr? ich, die in Paris völlig Fremde, welche kaum zwei Menſchen in der ganzen großen Stadt kennt? Sie ſprechen in Räthſeln und wollen wahrſcheinlich mir nun die Schuld aufbürden für einen Vorfall, der doch mich am furchtbarſten angeht, mich im tiefſten Leben verwun⸗ det hat, und der mir alle Zukunftsausſichten, wenn ſicht zertrümmert, doch ſchmälert.

Und doch, mein Fräulein, Sie haben Feinde, einflußreiche, mächtige Feinde, deren Rache Sie zum Opfer fielen.

Erklären Sie foltern Sie mich nicht! Wer haßt mich hier, wer kann mich hier haſſen?

Die Journaliſten, Fräulein Lindau; die Jour naliſten haben Sie auspfeifen laſſen und vollenden ihre Rache in den heutigen Journalen.

Die Journaliſten! hauchte Agnes tonlos,jetzt begreife ich Alles!

Sehen Sie ſelbſt, fuhr der Unternehmer fort, leſen Sie dieſe unerbittliche Kritik über Ihr Auf⸗ treten; ich kann keine zweite Vorſtellung mit Ihnen wagen, und muß Ihnen das Gaſtſpiel kündigen.

Keine Macht der Erde brächte mich noch ein mal auf eine Pariſer Bühne! rief die Sängerin und hob den Arm empor, als wollte ſie eine ſchreckliche Erſcheinung abwehren;ich werde noch heute abreiſen, mein Herr, und mag Paris nicht, niemals wiederſe⸗ hen. Leben Sie wohl!

Sie grüßte leicht und trat ſchnell in das anſto ßende Gemach. Der Unternehmer ging kopfſchüttelnd hinweg, die Sache war ihm ſehr fatal, und er über⸗ legte auf dem Wege nach ſeiner Wohnung angele⸗ gentlich, auf welche Weiſe er den Eindruck des geſtri⸗ gen Abends im Publicum am beſten verwiſchen könne.

Rudolph von Löwen war an dieſem Morgen nicht in der Stimmung, um zu arbeiten. Er ging aufge⸗ regt im Zimmer auf und nieder und blickte zuweilen ungeduldig nach der Uhr. Er wartete auf die neuen Journale, um die Berichte über die geſtrige Oper zu leſen, von deren Tone und Inhalte er ſich im Vor aus deutliche Vorſtellungen machen konnte.

Agnes' Weſen und ihr arrogantes und ſelbſti⸗ ſches Auftreten, ihre Herzloſigkeit dem Leiden des kranken Wohlthäters und eigentlichen Schöpfers ihres Künſtlerdaſeins gegenüber, hatten einen übeln Ein⸗ druck auf den Baron gemacht. Wir haben geſehen, auf welche Weiſe er ſich ſchnell Kunde über das Be⸗ finden des Jugendfreundes verſchaffte, und er war