456
wartet. Es iſt ausgemacht, daß der Vater den Sohn ſpäter nur gefangen ſetzen ließ, niemals aber ſeinen Tod veranlaßte, geſchweige denn einen geheimen Mord an ihm beging.
Die Leſer werden bald ſehen, wie natürlich es war, daß der nur mittelmäßig begabte, aber doch mit ge⸗ ſunden fünf Sinnen bewaffnete Philipp eine ſehr tief ſtehende Meinung von den Anlagen ſeines Sohnes faſſen und dieſen nicht bloß zur Nachfolge für un⸗ fähig, ſondern ſogar für den Staat und ſein Regi⸗ ment für gefährlich erachten mußte. Die Naturen Beider gingen auseinander. Der zerrüttete, aber offen⸗ herzige Carlos ſtand einem verſchloſſenen, gleißneriſch komödiantiſchen, ſchweigſamen Vater gegenüber, wie ihn uns Schiller, nur mit zu viel Geiſtesanlagen, ſehr richtig geſchildert hat. Von dieſer mißtrauiſch abſtoßenden Kraft fühlte er ſich verletzt, verkannt, tyranniſirt, ja in ſeinen liebſten, oft überſchwenglichen Wünſchen gedemüthigt, und da er es weder durch⸗ ſetzen konnte, die Erzherzogin Anna von Oeſterreich zu heirathen(denn Philipp wollte wohl ſein Königs⸗ geſchlecht nicht durch einen ungenügenden Ehemann compromittiren), noch es dahin zu bringen vermochte, daß ihn ſein Vater nach Flandern ſchickte, ihn über⸗ haupt eine Carrière machen ließ, die ſeinen unge⸗ meſſenen Ehrgeiz kitzelte: ſo wurde er verbiſſen, ge⸗ häſſig, ja zum geheimen Palaſtrevolutionär, und da er endlich nach vielen an Tollheit grenzenden Strei⸗ chen entfliehen, und viele der vornehmſten Staats⸗ diener und Provinzialſtände unter eigenmächtigen Verſprechungen ſeinem Vater abwendig machen wollte, ſo erfolgte endlich ſeine Gefangennahme.
Man darf wohl annehmen, daß dies nur ein Gewaltact der Nothwehr von Seiten des Königs war, da ſich gar nicht ermeſſen ließ, welche Pläne in dem verdunkelten Jünglingsgehirn ausgebrütet werden konnten. Dieſer Act ſetzte die Cabinete von ganz Europa in Bewegung, und auch Spanien gährte, ſo daß es Philipp hierbei nicht ſo leicht gemacht wurde, wie Peter dem Großen bei deſſen„Unſchädlichma⸗ chung“ ſeines Sohnes.
Hören wir, was der damalige öſterreichiſche Ge⸗ ſandte Freiherr von Dietrichſtein über die Perſön⸗ lichkeit des Don Carlos 1564 an Kaiſer Maximilian ſchrieb, als alſo der junge Mann neunzehn Jahre alt war.
„Von Angeſicht,“ ſagt Dietrichſtein,„iſt der Prinz ziemlich wohlgeſtaltet. Er hat keine böſen Züge, ein braunes glattes Haar, einen mittelmäßigen Kopf, keine beſonders hohe Stirn, graue Augen, mittelmä⸗ ßige Lippen, ein längliches Kinn; ſein Angeſicht iſt ſehr blaß, er ſchlägt nicht aus dem öſterreichiſchen
Novellen⸗Zeitung.
