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thümliches Feuer. Man ſah, dieſes Kind ſang mit Begeiſterung und vergaß die Welt um ſich, wenn es ſang.
Graf Oskar fragte den Lehrer nach dem Mäd⸗ chen, er war ganz entzückt von dieſer Stimme, die freilich nichts von der Kunſtfertigkeit geſchulter Prima⸗ Donnen hatte, wie er ſie in der Reſidenz und auf Reiſen gehört, deren Friſche und Schmelz ihn dage⸗ gen an den Lerchenjubel im grünen Felde erinnerte.
„Das Mädchen iſt das Kind armer Leute, am Ende des Dorfes,“ berichtete der Lehrer.„Sie heißt Agnes Lindau; aber das iſt wahr, ihre Stimme iſt eine holde Wunderblume, aus welcher vielleicht ein Stern erſter Größe entſtünde, wenn die einfachen Leute daran dächten und daran denken könnten, ſie ausbil⸗ den zu laſſen. Aber die Eltern leben auch nur von ihrer Hände Arbeit. Ihr kleines Beſitzthum trägt wohl ſo viel ein, als ſie brauchen, aber ſchwerlich mehr, und da iſt es denn am beſten, wenn das Mäd⸗ chen gar nicht erfährt, welcher Wunderborn in ihrer Kehle verborgen ruht.“
Graf Oskar erwiderte nichts, aber gegen Mittag trat er mit dem Freunde in das kleine Häuschen Hans Lindau's. Dieſer und ſeine Frau waren eben vom Felde heimgekehrt und nicht wenig erſtaunt und er⸗ ſchrocken, den Herrn Grafen in ihrer ärmlichen Hütte zu ſehen.
Aber Oskar's leutſeliges Weſen verſcheuchte bald ihre Befangenheit, ohne daß er die ſonſt ſo beliebten gnädigen Redensarten, wie„fürchtet Euch nicht, lie⸗ ben Leute,“ ꝛc. angewandt hätte. Er nahm in dem Stübchen auf der weißgeſcheuerten Bank am Fenſter Platz und ſah ſich wohlgefällig in dem ärmlichen Raume um. Es war da freilich ein himmelweiter Unterſchied zwiſchen der Ausſtattung im gräflichen Schloſſe und in dieſer Hütte; aber reinlicher und ac⸗ curater, als in Liſens Stübchen, konnte es in keinem Königspalaſte ſein, und das wußte Liſe auch und wurde durchaus nicht verlegen, als ſich der Graf in ihrem Reiche niederließ und mit neugierigem Blicke das ganze Weſen muſterte.
„Ihr habt eine Tochter, Hans Lindau,“ ſagte der Graf leutſelig,„ich habe das kleine, reizende Mädchen heute Morgen in der Schule geſehen und habe ſie ſingen hören. Das Kind hat eine wunder bare Stimme, die, wenn ſie richtig een ein Juwel für ganz Deutſchland werden kann. Dieſe Ausbildung koſtet nun freilich viel Geld, dest der Schulmeiſter Euch nichts weitent um Euch nicht nutzlos aufzuregen, abe Sünde ſein, dieſe Stimme hier auf dem De kommen zu laſſen. Wenn Ihr mir das Kind überlaſ⸗
Novellen⸗Zeitung.
ſen wollt, ſo würde ich ſie auf einem Conſervatorium ausbilden laſſen und ihr den ausgezeichnetſten Unter⸗ richt verſchaffen. Ich bin überzeugt, daß die Kleine zu den höchſten Kunſtleiſtungen berufen iſt; und es würde mir Freude machen, wenn ich ſie auf den Weg des Ruhmes führen könnte. Sie würde dann ſehr viel Geld verdienen und ſehr reich werden, denn man bezahlt große Sängerinnen jährlich mit mehreren Tau⸗ ſend Thalern.“
Die beiden Landleute ſtaunten.
„So viel Geld für unſere Tochter?“ fragte Hans
freudig;„das wäre ja ein ungeheures Glück!— Aber—“ fügte er mißtrauiſch hinzu,„dann ſoll ſie wohl nicht mehr unſere Tochter ſein, dann wollen Eure Gnaden ſie wohl behalten?“
„Nein, nein, guter Lindau, fürchtet Nichts,“ er⸗ widerte Graf Oskar lächelnd,„Ihr ſollt Eure Toch⸗ ter immer behalten, ſie ſoll immer, auch wenn ſie in Glanz und Pracht lebt, Euer Eigen bleiben, und ich wünſche Nichts, als ſie glücklich zu machen und der Welt ihre Stimme zu erhalten.“
Liſe nickte zuſtimmend; der Mutterſtolz regte ſich in ihr; eine berühmte Tochter einmal die Ihrige nennen zu dürfen, kitzelte auch die Eitelkeit der Bäuerin. Hans dagegen ſchüttelte noch immer den Kopf.
„Wer weiß, ob es gut gethan ſein dürfte, Herr
Graf, wenn das Mädchen aus ſeinen ärmlichen Ver⸗
hältniſſen herausgeriſſen würde. Laſſen Eure Gnaden ſie uns nur hier; wir ſind recht dankbar für die große Ehre, aber ein Kind, das einzige, weggeben ſollen, iſt doch auch ſchmerzlich.“
„Aber Hans, Du weißt nicht, was Du redeſt! Statt dem Herrn Grafen auf Deinen Knieen zu danken für die hohe Gnade, welche er uns bietet, ſtößt Du ſie von Dir. Und doch weißt Du ſo gut als ich ſelbſt, daß unſer Kind auch einmal arm wird,
und doch zu za um in ſe Arbeiten thun zu können einer Thorheit willen willſt Du Dein Kin Glück bringen! Ich bin die Mutter und lieb id ſo ſehr wie Du, aber ich gebe es dennoch g hin, damit es glücklich werde.“
„Da hat u nicht Unrecht, Lindau, und wenn die Kleine ſchwächlich iſt, ſo ſolltet Ihr um ſo weniger halsſtarrig und ſelbſtſüchtig ſein und die ſeltene Himmelsgabe unbenutzt laſſen wollen, mit wel⸗ cher Eure Tochter begnadigt wurde.“
„Eine Himmelsgabe!— Haſt Du es gehört, Liſe? Laß Dich nicht blenden, Alte, denke an die Prophetin!“ rief Hans entſetzt und warnend.
„Pah, die Zigeunerin! ſie wußte wohl viel, was ſie wollte, und wer hört auf ſolches alberne Gewäſch!
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