Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
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ihn in die Staatsrathſitzungen zog. Zuerſt mäßig, ſchlug er bald über alle Grenzen, verlangte abſolute Unterwerfung unter ſeinen Willen und brachte alle Geſchäfte in Unordnung. Der König mußte ihn des Vorſitzes in dieſem ernſten Collegium entheben.

Hierüber gerieth er auf's Neue in Zorn, ver⸗ ſchwendete ſein Geld und als er endlich ſah, daß der König ſein Verſprechen, mit ihm dem Alba gen Flandern nachzufolgen, nicht hielt(denn es war Phi⸗ lipp nie Ernſt damit und es genügte ihm, als er erfuhr, daß die Grafen Horn und Egmont nebſt andern Gro⸗ ßen eingekerkert waren), ja als er auch deutlich ſah, daß ſein Vater ſeine Vermählung mit der Prinzeß Anna ganz unbeſtimmt hinausſchieben wollte, ſo kam er auf die ſchlimmſten Abwege. Sein Haß wurde tödtlich.

Endlich verfiel er auf den Gedanken eines heim⸗ lichen Entweichens aus Spanien, wobei wohl kein organiſirter Plan vorlag. Er entdeckte ſich ſeinem Jugendfreunde, dem kaiſerlichen Baſtard und berühm⸗ ten Seehelden Don Juan von Oeſterreich, welcher ſich mit an dieſer rebelliſchen Handlung betheiligen ſollte, es aber für ſeine Pflicht hielt, dem König heimlich davon Nachricht zu geben.

Ferner erklärte Don Carlos in der Beichte, daß er gegen Jemand einen tödtlichen Haß im Herzen hege; man verweigerte ihm die Abſolution, und end⸗ lich überliſtete ihn der Beichtvater, indem er ihm vorſchwatzte, vielleicht könne man ihn doch abſolviren, wenn er den Namen ſeines Feindes nenne. In dieſe Falle ging der Unbeſonnene und nannt ſeinen Va⸗ ter. Der Prior beeilte ſich, dem Könige dieſes ſo eben erfahrene Beichtgeheimniß zu verrathen.

Endlich am 18. Jan. 1568 ſchritt Philipp zur Entſcheidung über ſeines Sohnes Schickſal. Nachdem er ſich mit wenigen getreuen Räthen, Eboli, Feria, dem Prior Don Antonio und Luis Guijada, bera⸗ then hatte, ſtieg er, von ihnen und zwei ſeiner Kam⸗ merherren begleitet, zu den Gemächern des Prinzen herab. Zwei Hofdiener, mit Hämmern und Nägeln verſehen, folgten dem Zuge, ſo wie ein Lieutenant mit zwölf Mann der königlichen Leibwache. Feria, ein Licht in der Hand, ging voran. Der König trug einen Panzer unter ſeinem Gewand und einen Degen unter dem Arm. Sein Haupt war mit einem Helm bedeckt. Er befahl dem Grafen von Lerma und Don Rodrigo de Mendoza, die in den Zimmern des Prinzen Kammerherrndienſte thaten, Niemand hereinzulaſſen.

Der Mechanikus de Foix hatte auf Befehl des Königs, und ohne daß der Prinz etwas davon ahnte, die Bewegung der Thürriegel des Schlafgemachs ge⸗ hemmt und dadurch das Schließen der Thüͤre unmög⸗

Zeitung.

lich gemacht. Der Konig und ſein Gefolge ſtießen daher auf kein Hinderniß, um in daſſelbe zu gelangen. Philipp ließ ſich zunächſt nicht blicken, die Miniſter gingen zuerſt hinein und bemächtigten ſich eines De⸗ gens, eines Dolches und eines geladenen Gewehrs, welche Don Carlos neben ſeinem Kopfkiſſen liegen hatte.

Durch das Geräuſch aufgeweckt, rief der Prinz: wer da ſei? Einer der Herren antwortete: der Staats⸗ rath. Don Carlos raffte ſich plötzlich auf und wollte nach den Waffen greifen. Da trat der König vor ihn.Was ſoll dies? rief ihm der Prinz zu, will Eure Majeſtät mich ermorden? Philipp for⸗ derte ihn auf, in's Bett zurückzugehen und ſich ruhig zu verhalten, und ſagte, daß er alsbald ſeinen Willen erfahren werde, es handle ſich nicht darum, ihm ein Uebel zuzufügen, im Gegentheil, was geſchehe, be⸗ zwecke ſein Heil und ſein Wohl. Er befahl darauf den zwei Hofdienern, die Fenſter des Schlafgemachs des Prinzen ſo feſt zu vernageln, daß ſie nicht mehr geöffnet werden könnten, ließ alle Waffen und alles, was von Eiſen ſich vorfand, wegnehmen und dann ſo⸗ gleich Nachforſchung wegen der Papiere ſeines Sohnes anſtellen. Die Papiere waren in einem kleinen Koffer verſchloſſen, welchen der König ſogleich in ſein Cabi net bringen ließ.

Außer einer Anzahl von Briefen an Vornehme und hohe Beamte des Reiches, denen er über ſeine Zurückſetzung Erklärungen gab und ſie unter Ver⸗ ſprechungen aufforderte zu ihm zu halten, fand man auch eine Liſte mit den Namen ſeiner Freunde und Feinde. An der Spitze der Letztern ſtand der Name des Königs, auf der Liſte ſeiner Freunde ſtand oben an die Königin..

Die Verzweiflung des Don Carlos, als er ſich ſeiner Freiheit beraubt ſah, war grenzenlos. Er warf ſich ſeinem Vater zu Füßen und rief:Möge Eure Majeſtät mich tödten, aber nicht einkerkern, dies würde für die Königreiche ein großes Aergerniß ſein. Wol⸗ len Eure Majeſtät mich nicht tödten, ſo werde ich es ſelbſt thun. Als er dieſe Worte geſprochen, wollte er ſich in das flammende Feuer ſeines Kamins wer⸗ fen, ward aber vom Prior Don Antonio davon ab⸗ gehalten.

Von dieſer Zeit an erblickte Carlos die Freiheit nicht wieder. ſcheint nicht beſonders geweſen zu ſein. Der König ſuchte den Glauben zu verbreiten, daß er gänzlich wahnſinnig ſei, doch davon war nicht die Rede, wenn auch ſein Zuſtand die Unſchädlichmachung entſchul⸗ digte. Uebrigens benahm ſich Philipp nun hart und unverſöhnlich gegen den Gefangenen, denn obgleich

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