Geſchlecht, iſt nicht breit von Schultern, auch nicht groß von Wuchs, die eine Achſel iſt etwas höher als die andere, die Bruſt eingebogen, im Rücken gegen— über dem Magen ein kleiner Buckel ſichtbar, der linke Fuß iſt ein gutes Stück länger als der rechte; er bedient ſich der rechten Seite nicht ſo gut, als der linken, er hat ſtarke, aber nicht gut geſtaltete Schen⸗ kel, iſt ſchwach auf den Beinen, hat eine feine ſchwäch⸗ liche Stimme, das Sprechen kommt ihm anfangs ſchwer an, er muß ſeine Worte herausdrücken und ſpricht das R und L ſchlecht aus. Er kann indeſſen alles, was er will, ſagen, ſo daß man ihn ziemlich verſteht.
Was man in ſeiner Jugend bezüglich ſeiner Er⸗ ziehung verſäumt hat, will man jetzt nachholen und ihn ſo behandeln, wie man früher hätte thun ſollen, was er aber jetzt Alles, da er ein ſtolzes hochfahren⸗ des Gemüth hat, nicht dulden will. Alle ſeine Diener ſind ihm gegen ſeinen Willen gegeben worden. Sein Vater hat ihn nie zu Etwas verwendet, was ihn nicht wenig ſchmerzt, hat ihn an keinem Staatsgeſchäft ſich betheiligen laſſen, wofür er freilich wohl Gründe ge⸗ habt haben mag, indem der Prinz ſich ſchnell von heftigem Zorn hinreißen läßt. Was er auf dem Her⸗ zen hat, ſagt er frei, es treffe wen es wolle, und wenn er Widerwillen gegen Jemand gefaßt, ſo giebt er ihn nicht leicht auf. Er verharrt hartnäckig auf ſeiner Meinung und was er ſich vornimmt, will er ausgeführt haben, und wenn es Unverſtändiges wäre.
Er iſt ſehr eßgierig, doch hat man ihn ſo zur Mäßigkeit gewöhnt, daß er in der Regel nur eine Speiſe täglich ißt, nämlich einen ganzen geſottenen Kapaun, klein geſchnitten und mit Hammelfleiſchſauce übergoſſen.“(Dieſe furchtbare Barbarei der Kochkunſt erweckt freilich Mitleiden für das arme Opfer deſſel— ben, und wenn Don Carlos aus dieſem Grunde re⸗ volutionär gegen ſeine Behandlung geworden wäre, ſo würde es ihm jeder Menſch von Geſchmack gern verzeihen.)„Was die Neigung zu Frauen betrifft, ſo hat er bis jetzt noch keine Beweiſe dafür geliefert.“ Dietrichſtein findet dies mit Recht für einen Jüngling von neunzehn Jahren verdächtig, um ſo mehr, da Fürſtenſöhne auch in dieſem Punkt früher als andere junge Männer majorenn werden.
Weniger günſtig als Dietrichſtein ſprach ſich Paolo Tiepolo, der Geſandte Venedigs, ein Jahr früher über den Prinzen aus, als dieſer alſo achtzehn Jahre alt war. Er ſagt:„Don Carlos iſt von ſehr kleiner Statur, häßlich und unangenehm von Geſicht und von melancholiſchem Temperament. Drei Jahre litt er ohne Unterbrechung am Wechſelfieber, zuweilen mit Irrſinn, was er von ſeinem Großvater und von
—
er ſie zum J Werguugen. iegand, heg lebrigen gerurthei b geſegnet. 3 ſane Freund Religioſtät Den noe ucher Zeug Betragens einen leiden liebte d, nn leute, vertlei en von Ma nenden perſe ſelbſt zu wiß ſchwweifungen er oft vorne Küſſe abnd- gen der nie ſeines Jihz ſchreibern ver Währen ſhah es einſ derabgeſchüt in Zorn, da ſeiner Hofle ſoofort zu tö
der Beauftre
Liſt ab, ind derkam: es einem tödt! abreicht.
die ju Stiſel von kleine Piſto Nachläſſgkei brachte, at hatte, eine einen Kamn ſer nicht ſe in den diener h Stiefel in; Und ſie von
Eines Vorſte
S iel
lunge
Wohlgfille
dent des d. ent des In


