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daß man die Pariſer Journaliſten nicht beleidigen darf.“ 2
„Oho!“ lachte ſie übermüthig,„was ſollen dieſe armſeligen Scribenten der Agnes Lindau anhaben können, deren Stimme Jeden bezauberte, der das Glück hatte, ſie zu hören! Beruhigen Sie ſich voll— ſtändig, lieber Baron, ein paar mißgünſtige Jour⸗ naliſten ſind mir höchſt gleichgültig.“
„Möge Ihr Vertrauen ſiegreich ſein,“ entgegnete Löwen verbindlich, indem er ſich erhob,„und Niemand wird freudiger herbeieilen, Ihnen Glück zu wünſchen, als Ihr gehorſamer Diener.“
„Das hoffe ich, mein lieber Baron; Sie werden doch heute Abend in der Vorſtellung ſein?“
„Ich werde nicht verfehlen, gnädiges Fräulein, und wenn Ihnen in der fremden Stadt die gewon⸗ nene Erfahrung oder der Arm eines Freundes nütz⸗ lich werden könnte, ſo befehlen Sie vollſtändig über mich.“
„Ich danke Ihnen, ich danke Ihnen herzlich, Baron Löwen; jedoch hoffe ich, keinen Gebrauch da⸗ von zu machen. Agnes Lindau fürchtet ſich nicht und vor nichts.“
Der Baron empfahl ſich.„Hochmüthiges Ge⸗ ſchöpf!“ dachte er zürnend;„und doch, Hochmuth wäre dem verzogenen Kinde zu verzeihen geweſen, die Herz⸗ loſigkeit aber niemals!“ Und er eilte nach dem Tele⸗ graphenbureau. Ein Telegramm flog nach der deut⸗ ſchen Reſidenz, welches von einem Bekannten Nach⸗ richt über das Befinden des Grafen Oskar forderte, und Löwen verließ das Bureau nicht früher, als bis die Antwort angelangt war, welche dem Hocherfreuten verkündigte, daß der Freund geneſen und wieder wohl auf ſei.
ungeſtraft
Unter ſtürmiſchem Lärmen, in welchem man einen
hartnäckigen Kampf zwiſchen Applaus und wüthendem Ziſchen, Pfeifen und Klopfen zu unterſcheiden ver⸗
mochte, fiel der Vorhang mitten im Acte.
Nach dem Gebete Agathens„leiſe, leiſe, fromme Weiſe,“ hatte die Unruhe, welche ſchon ſeit dem An— fange der Oper andauerte, einen bedenklichen Cha⸗ rakter angenommen. Von rerſchiedenen Seiten er⸗ tönte grelles Pfeifen und Lärmen; Applaus miſchte ſich oppoſitionell damit, und das Geſchrei des Un⸗ willens und das Rufen nach Ruhe vermehrte noch den Tumult, welchen grelle Pfeifentöne ſchrecklich über⸗ tönten. Es war keine Möglichkeit, daß weiter ge⸗
ſpielt werden konnte, und der Regiſſeur ließ den Vor⸗ hang in dem Augenblick fallen, als er Fräulein Lin⸗ dau todtenbleich wanken ſah.
Der Freiſchütz konnte nicht zu Ende gegeben
Novellen⸗Zeitung.
werden. Agnes Lindau wurde ohnmächtig von der Bühne getragen.
Das Lärmen dauerte noch eine Weile; wie ſturm— erregte Wogen raſ'te es durch die weiten Räume des Hauſes, aus welchem die vornehme Welt bereits ent⸗ flohen war; allmählich ſich beruhigend, bis es nach einer Viertelſtunde völlig leer ſtand, und die Thea⸗ terdiener die⸗Gasflammen auslöſchen konnten.
Auch Rudolph von Löwen war in der Oper ge⸗ weſen und hatte Agnes Lindau's Fiasco miterlebt. Ihm that das junge Mädchen leid, deſſen vollendet ſchöne Kunſtleiſtung ihn enthuſiasmirt hatte, wie ſo viele Andere, welche der Freude und dem Intereſſe an der Kunſt in das Opernhaus gefolgt waren; aber die geſchickt im ganzen Hauſe vertheilten böſen Ele⸗ mente hatten geſiegt, hatten einer Künſtlerin Fiasco bereitet, welche unzweifelhaft berufen war, ein erſter Stern der deutſchen Oper zu werden.
Löwen begriff genau, woher der Schlag gekom⸗ men war. Der beleidigte Stolz der Pariſer Jour⸗ naliſten hatte ſich furchtbar gerächt; Löwen konnte Monſieur Jules' gewitterſchwüles Ausſehen und ſeine zornblitzenden Augen nicht vergeſſen, und er hatte ſchon geſtern Aehnliches befürchtet, nachdem er den beleidigten Herren der Preſſe im Hötel der Künſtle⸗ rin begegnet war. zahl Claqueurs im ganzen Hauſe geſchickt vertheilt. Ihr Pfeifen mußte unter allen Umſtänden das Signal⸗ zu einem Sturme werden, und ſeandalſüchtige Men⸗ ſchen finden ſich überall, denen ſolche Vorfälle Freude und mehr Vergnügen bereiten, als ein regelmäßiger Verlauf der Vorſtellung.
Die böſen Elemente hatten geſiegt. Agnes Lin⸗ dau hatte ein glänzendes Fiasco erlebt, und die Jour⸗ naliſten würden es in ihrem eigentlichen Reiche voll⸗ enden; die Sängerin konnte kein zweites Auftreten wagen, würde jedenfalls gar nicht dazu gelangen, auch wenn ſie es wagen wollte.
Agnes Lindau dachte aber gar nicht daran. Nach langem Bemühen war ſie unter Fräulein Marianne's Sorgfalt aus ihrer tiefen Ohnmacht erwacht und hatte ſich nach Hauſe fahren laſſen.
Mit aber auch die volle Erkenntniß der Schmach über ſie gekommen, welche man ihr bereitet hatte, und furcht— bar war der Kampf in ihrem ſtolzen und ehrgeizigen Herzen. Thränen der Wuth perlten aus den flam⸗ menden Augen und ſielen wie ätzendes Gift auf das ohnmächtig zuckende Herz; und unter krankhaftem Schluchzen gelangte ſie endlich mit der geängſtigten Marianne in ihre Wohnung.
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Die Journaliſten hatten eine An⸗
dem Wiederkehren des Bewußtſeins war
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