Jahrgang 
27-52 (1864)
Seite
454
Einzelbild herunterladen

4⁵4

chen Reiſen das Nützliche mit dem Angenehmen zu vereinigen. 4

Auch für die heutige Vorſtellung war ein weiblicher Gaſt angekündigt, ein Stern erſter Größe, wie der Un⸗ ternehmer emphatiſch anzeigte. Man wollte Weber's Freiſchütz geben, und alsAgathe wurde Fräulein Agnes Lindau als Gaſt verkündigt.

Agnes Lindau? fragte ſich Löwen und beſann ſich einen Augenblick;hieß denn Brenken's Schütz⸗ ling, die kleine vielverſprechende Dorfpflanze, nicht ſo? Verſteht ſich, ſo war ihr Name. Brenken hat mir auch geſchrieben, daß etwas Tüchtiges aus ihr geworden ſei, aber daß ſie ſich als Gaſt nach Paris wagen würde, hätte ich doch nicht erwartet. Sie muß ſich ſehr entwickelt haben, um in ſolchem zarten Alter ſie kann ja kaum achtzehn Jahre alt ſein die Kühnheit zu beſitzen, das Urtheil von Paris heraus⸗ zufordern. Aber überzeugen muß ich mich doch, ob ſie es wirklich iſt; vielleicht erwartet ſie mich auch und hat Briefe von Brenken für mich.

Er kleidete ſich an und ging aus. Die Neugier, ob die angekündigte Primadonna ſich mit der kleinen Sängerin vom Dorfe als identiſch ausweiſen würde, trieb ihn fort und er erwartete mit Ungeduld die Stunde, wo man Beſuche machen konnte. Bald nach elf Uhr trat er in das Hötel, in welchem Fräulein Lindau abgeſtiegen war.

Mehrere Journaliſten begegneten ihm auf der Treppe, welche wohl ſchon bei der Sängerin geweſen waren. Löwen kannte ſie wohl, es waren die Kritiker der wichtigſten und einflußreichſten Journale von Paris,

und in ihrer Mitte Monſieur Jules, der Schrecken

aller Künſtler, welche ſeiner Gnade nicht theilhaftig waren. Er führte die ſchärfſte Feder und hatte das unfehlbarſte Auge für jeden Fehler; ſein Spott war der unerbittlichſte, ſeine Sarkasmen die beißendſten; er war die Gottesgeißel der Kritik. Monſieur Jules ſtieg die Treppe ebenfalls hernieder, welche zu der Wohnung der deutſchen Sängerin führte, er mußte bereits ſeine Aufwartung gemacht haben. Aber Mon⸗ ſieur Jules ſah ſehr wenig freundlich, er ſah ſogar zürnend und aufgebracht aus, und ſeine dunkeln Au⸗ gen funkelten wie Dolchſpitzen, als er lebhaft redend und geſticulirend inmitten ſeiner Collegen die Stu⸗ fen herniederſtieg.

Baron Löwen erſchrak, als er das ſah; er wußte, das war ein ſehr ſchlimmes Zeichen, und er bedau⸗ erte im Voraus die Künſtlerin, welche es ſo ſchlecht verſtanden hatte, ſich die Gunſt des Monf Jules zu erwerben, des Monſieur Jules, den manden Bullenbeißer unter der Recenſentenhorde nannte, und

Novellen⸗Zeitung.

dem die ganze Schaar nachzukläffen pflegte in tiefſter Unterthänigkeit.

Monſieur Jules kam zürnend aus dem Boudoir Agnes Lindau's, und das war ein ſehr ſchlechtes Zeichen für die deutſche Künſtlerin! denn Monſieur Jules war eine gar mächtige und einflußreiche Per⸗ ſönlichkeit, und ſein Urtheil beherrſchte die Meinung von Paris.

Ha! rief der Gewaltige zürnend und wandte ſein krankhaft bleiches Angeſicht nach allen Seiten hin, wie um ſich von dem zuſtimmenden Zorne ſeiner Collegen zu überzeugen;dieſe deutſche Gans will uns nicht empfangen, uns antichambriren laſſen! uns, die Vertreter der Preſſe von Paris! Mordieu, das iſt zu toll, es iſt unausſprechlich, es iſt noch nicht dageweſen! Und dieſe Närrin will ſingeng in Paris! Hahaha!

Löwen konnte Nichts weiter verſtehen; aber was er gehört hatte, war hinreichend, um ihn für die Künſtlerin und ihren Erfolg bange zu machen. Sie ſollte ſchon heute auftreten, und am andern Morgen würden ſämmtliche Pariſer Journale ſie herunterrei⸗ ßen, das wußte er ganz genau!

Er mußte ſie ſehen, mußte ſie warnen, wer ſie auch ſein mochte; und er eilte den Reſt der Treppe empor.(Cortſetzung folgt.)

Gedicht von Lndwig Bauer).

Germania.

Germania, du herrlich, du kaiſerlich Weib, Mit wonnigen Reizen begnadet, Was hüllſt du in Trauer den minnigen Leib, Die Augen in Thränen gebadet?

Du Aſchenbrödel der Völker, verkannt

Und verhöhnt den herriſcher Schweſtern, Wie lange noass man im fremden Land Und am heimiſchen Heerde dich läſtern?

Du ſitzeſt am Heerde, des Troſtes beraubt, Indeß ſie auf Märkten und Gaſſen

Mit lachendem Mund, mit erhobenem Haupt Dein väterlich Erbe verpraſſen.

Da wird durch die ängſtlich dämmernde Nacht Ein Ruf aus verſchollenen Tagen,

Ein Wort von alter verfallener Macht

Ans lauſchende Ohr dir getragen.

weite, veränderte Auflage.

*) Aus: Gedichte von Ludwig Bauer. 1864.

Würzburg, Verlag von A. Stuber's Buchhandlün

er giebt ſ du ſchreiteſ Ducch de Erſt flüſter

Sie iſt di

1 Der König⸗ Steht vol eilzig det Di ſei mir 7.,8 d Dann ſind d

Mit Kraft Wenn Einen Hin ſtakt e Du Aſchent Biſt du dar Dann tönet Und der Ru

Literar

Don bei Kroͤner Schille ein ſo bleil ſhichte ern Pablicums hers über Helden erfa de ſp vielfach der die große T len immer Forſchung des Infar dealifirt, dramatiſche Egmont. doch ein ſeines Vater ſcheinlich ol und Famili