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Vierte Folge.
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Eine Wlochenchronik für Titeratur, Kunst, ſchöne Tliſſenſchaften und Geſellſchuft.
Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.
Leipzig, am
No. 29.
II. Jahrgang.
Abonnementspreis jährl. 5 ¼ Thlr.
15. Juli 1864.
Die Primadonna.
Novelle von Julius Mühlfeld. (Fortſetzung.)
Die Glocken auf dem Kirchthurme in Z. läuteten heute länger und feierlicher als gewöhnlich, und die Dorfbewohner zogen in ihrem beſten Sonntagsſtaate dem Gotteshauſe zu. Das kleine, aber einfach ge⸗ ſchmackvolle Kirchlein war ſchon gefüllt, ehe noch die Glocken ihr Geläute beendet hatten, und aller Augen hingen mit neugierigem Ausdrucke an dem Herren⸗ ſtuhle, deſſen geöffnetes Fenſter und das Wappen über demſelben mit Blumen und Grün bekränzt waren.
Der Herrenſtuhl war noch leer, und die Augen der neugierigen Dorfbewohner flogen von demſelben nach der Thüre zurück und bewachten den Eingang des Kirchleins.
Die Glocken ſchwiegen endlich, der Cantor ſaß
an der Orgel, und um dieſe herum, auf dem einzigen Empor, ſtanden die Schulkinder des Dorfes zum Ge⸗ ſange bereit.
Da vernahm man das Rollen eines Wagens. Gleich darauf traten zwei junge Männer in die Kirche, alle Anweſenden erhoben ſich mit ehrerbietigem Gruße, und die beiden Fremden ſchritten mit freundlichem Neigen langſam durch den Raum und traten in den Herrenſtuhl.
In demſelben Augenblicke begann die Orgel ihr Vorſpiel, und helle Kinderſtimmen tönten darein, mit denen die Gemeinde heute ihren Geſang nur leiſe zu miſchen wagte; da konnte es denn nicht fehlen, daß den beiden Fremden eine helle Sopranſtimme auffiel, welche mit ſeltenem Wohllaute und himmliſcher Fein⸗ heit neben den andern hervortrat. Sie tönte von dem Empore herab, mußte alſo einem der Kinder da oben gehören, und es däuchte den jungen Männern, als ob die zarten Töne auf Engelsfittigen zu ihnen herniedergetragen würden.
„Hörſt Du dieſe Stimme, Rudolph?“ fragte der


