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Eine und durchforſchte dabei vergeblich die Köpfe⸗ welche ſich über dem Empore zeigten, um die kleine Sängerin zu finden.
„Sie iſt wirklich von wunderbarer Schönheit,“ entgegnete der Andere,„ſchade nur, daß ſie hier auf dem Lande blüht.“
Der Prediger betrat eben die Kanzel, und ſie mußten ſchweigen. Gleich darauf verklangen auch Ge⸗ ſang und Orgel, und der Pfarrer begann ſeine Rede. Es ſchien ein einfacher, würdiger Mann zu ſein, der ſeit langen Jahren ſeine Worte dem Verſtändnißver⸗ mögen der Gemeinde anzupaſſen verſtand. Die bei⸗ den Fremden im Herrenſtuhl folgten aufmerkſam der Predigt, und die Art und Weiſe des würdigen Man⸗ nes gefiel ihnen wohl. Er ſprach überzeugend und eindringlich, verkündete ein einfaches, ſchmuckloſes Chri⸗ ſtenthum ohne pietiſtiſche Zugaben, mit denen ja jetzt leider auch die Landpfarrer den einfachen Dorfleuten die Köpfe zu verdrehen verſuchen, und das gefiel den jungen Leuten beſonders. Die Predigt war auch nicht üͤbermäßig lang, und als das Amen ertönte, geſtan⸗ den ſich die beiden Inwohner des Herrenſtuhles, daß ſie recht gern noch länger zugehört haben würden, und das iſt in unſerer Zeit das beſte Lob für einen Prediger.
Nun ertönten noch einmal Orgel und Geſang, noch einmal hörten die beiden Männer jene engelreine Stimme; dann verließen ſie die Kirche. Am Wagen begrüßte ſie der Pfarrer, der einen Seiteneingang der Kirche benutzte, welcher ſogleich in die Sacriſtei führte, und der würdige Seelſorger hatte den jungen Män⸗ nern ſo wohl gefallen, daß ſie ihn nicht losgaben, er mußte mit ihnen auf das Schloß fahren, um ihr Junggeſellenmahl zu theilen.
Graf Oskar von Brenken und Baron Rudolf von Löwen— unſere Leſer haben ſie längſt erkannt— waren auf ihrer Rundreiſe durch die Güter des Erſtern bis nach Z., einer der reichſten und größten Beſitzun⸗ gen des Grafen, gekommen. Sie wollten hier noch einige Zeit verweilen, die Zuſtände prüfen und ord⸗ nen, wo es nöthig war, und dann in die Reſidenz zurückkehren. Baron Löwen hatte richtig gerechnet, wenn er von einer ſolchen Rundreiſe für ſeinen Freund Zerſtreuung und wohlthätiges Ablenken von unthäti⸗ gem Jammer hoffte. Graf Oskar fand überall Arbeit, überall war ſeine Nähe erwünſcht und gab es tauſend Dinge, mit deren Erledigung auf die Ankunft des Grundherrn gewartet worden war. Ueberall mußte er ſich nun auch ſelbſt informiren und in die Verhält— niſſe hineinleben; er hatte den ganzen Tag zu thun, und der Freund mußte mit ihm thätig ſein, und unter der Macht des Praktiſchen und Nothwendigen,
Novellen⸗Zeitung
das ſie überall umgab, fanden ſie beide nicht Zeit, viel an andere Dinge zu denken. Beſchäftigung iſt
der beſte Tröſter im Leide, das lernte auch Oskar
Brenken in dieſen Wochen ernſter Thätigkeit erkennen; ſein Gemüth gewann allmählich die frühere Heiter⸗
keit und Friſche wieder, und mit der Heilung der
inneren Wunden kehrte auch die Geſundheit des Kör⸗ pers zurück.
Graf Brenken war ernſter und ſorgfältiger ge⸗ worden. Das Bewußtſein einer ſchweren und ver⸗ antwortungsreichen Pflichterfüllung lag ihm ob und prägte ſich in ſeinem Weſen aus; aber das trübe Hinbrüten um den unvermeidlichen Verluſt hatte er überwunden, von ſeiner krankhaften Gemüthstrauer war er geneſen.
Er hatte auf ſeinen Gütern bereits Vieles gethan, manchen Armen unterſtützt, manchem Uebelſtande ab⸗ geholfen, manche Bitte erfüllt; der junge Mann hatte ſich überall wahrhaft väterlich ſorgſam gezeigt, und tauſend Segenswünſche folgten ſeinen Spuren.
Auch in Z., wo er erſt am vergangenen Tage angekommen war, hoffte Graf Oskar noch Gelegen⸗ heit zu Wohlthaten zu finden, und er benutzte wäh⸗ rend des Diners die Anvpeſenheit des Pfarrherrn,
um ſich über die Zuſtände des Dorfes und ſeiner
Bewohner diejenigen Aufſchlüſſe zu verſchaffen, welche der wahre Seelenhirt einer Gemeinde immer am beſten zu geben vermag.
Von dieſem würdigen Manne erfuhr der Graf ſo Manches, was ihn intereſſiren mußte, erfuhr er auch von der Geſinnung und dem Geiſte unter den Leuten, von dem geiſtigen und ſittlichen Zuſtande der Jugend, die derſelbe nur lobend hervorheben konnte, und für welche er den erſt ſeit einem Jahre ange⸗ ſtellten Schullehrer als einen Reformator bezeichnete.
„Die Kinder werden keine Gelehrte,“ ſchloß der würdige Mann ſeine Rede,„aber ſie lernen etwas Ordentliches und Praktiſches, was einfachen, ländli⸗
chen Verhältniſſen Noth thut, und ſie werden vor Allem zu anſtändigen, tüchtigen Menſchen erzogen. Der Lehrer iſt der Gnade und Unterſtützung des Herrn Grafen beſonders zu empfehlen, und es wird ſich in Ueberweiſung einiger guter Unterrichtsmittel,
mehrerer Landkarten, eines Globus und eines Piano⸗
forte Gelegenheit genug dazu bieten. Ein Pianoforte vermißt der vermögensloſe Mann am ſchmerzlichſten, weil er nicht nur den Schulkindern Geſangunterricht
ertheilt, ſondern auch eine Liedertafel aus den jungen
Burſchen des Dorfes gebildet hat. Eure Gnaden kennen wohl ſelber das Wohlthätige ſolcher Vereini— gung zur Genüge, welche von tauſend Ausſchweifun⸗ gen und Nichtsnutzigkeiten abzieht und zu einer edlen,
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